Chemnitz - Der Ausbildungsmarkt in Sachsen zeigt sich zur Halbjahresbilanz stabil. Nach Angaben der Regionaldirektion Sachsen der Bundesagentur für Arbeit setzen viele Arbeitgeber weiterhin auf Ausbildung, um ihren künftigen Fachkräftebedarf zu sichern. Rein rechnerisch stehen die Chancen für Jugendliche auf einen Ausbildungsplatz weiter vergleichsweise gut: Im März waren noch 9.623 Ausbildungsstellen unbesetzt, während 9.665 Bewerber noch keinen Ausbildungsplatz gefunden hatten.
Seit Beginn des Ausbildungsjahres im Oktober 2025 haben sich in Sachsen insgesamt 14.066 Jugendliche bei den Jugendberufsagenturen gemeldet und bei der Suche nach einer Lehrstelle beraten lassen. Das sind 87 weniger als im Vorjahreszeitraum, was einem Rückgang von 0,6 Prozent entspricht. Gleichzeitig wurden den Arbeitsagenturen 15.391 Ausbildungsstellen gemeldet. Im Vergleich zum Vorjahr ist das ein Minus von 634 Stellen beziehungsweise 4,0 Prozent.
Die aktuellen Zahlen zeigen damit zwei Entwicklungen: Zum einen bleibt das Interesse an einer dualen Ausbildung hoch. Zum anderen geht die Zahl der gemeldeten Ausbildungsplätze zurück. Arbeitsminister Dirk Panter verweist in diesem Zusammenhang auf den Zusammenhang zwischen wirtschaftlicher Entwicklung und Ausbildungsbereitschaft der Unternehmen. Aus seiner Sicht bleibt Ausbildung ein zentraler Baustein für die Fachkräftesicherung in Sachsen.
Auch die Bundesagentur für Arbeit appelliert an Jugendliche, die noch auf der Suche sind, die vorhandenen Beratungsangebote zu nutzen. Klaus-Peter Hansen, Vorsitzender der Geschäftsführung der Regionaldirektion Sachsen, betont, dass Berufsberater in den Arbeitsagenturen nicht nur bei der Suche nach dem Wunschberuf unterstützen, sondern auch Alternativen aufzeigen können. Neben persönlichen Gesprächen stehen dafür auch digitale Angebote zur Verfügung.
In Sachsen können Ausbildungssuchende nach den vorliegenden Angaben unter rund 330 anerkannten Ausbildungsberufen wählen. Zudem gibt es im Freistaat etwa 17.000 Ausbildungsbetriebe. Unterstützt werden junge Menschen dabei von rund 200 Beraterinnen und Beratern in 13 Jugendberufsagenturen.
Zu den beliebtesten Ausbildungsberufen unter den Bewerbern zählen weiterhin Verkäufer, Kfz-Mechatroniker, Kaufmann oder Kauffrau für Büromanagement, Kaufmann oder Kauffrau im Einzelhandel sowie Fachlagerist. Knapp jeder dritte Jugendliche entscheidet sich für einen der sogenannten Top-Ten-Berufe. Gleichzeitig gibt es Berufe, in denen deutlich mehr freie Stellen als interessierte Bewerber gemeldet sind. Besonders gute Chancen bestehen laut Statistik unter anderem in der Fleischerei im Lebensmittelhandwerk, im Beton- und Stahlbetonbau, im Handel, in der Zerspanungsmechanik, im Eisenbahnbereich sowie in Spedition und Logistik.
Die meisten unbesetzten Ausbildungsstellen gibt es derzeit in den Berufen Kaufmann oder Kauffrau im Einzelhandel, Verkäufer, Mechatroniker, Fachkraft für Lagerlogistik und Zerspanungsmechaniker. Für Jugendliche, die bei der Berufswahl offen sind, können diese Bereiche daher zusätzliche Möglichkeiten bieten.
In der Mitteilung wird auch auf den Einfluss des sozialen Umfelds bei der Berufswahl verwiesen. Neben Eltern, Freunden und Schule spielen demnach auch Freizeit und Vereinsleben eine Rolle. Als Beispiel werden die NINERS Chemnitz genannt. Die aus dem Verein entstandene NINERS Academy begleitet junge Sportler nach eigenen Angaben nicht nur sportlich, sondern stärkt auch Kompetenzen wie Teamfähigkeit, Verlässlichkeit und Durchhaltevermögen, die später im Berufsleben hilfreich sein können.
Um Ausbildung weiter zu stärken, setzt der Freistaat Sachsen nach Angaben des Wirtschaftsministeriums auf mehrere Maßnahmen. Dazu gehören Investitionen in überbetriebliche Berufsbildungsstätten, die Unterstützung von Jugendberufsagenturen sowie Arbeitsmarktmentoren, die die Ausbildungsbeteiligung von Schutzsuchenden und anderen zugewanderten Menschen erhöhen sollen. Für die Modernisierung von Werkstätten und betrieblichen Lernorten stehen demnach rund 11 Millionen Euro aus dem Landesarm des Sachsenfonds bereit.
Trotz wirtschaftlich schwieriger Rahmenbedingungen bleibt der Ausbildungsmarkt in Sachsen damit in Bewegung. Für Jugendliche, die noch keinen Platz gefunden haben, bestehen weiterhin Chancen. Gleichzeitig macht die Entwicklung deutlich, dass Betriebe auch in wirtschaftlich angespannten Zeiten an Ausbildung festhalten müssen, wenn sie ihren Fachkräftebedarf langfristig sichern wollen.