Dresden - Die Dresdner Hilfsorganisation Arche Nova blickt trotz eines finanziell erfolgreichen Jahres 2025 mit Sorge in die Zukunft. Während die Organisation im vergangenen Jahr Rekordeinnahmen verzeichnete, stehen ihr 2026 deutlich weniger gesicherte Fördermittel zur Verfügung. Besonders die Finanzierung humanitärer Hilfsprojekte im Jahr 2027 bereitet den Verantwortlichen Sorgen.
Nach Angaben der Organisation stehen im laufenden Jahr rund sechs Millionen Euro weniger gesicherte Projektmittel von institutionellen Fördergebern zur Verfügung. Gleichzeitig erschweren die wirtschaftliche Lage und eine zunehmende gesellschaftliche Polarisierung nach Einschätzung von Arche Nova die Gewinnung privater Spenden.
Die Organisation warnt vor den Folgen sinkender finanzieller Unterstützung für Menschen in Krisenregionen. Besonders betroffen seien Gebiete, die politisch und medial nur wenig Aufmerksamkeit erhalten.
„Wenn humanitäre Mittel gekürzt werden, verschwinden Krisen nicht. Was verschwindet, ist die Hilfe, auf die Menschen angewiesen sind“, erklärte Arche Nova.
Bereits 2025 musste die Hilfsorganisation nach eigenen Angaben kurzfristig einspringen, nachdem andere Hilfsakteure ihre Unterstützung eingestellt hatten. Die Einschnitte bei internationalen Fördermitteln wirken sich damit unmittelbar auf die Versorgung von Menschen in Krisengebieten aus.
Ein Beispiel für die Arbeit der Dresdner Organisation sind vier Flüchtlingscamps im Nordosten Syriens. In den Lagern Washokani, Serekaniye, Twahina und Abu Khashab war die humanitäre Unterstützung nach der Auflösung der US-Entwicklungshilfebehörde USAID nach Angaben von Arche Nova vollständig weggefallen.
Die Organisation übernahm daraufhin kurzfristig die Lebensmittelversorgung in den vier Camps. In einem der Lager stellt Arche Nova nach eigenen Angaben bis heute die gesamte Wasser- und Sanitärversorgung sicher.
Die Situation verdeutlicht, welche Folgen der Wegfall internationaler Hilfsgelder für Menschen haben kann, die auf eine regelmäßige Versorgung mit Lebensmitteln und sauberem Wasser angewiesen sind.
Auch im Gazastreifen engagiert sich Arche Nova für die Versorgung der Bevölkerung. Obwohl die erhoffte institutionelle Finanzierung 2025 ausblieb, setzte die Organisation ein erstes Hilfsprojekt um.
Über mehrere Monate wurden mehr als 6.000 Binnenvertriebene mit einer Mindestmenge an Trinkwasser versorgt.
Derzeit erhalten nach Angaben von Arche Nova 4.770 Menschen im Gazastreifen Trink- und Brauchwasser. Wie lange die Unterstützung fortgesetzt werden kann, hängt von weiteren Spenden ab.
Trotz der finanziellen Herausforderungen fällt die Jahresbilanz für 2025 umfangreich aus. Nach eigenen Angaben war Arche Nova in insgesamt 14 Ländern aktiv und erreichte mit ihren internationalen Hilfsprogrammen rund 1,7 Millionen Menschen.
Die Einnahmen beliefen sich auf insgesamt 28,2 Millionen Euro. Davon stammten etwa 22,9 Millionen Euro aus öffentlichen Fördermitteln, insbesondere vom Auswärtigen Amt und dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung.
Weitere knapp 1,6 Millionen Euro nahm die Organisation durch private Spenden ein.
Die Zahlen zeigen zugleich, wie stark die Arbeit der Hilfsorganisation von institutionellen Fördergeldern abhängig ist. Fallen diese Mittel weg, müssen alternative Finanzierungsmöglichkeiten gefunden werden.
Seit mehr als 30 Jahren konzentriert sich Arche Nova auf humanitäre Hilfe in den Bereichen Wasser, Sanitärversorgung und Hygiene.
Neben der unmittelbaren Unterstützung in Krisensituationen verfolgt die Dresdner Organisation das Ziel, langfristige Strukturen vor Ort aufzubauen. Dazu gehören die Weitergabe von Wissen und die Unterstützung lokaler Akteure, damit betroffene Regionen ihre Versorgung zunehmend selbst organisieren können.
Ob die bestehenden und geplanten Hilfsprojekte auch 2027 im bisherigen Umfang fortgesetzt werden können, bleibt angesichts der angespannten Finanzierungslage offen.