So., 02.08.2026 , 13:57 Uhr

Azubi-Suche: Sachsens Firmen werden wählerisch

Sachsens Unternehmen schauen bei der Auswahl ihrer Auszubildenden wieder genauer hin. Passt ein Bewerber aus Sicht des Betriebs nicht vollständig zur ausgeschriebenen Stelle, bleibt der Ausbildungsplatz zunehmend unbesetzt. Gleichzeitig bewegt sich die Gesamtzahl der neuen Verträge weiterhin auf einem stabilen Niveau.

Betriebe wollen weniger Risiken eingehen

In den vergangenen Jahren hätten viele Unternehmen auch Kandidaten eingestellt, die nicht alle Voraussetzungen erfüllten, erklärte Torsten Köhler von der Industrie- und Handelskammer Dresden. Fehlende Kenntnisse oder Fähigkeiten sollten während der Ausbildung aufgeholt werden.

Nach Schwierigkeiten im Verlauf der Lehrzeit und vorzeitigen Abbrüchen seien viele Betriebe inzwischen jedoch vorsichtiger geworden. Unternehmen seien weniger bereit, Bewerbern eine Chance zu geben, wenn sie nicht vollständig von ihnen überzeugt sind.

Autoindustrie bildet weniger aus

Hinzu kommt die angespannte wirtschaftliche Lage. Vor allem Unternehmen des produzierenden Gewerbes planen zurückhaltender. Besonders deutlich zeigt sich das in der Automobilindustrie in Südwestsachsen sowie bei kleineren und mittelständischen Betrieben im Raum Leipzig. Dort werden teilweise weniger Ausbildungsplätze angeboten.

Die Entscheidung für eine Lehrstelle verlangt von Unternehmen eine langfristige Planung. Häufig wird bereits ein Jahr vor Ausbildungsbeginn festgelegt, wie viele junge Menschen eingestellt werden. Zusammen mit der Ausbildungsdauer und möglichen Übernahmeverpflichtungen müssen Betriebe mehrere Jahre vorausblicken. Wegen unsicherer Geschäftsaussichten fällt das vielen Firmen derzeit schwer.

Zahl der Ausbildungsverträge bleibt stabil

Trotzdem bleiben die Ausbildungszahlen insgesamt stabil. Im Bezirk der IHK Dresden haben bislang rund 3.600 junge Menschen einen Vertrag unterschrieben. Etwa 1.000 weitere könnten in den kommenden Wochen hinzukommen. Damit würde das Niveau des Vorjahres erreicht.

Auch in Ostsachsen zeigt sich der Ausbildungsmarkt stabil. Betriebe in Görlitz, Bautzen und der Lausitz konnten ihre ausgeschriebenen Stellen nach Angaben der IHK weiterhin besetzen.

Chipbranche sucht verstärkt Nachwuchs

Für Wachstum sorgt vor allem die Dresdner Mikrochipbranche. Das Gemeinschaftsunternehmen ESMC sucht bereits vor dem geplanten Produktionsstart seines neuen Werks im Sommer 2027 verstärkt Nachwuchs. In den kommenden Jahren sollen die Ausbildungszahlen schrittweise erhöht werden.

Auch Infineon und GlobalFoundries verstärken im Zuge ihrer Produktionserweiterungen ihre Ausbildungsaktivitäten. Bei Infineon müssen zudem in den kommenden Jahren zahlreiche Beschäftigte ersetzt werden, die in den Ruhestand gehen.

Kaufmännische Berufe legen zu

Besonders gefragt sind derzeit kaufmännische Berufe. Dazu gehören Industrie- und Immobilienkaufleute sowie Kaufleute für Büromanagement. Auch die Zahl der angehenden Berufskraftfahrer steigt.

Im Handel und im Gastgewerbe bleibt der Bedarf an Nachwuchskräften hoch. Allerdings gestaltet sich die Suche nach geeigneten Bewerbern in diesen Branchen weiterhin schwierig.