Fr., 13.03.2026 , 10:03 Uhr

Engpässe, Online-Konkurrenz und sinkende Apothekenzahlen

Apotheken in Sachsen unter Druck

Immer mehr Apotheken in Sachsen kämpfen mit wirtschaftlichen Problemen. Lieferengpässe, stagnierende Honorare und Konkurrenz aus dem Onlinehandel verschärfen die Lage.

Chemnitz - Das Netz der Apotheken in Sachsen wird zunehmend dünner. Steigende Kosten, stagnierende Honorare, Lieferengpässe bei Medikamenten und wachsende Konkurrenz durch Versandapotheken setzen viele Betriebe unter Druck. Nach Angaben des Sächsischen Apothekerverbandes schreibt inzwischen rund ein Drittel der Apotheken rote Zahlen oder gilt wirtschaftlich als gefährdet.

Zahl der Apotheken sinkt weiter

Die Zahl der Apotheken in Sachsen geht seit Jahren zurück. Wie der Landesverband mitteilt, haben allein im vergangenen Jahr 18 Apotheken geschlossen, während lediglich fünf neue eröffnet wurden. In den vergangenen zehn Jahren sind mehr als 120 Apotheken verschwunden. Aktuell gibt es im Freistaat noch 864 Apotheken.

Für viele Betreiber wird es zunehmend schwierig, ihre Apotheke wirtschaftlich zu führen oder einen Nachfolger zu finden, wenn sie in den Ruhestand gehen. Investitionen werden deshalb häufig zurückgestellt. Für die Bevölkerung kann das längere Wege zur nächsten Apotheke bedeuten – obwohl die Gesellschaft immer älter wird und der Bedarf an medizinischer Versorgung steigt.

Stagnierende Honorare bei steigenden Kosten

Ein zentraler Kritikpunkt der Apotheker ist die Entwicklung der Vergütung. Seit 2013 erhalten Apotheken pro abgegebener Medikamentenpackung ein Fixhonorar von 8,35 Euro. In derselben Zeit seien die Betriebskosten jedoch um rund 65 Prozent gestiegen.

Reinhard Groß, Vorstandsmitglied im Sächsischen Apothekerverband und Betreiber einer Apotheke im Zwickauer Wohngebiet Eckersbach, sieht darin einen wesentlichen Grund für die wirtschaftlichen Probleme vieler Betriebe.

Engpässe bei zahlreichen Medikamenten

Zusätzlich erschweren Lieferprobleme bei Arzneimitteln den Alltag in den Apotheken. Nach Angaben des Verbandes sind derzeit mehr als 500 Medikamente nicht oder nur eingeschränkt verfügbar. Betroffen seien verschiedene Präparate – darunter auch Medikamente gegen Bluthochdruck oder Asthma.

Für Apotheker und ihre Mitarbeiter bedeutet das zusätzlichen Aufwand. Häufig müssen Ersatzpräparate organisiert, Ärzte kontaktiert oder Dosierungen angepasst werden.

Konkurrenz durch Versandapotheken wächst

Ein weiterer Faktor ist der zunehmende Wettbewerb durch Versandapotheken. Besonders durch die Einführung des E-Rezepts hat der Onlinehandel nach Angaben des Apothekerverbandes an Bedeutung gewonnen.

Im Bereich der Selbstmedikation erreicht der Versandhandel demnach inzwischen mehr als 20 Prozent Marktanteil. Bei verschreibungspflichtigen Arzneimitteln liegt der Anteil mit etwa 1,5 Prozent deutlich niedriger.

Kritik äußert der Verband unter anderem daran, dass Versandapotheken teilweise im Ausland sitzen und keine Notdienste leisten müssen. Zudem stoße Werbung mit prominenten Gesichtern – etwa mit Fernsehmoderator Günther Jauch – bei vielen Apothekern auf Unverständnis.

Reformpläne der Bundesregierung

Die Bundesregierung hat angekündigt, die Vergütung der Apotheken anzuheben. Laut Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) soll das Fixhonorar pro Medikamentenpackung auf 9,50 Euro steigen.

Zudem sollen Apotheken künftig zusätzliche Leistungen übernehmen können, etwa im Bereich Impfungen oder Vorsorgeangebote. Auch Bürokratieabbau und erleichterte Gründungen von Zweigapotheken sind vorgesehen.

Der Sächsische Apothekerverband begrüßt die geplante Honorarerhöhung grundsätzlich, sieht darin jedoch nur einen ersten Schritt. Langfristig müsse die Vergütung regelmäßig angepasst werden.

Protesttag im März geplant

Um auf ihre Situation aufmerksam zu machen, planen Apotheker bundesweit Protestaktionen. Für den 23. März ist ein Protesttag angekündigt. Nach Angaben des Verbandes sollen an diesem Tag viele Apotheken auch in Sachsen geschlossen bleiben. Die Versorgung soll jedoch über Notdienste sichergestellt werden.

Bereits zuvor kommen Apotheker aus Sachsen in Chemnitz zum Apothekertag zusammen, um über die aktuelle Lage der Branche zu beraten.