Sa., 23.08.2025 , 15:30 Uhr

Über 63.000 Rentner in Sachsen arbeiten

Arbeiten statt Ruhestand

Für viele Menschen in Sachsen ist der Ruhestand längst nicht mehr gleichbedeutend mit Rentenbezug. Wie aus einer Antwort des Wirtschaftsministeriums auf eine Kleine Anfrage der Fraktion Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) hervorgeht, waren Ende 2024 insgesamt 63.424 Rentnerinnen und Rentner im Freistaat erwerbstätig. Besonders auffällig: Mehr als 9.000 von ihnen gehören bereits der Altersgruppe 75 bis 85 Jahre an.

Die BSW-Fraktionschefin Sabine Zimmermann spricht von einem „sozialpolitischen Skandal“. Es sei unzumutbar, dass Menschen nach jahrzehntelanger Arbeit auch mit 70 oder gar 85 Jahren noch schuften müssten. „Statt über ein höheres Renteneintrittsalter zu reden, brauchen wir endlich existenzsichernde Renten“, so Zimmermann.

Nach Angaben der Fraktion ist die Zahl der Erwerbstätigen im Rentenalter zwischen 2020 und 2024 um 11,5 Prozent gestiegen – seit 2005 hat sie sich sogar mehr als verdoppelt. Gründe seien die steigenden Lebenshaltungskosten, höhere Mieten sowie die anhaltende Inflation.

Gleichzeitig wächst auch der Bedarf an staatlicher Unterstützung: Laut Statistischem Bundesamt erhielten im März 2025 rund 19.920 Menschen über der Regelaltersgrenze in Sachsen Grundsicherung im Alter – mehr als doppelt so viele wie vor 20 Jahren.

Heftig kritisiert die BSW-Fraktion auch den jüngst von Ökonom Marcel Fratzscher ins Spiel gebrachten Vorschlag, ein verpflichtendes soziales Jahr auch für Rentner einzuführen. Das sei eine „Verhöhnung älterer Menschen“, die oft bereits bis zu 60 Jahre gearbeitet hätten.

Die Partei fordert stattdessen eine Rentenreform nach österreichischem Vorbild, bei der auch Beamte, Abgeordnete und Selbstständige einzahlen. Außerdem solle es steuerfreie Renten bis 2.000 Euro geben sowie Investitionen in sozialen Wohnungsbau, um Altersarmut langfristig zu verhindern.