Chemnitz - Die Arbeitslosigkeit in Sachsen ist im Mai erneut zurückgegangen. Nach Angaben der Regionaldirektion Sachsen der Bundesagentur für Arbeit waren im Freistaat 151.442 Männer und Frauen arbeitslos gemeldet. Das sind 3.382 weniger als im April. Im Vergleich zum Mai des Vorjahres liegt die Zahl jedoch um 4.410 Personen höher. Die Arbeitslosenquote sank auf 7,0 Prozent.
Michaela Ungethüm, Geschäftsführerin operativ und Vizechefin der Regionaldirektion Sachsen der Bundesagentur für Arbeit, verwies auf saisonale Effekte. Viele Menschen hätten im Mai eine Arbeit aufgenommen. Gleichzeitig werde verstärkt in Maßnahmen und Qualifizierungen investiert. Trotz der weiterhin angespannten Lage gebe es Chancen auf dem Arbeitsmarkt. In Sachsen seien knapp 32.000 freie Stellen gemeldet.
Ungethüm appellierte insbesondere an junge Menschen, die kommenden Monate zu nutzen, um passende Ausbildungs- und Beschäftigungsmöglichkeiten zu finden. Auch Arbeitgeber sollten frühzeitig den Kontakt zur Arbeitsagentur suchen. Die Bundesagentur unterstütze unter anderem bei der Besetzung freier Arbeits- und Ausbildungsstellen, bei der Auswahl geeigneter Bewerber sowie mit finanziellen Zuschüssen, Probearbeit oder Praktika für junge Menschen.
Trotz des Rückgangs im Monatsvergleich bleibt die Arbeitslosigkeit in Sachsen auf einem hohen Niveau. Mit 151.442 arbeitslosen Menschen wurde der höchste Stand in einem Mai seit zehn Jahren erreicht. Zuletzt lag die Arbeitslosenquote im Mai 2016 mit 7,4 Prozent höher.
Von den aktuell gemeldeten Arbeitslosen werden 94.603 Personen durch die 13 sächsischen Jobcenter betreut. Das entspricht 62,5 Prozent aller Arbeitslosen. Die elf sächsischen Agenturen für Arbeit unterstützen 56.839 arbeitslose Menschen, also 37,5 Prozent.
Im Monatsverlauf ging die Arbeitslosigkeit in beiden Rechtskreisen zurück. In den Jobcentern sank die Zahl um 1.508 Personen, ein Minus von 1,6 Prozent. In den Arbeitsagenturen ging sie um 1.874 Personen zurück, ein Minus von 3,2 Prozent. Im Vergleich zum Vorjahr sind jedoch in beiden Bereichen mehr Menschen arbeitslos gemeldet. In den Jobcentern beträgt der Anstieg 264 Personen, bei den Arbeitsagenturen 4.146 Personen.
Von den 151.442 Arbeitslosen in Sachsen suchen 67.526 eine Beschäftigung als Fachkraft, Spezialist oder Experte. 79.178 Menschen suchen eine Tätigkeit als Helfer.
In allen 13 Landkreisen und kreisfreien Städten Sachsens ist die Arbeitslosigkeit im Vergleich zum April zurückgegangen. Besonders deutlich fiel der Rückgang im Landkreis Leipzig aus. Dort sank die Zahl der Arbeitslosen um 412 Personen beziehungsweise 4,6 Prozent. Im Vogtlandkreis ging die Arbeitslosigkeit um 310 Personen beziehungsweise 4,5 Prozent zurück. In den Landkreisen Sächsische Schweiz-Osterzgebirge und Nordsachsen lag der Rückgang jeweils bei 4,2 Prozent.
Die geringsten Rückgänge wurden in der Stadt Chemnitz mit minus 42 Personen beziehungsweise minus 0,3 Prozent, im Landkreis Bautzen mit minus 70 Personen beziehungsweise minus 0,7 Prozent sowie in der Stadt Leipzig mit minus 1,1 Prozent verzeichnet.
Auch die Arbeitslosenquoten sanken in fast allen Regionen. Die niedrigste Quote meldete der Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge mit 5,4 Prozent. Es folgen der Erzgebirgskreis mit 5,7 Prozent und der Landkreis Meißen mit 5,8 Prozent. Die höchste Arbeitslosenquote wurde in der Stadt Chemnitz mit 9,8 Prozent registriert. Die Stadt Leipzig lag bei 8,8 Prozent, ebenso der Landkreis Görlitz. Dresden kam auf 7,0 Prozent. Der Landkreis Leipzig lag bei 6,3 Prozent.
