Dresden - In Dresden hat der Bau des Kernstücks der Campuslinie begonnen. Mit dem ersten Spatenstich an der Kreuzung Nossener Brücke / Budapester Straße wurde der Startschuss für das Großprojekt gegeben. Im Mittelpunkt stehen der Ersatzneubau der Nossener Brücke und der Ausbau der Straßenbahnstrecke auf der Nürnberger Straße bis zum Nürnberger Platz.
Am symbolischen Baustart nahmen unter anderem Sachsens Staatsministerin für Infrastruktur und Landesentwicklung Regina Kraushaar, Dresdens Oberbürgermeister Dirk Hilbert, Baubürgermeister Stephan Kühn, der Kanzler der Technischen Universität Dresden Jan Gerken sowie Vertreter der Auftraggebergemeinschaft teil. Dazu gehörten Andreas Hemmersbach, Vorstand der Dresdner Verkehrsbetriebe, und Dr. Axel Cunow, Finanzvorstand bei SachsenEnergie. Auch Dresdner Abgeordnete des Sächsischen Landtags waren vor Ort.
Die Fertigstellung des Vorhabens ist für Mitte 2031 vorgesehen. Während der Bauzeit soll die Nossener Brücke grundsätzlich in beiden Richtungen befahrbar bleiben. Notwendige Vollsperrungen für den Rückbau der Bestandsbrücke sollen auf einzelne Nächte und ausgewählte Wochenenden beschränkt werden.
Neue Brücke und neue Straßenbahnverbindung
Im Zuge der Arbeiten wird die Nossener Brücke vollständig neu errichtet. In der Mitte des Bauwerks entsteht zusätzlich eine eigene Straßenbahnbrücke. Die neue Campuslinie umfasst insgesamt rund 1,7 Kilometer Straßenbahntrasse und soll den öffentlichen Nahverkehr im Dresdner Süden leistungsfähiger machen.
Ziel ist es, unter anderem den Dresdner Westen umsteigefrei mit dem Campus der TU Dresden zu verbinden. Gleichzeitig sollen Anwohner entlang der Nürnberger Straße eine direkte Verbindung zum Hauptbahnhof und in die Innenstadt erhalten. Eine neue Straßenbahnhaltestelle auf der Nossener Brücke soll künftig außerdem den Umstieg zu einem geplanten S-Bahn-Haltepunkt unterhalb der Brücke ermöglichen.
Nach Angaben der Dresdner Verkehrsbetriebe sollen künftig mit den Linien 7 und 61 rund 18.700 Fahrgäste die neue Anbindung nutzen. Das wären dreimal so viele Menschen wie bisher. Die stark genutzte Buslinie 61 soll durch die neue Straßenbahnverbindung entlastet werden.
Stimmen zum Baustart
Sachsens Infrastrukturministerin Regina Kraushaar erklärte, die Campuslinie verbinde Wissenschaftsinfrastruktur, Arbeitsplätze und Wohnquartiere. Das Projekt stärke den öffentlichen Nahverkehr und verbessere den Alltag vieler Menschen.
Oberbürgermeister Dirk Hilbert bezeichnete die Campuslinie als wichtiges Verkehrsprojekt. Mit dem Vorhaben werde die marode Nossener Brücke neu gebaut und zugleich eine neue Straßenbahnverbindung geschaffen. Davon solle auch die TU Dresden profitieren.
Andreas Hemmersbach, DVB-Vorstand Mobilität, verwies auf die gemeinsame Finanzierung durch Bund, Freistaat, Stadt und DVB. Die Stadtbahnlinie 7 solle den Dresdner Westen künftig umsteigefrei an den Campus der TU Dresden anbinden. Für Fahrgäste sei während der Bauzeit ein uneingeschränkter Busverkehr vorgesehen.
TU-Kanzler Jan Gerken sprach von einer leistungsstarken und klimafreundlichen Alternative zum bisherigen Stadtverkehr. Die Verbindung verbessere die Mobilität von Studierenden und Mitarbeitenden der Technischen Universität Dresden und leiste einen Beitrag zur nachhaltigen Stadtentwicklung.
Politische Reaktionen auf das Projekt
Auch aus der Dresdner Kommunalpolitik gibt es Reaktionen zum Baustart. Marco Dittrich, verkehrspolitischer Sprecher der AfD-Fraktion im Dresdner Stadtrat, bezeichnete den Neubau der Nossener Brücke als lange überfällig. Auch die verbesserte Anbindung des TU-Campus und die Entlastung der stark genutzten Buslinie 61 nannte er sinnvoll. Zugleich verwies er auf mögliche Verkehrsbelastungen während der Bauzeit und kritisierte, dass der Stadtratsbeschluss zum Ausbau dieses Teilabschnittes bereits zwölf Jahre zurückliege.
Die SPD-Stadtratsfraktionsvorsitzende Dana Frohwieser und der Dresdner Landtagsabgeordnete Albrecht Pallas begrüßten den Baustart ebenfalls. Sie verwiesen auf die Bedeutung des Projekts für den Dresdner Süden und die Entlastung der Buslinie 61 zwischen Löbtau und Strehlen. Zugleich kritisierten sie Debatten über eine mögliche Einkürzung der Route der Campuslinie. Pallas verwies in diesem Zusammenhang auf Fördermittel des Freistaats und des Bundes, die mit dem Projekt verbunden seien.
Versorgungsleitungen werden erneuert
Neben dem Brücken- und Straßenbahnbau werden im Projektgebiet auch zahlreiche Versorgungsleitungen erneuert. Dazu gehören Leitungen für Strom, Fernwärme, Telekommunikation, Trinkwasser und Erdgas. Zusätzlich entsteht eine spezielle Datenleitungstrasse für die TU Dresden.
Bereits in den vergangenen Jahren wurden umfangreiche Vorarbeiten umgesetzt. Dazu gehörten die Sanierung von Umleitungsstrecken sowie die Verlegung von Fernwärme-, Strom- und Telekommunikationsleitungen in einen sogenannten Mediendüker unter den Gleisen der Deutschen Bahn.
Kosten von rund 324 Millionen Euro
Die Kosten des Gesamtprojekts liegen bei rund 324 Millionen Euro. Getragen werden sie anteilig von der Landeshauptstadt Dresden, den Dresdner Verkehrsbetrieben, der Stadtentwässerung Dresden, SachsenEnergie und der Deutschen Bahn.
In der Gesamtsumme enthalten sind auch Investitionen in die Telekommunikationsinfrastruktur des Staatsbetriebs Sächsisches Immobilien- und Baumanagement für die TU Dresden sowie Investitionen der Deutschen Telekom und von Vodafone.
Erhebliche Fördermittel von Bund und Freistaat Sachsen tragen zur Finanzierung bei. Allein rund 77,7 Millionen Euro stammen aus Mitteln des Sachsenfonds für kommunalen Straßenbau und Ingenieurbauwerke. Dadurch soll der Eigenanteil von Stadt und DVB auf rund 75 Millionen Euro begrenzt bleiben.
Die Bauarbeiten werden gemeinsam von der Landeshauptstadt Dresden, den Dresdner Verkehrsbetrieben, SachsenEnergie, der Stadtentwässerung Dresden und dem Staatsbetrieb Sächsisches Immobilien- und Baumanagement beauftragt. Ausgeführt werden sie von einer Arbeitsgemeinschaft aus EUROVIA, Hentschke Bau, STRABAG, WOLFF & MÜLLER sowie Züblin Stahlbau.
Eigener Gleiskörper und barrierefreie Haltestellen
Die neue Campuslinie erhält einen eigenen Gleiskörper. Dadurch kann die Straßenbahn unabhängig vom übrigen Verkehr fahren. Für den Kfz-Verkehr bleiben weiterhin vier Fahrspuren erhalten. An Kreuzungen sind teilweise zusätzliche Abbiegespuren vorgesehen.
Auch Radfahrer und Fußgänger sollen von der Umgestaltung profitieren. Über die Nossener Brücke werden abgesetzte und erhöhte Radwege geführt. Entlang der Nürnberger Straße sind Radfahrstreifen auf Fahrbahnniveau geplant. Für Fußgänger entstehen breite Wege.
Drei Haltestellen werden modernisiert und barrierefrei ausgebaut. Damit soll der Ein- und Ausstieg für mobilitätseingeschränkte Menschen sowie für Eltern mit Kinderwagen erleichtert werden.
Auf der Nürnberger Straße ist Rasengleis vorgesehen. Es soll Lärm reduzieren, die Feinstaubbelastung senken und das Stadtklima verbessern. Vier neue Baumreihen sollen der Nürnberger Straße künftig Alleecharakter geben. Ein breiter Grünstreifen trennt Schienen und Autofahrbahnen.