Bei der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung zeigt sich ein gemischtes Bild. Im März 2026 waren nach jüngsten Hochrechnungen 1.611.700 Frauen und Männer in Sachsen sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Das waren 1.400 mehr als im Februar 2026, aber 18.100 weniger als im März 2025. Im Vorjahresvergleich entspricht das einem Rückgang um 1,1 Prozent.
Die Entwicklung unterscheidet sich je nach Branche deutlich. Zuwächse gab es im Gesundheitswesen mit 3.000 zusätzlichen Beschäftigten, in Heimen und im Sozialwesen mit 2.100 zusätzlichen Beschäftigten sowie bei freiberuflichen, wissenschaftlichen und technischen Dienstleistungen mit einem Plus von 1.100.
Rückgänge verzeichneten vor allem konjunkturnahe Bereiche. Im verarbeitenden Gewerbe sank die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten im Vorjahresvergleich um 10.800. In der Arbeitnehmerüberlassung lag das Minus bei 3.600, im Bereich Handel, Instandhaltung und Reparatur von Kraftfahrzeugen bei 2.700. Auch Information und Kommunikation, Erziehung und Unterricht sowie das Baugewerbe verzeichneten Rückgänge.
Die Nachfrage nach Arbeitskräften bleibt nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit vorhanden. Im Mai meldeten sächsische Betriebe 6.576 neue freie Stellen. Das waren 169 mehr als im April und 425 mehr als im Mai des Vorjahres.
Insgesamt waren bei den Arbeitsagenturen und Jobcentern in Sachsen 31.903 freie Stellen gemeldet. Das entspricht einem Plus von 115 Stellen gegenüber dem Vormonat und einem Plus von 1.685 Stellen gegenüber Mai 2025. Auffällig ist nach Angaben der Bundesagentur, dass die meisten gemeldeten Stellen auf Normalarbeitsverhältnisse entfallen. 93 Prozent der Stellen sind unbefristet zu besetzen, 87 Prozent in Vollzeit.
In der Jobbörse der Bundesagentur für Arbeit sind aktuell rund 40.000 freie Stellen für Sachsen veröffentlicht.
Die Zahlen zeigen auch eine hohe Dynamik auf dem sächsischen Arbeitsmarkt. Im Mai meldeten sich 26.350 Menschen bei einer Arbeitsagentur oder einem Jobcenter arbeitslos. Gleichzeitig beendeten 29.742 Menschen ihre Arbeitslosigkeit.
Aus einer Erwerbstätigkeit heraus meldeten sich 9.609 Frauen und Männer arbeitslos. Gleichzeitig nahmen 10.364 Menschen eine neue Erwerbstätigkeit auf und konnten sich aus der Arbeitslosigkeit abmelden. Darunter fanden 8.841 Personen eine Beschäftigung auf dem ersten Arbeitsmarkt. Nach Angaben der Bundesagentur lag die Zahl der Abmeldungen in Erwerbstätigkeit in einem Mai erstmals seit 2021 wieder bei mehr als 10.000.
Neben der offiziellen Arbeitslosigkeit weist die Bundesagentur auch die sogenannte Unterbeschäftigung aus. Sie umfasst neben den Arbeitslosen auch Menschen, die an arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen teilnehmen oder vorübergehend nicht für die Arbeitsvermittlung zur Verfügung stehen.
Im Mai 2026 nahmen in Sachsen 31.637 Frauen und Männer an solchen Maßnahmen teil oder standen der Arbeitsvermittlung zeitweise nicht zur Verfügung. Darunter waren 5.585 Personen in Aktivierungs- und beruflichen Eingliederungsmaßnahmen, 6.082 in beruflicher Weiterbildung und 3.329 vorübergehend arbeitsunfähig. Weitere 10.840 Menschen wurden durch andere Leistungsträger unterstützt, etwa durch den Besuch eines Integrationskurses des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge. 3.329 Personen gingen Arbeitsgelegenheiten nach.
Insgesamt lag die Unterbeschäftigung im Mai bei 183.079 Personen. Das waren 2.861 weniger als im April, aber 4.308 mehr als im Mai 2025. Die Unterbeschäftigungsquote lag bei 8,4 Prozent. Der Anteil der Arbeitslosigkeit an der Unterbeschäftigung betrug 82,7 Prozent.