Neue Querungen und Aufenthaltsbereiche
Zur besseren Querung der Nürnberger Straße werden eine Ampelanlage an der Kreuzung zur Hohen Straße und neue Querungsstellen auf Höhe der Kaitzer Straße gebaut.
Vor der Ruine der Zionskirche entsteht ein neuer Aufenthaltsbereich mit Grünflächen, Sitzgelegenheiten und Fahrradabstellanlagen. Ein neuer MOBIpunkt ergänzt das Angebot um Sharing- und Ladeinfrastruktur.
Die denkmalgeschützte Grünanlage Nürnberger Ei bleibt unverändert erhalten. Lediglich die Wendefahrbahn wird zurückgebaut. Kurz vor dem Nürnberger Platz endet die Neubaustrecke zunächst. Später soll dort eine weitere Straßenbahnstrecke über den Zelleschen Weg bis zum Wasaplatz anschließen.
Bauablauf bis 2031
Von Juni 2026 bis Mai 2028 werden die nördliche Straßenseite der Nürnberger Straße sowie der nördliche Brückenzug der Nossener Brücke neu gebaut. Der Verkehr wird in dieser Zeit über den südlichen Brückenzug geführt. Für jede Fahrtrichtung bleibt eine Fahrspur zur Verfügung.
In den kommenden Monaten bindet SachsenEnergie neue Versorgungsleitungen in die jeweiligen Netze ein und nimmt sie in Betrieb. Anschließend werden das Fernwärmeprovisorium und die dazugehörige Rohrbrücke parallel zur Nossener Brücke zurückgebaut.
Von Mai 2028 bis Frühjahr 2030 folgen der Neu- und Umbau der südlichen Straßenhälfte der Nürnberger Straße sowie der Bau der neuen Straßenbahntrasse. Der Verkehr wird dann über die neue nördliche Nossener Brücke und die fertiggestellte nördliche Nürnberger Straße geleitet. Bis Mitte 2031 soll der südliche Brückenzug fertiggestellt werden.
Erste Verkehrseinschränkungen ab Juni
Bereits am zweiten Juniwochenende kommt es auf der Nossener Brücke zu ersten nächtlichen Sperrungen in Fahrtrichtung Plauen. Im weiteren Bauverlauf wird der Verkehr über den südlichen Brückenzug geführt. Das gilt auch für Fußgänger und Radfahrer.
Die Chemnitzer Straße wird zur Einbahnstraße in Fahrtrichtung Zentrum. In Richtung Plauen wird eine Umleitung über die Zwickauer Straße ausgeschildert. Für Radfahrer gibt es zusätzlich eine Umleitung über die Hohe Straße.
Änderungen im öffentlichen Nahverkehr
Die Buslinie 61 bleibt auf ihrer Stammstrecke. Ersatzhaltestellen werden im direkten Umfeld der regulären Haltestellen eingerichtet.
Bis zum 14. Juni kann die Haltestelle Zwickauer Straße in Fahrtrichtung Weißig/Fernsehturm nicht bedient werden. Vom 14. bis 30. Juni entfällt die Bedienung der Haltestelle Zwickauer Straße in beiden Richtungen. Zudem wird in diesem Zeitraum die Haltestelle Fabrikstraße in Fahrtrichtung Löbtau in Richtung Einmündung Oederaner Straße verlegt.
Ab dem 15. Juni 2026 wird die Linie 62 in beiden Fahrtrichtungen über Hahnebergstraße, Zwickauer Straße und Würzburger Straße umgeleitet. Die Haltestellen Chemnitzer Straße, Bamberger Straße und Agentur für Arbeit können dann in beiden Richtungen nicht bedient werden. Dafür werden Ersatzhaltestellen auf der Umleitungsstrecke eingerichtet.
Die Linie 8 wird ab Oktober 2026 zum Endpunkt Plauen, Nöthnitzer Straße umgeleitet. Wer die Haltestelle Südvorstadt erreichen möchte, soll ab der Haltestelle Nürnberger Platz die querende Buslinie 61 nutzen.
Über aktuelle Verkehrsführungen und Fahrplanänderungen informieren die Dresdner Verkehrsbetriebe fortlaufend.