Schkeuditz/Dölzig – Rund anderthalb Monate nach dem Ausbruch eines Tigers in Dölzig bei Leipzig sind Polizei und Veterinäramt am Mittwochmorgen zu einem größeren Einsatz in der privaten Tigerhaltung angerückt. Nach Angaben des Landratsamtes Nordsachsen geht es darum, bereits erlassene behördliche Anordnungen umzusetzen.
Aus der Anlage einer ehemaligen Zirkusartistin war Mitte Mai ein Tiger ausgebrochen. Bei dem Vorfall wurde ein 72 Jahre alter Helfer schwer verletzt. Das Tier wurde anschließend von der Polizei erschossen. Der Ausbruch ereignete sich am 17. Mai in Dölzig, einem Ortsteil von Schkeuditz. Die Anlage befindet sich in einem Gewerbegebiet nahe der Autobahn 9.
Das Landratsamt Nordsachsen hatte die Halterin nach dem Vorfall aufgefordert, die Haltungsbedingungen für die verbliebenen Tiger zu verbessern. Dafür war eine Frist gesetzt worden, die inzwischen abgelaufen ist. Welche konkreten Maßnahmen die Behörden nun auf dem Gelände ergreifen, soll nach Abschluss des Einsatzes mitgeteilt werden.
Grundlage der behördlichen Forderungen sind Vorgaben eines sogenannten Säugetiergutachtens. Demnach muss für ein bis zwei Tiger ein Außengehege von mindestens 200 Quadratmetern zur Verfügung stehen. Für jedes weitere ausgewachsene Tier sind demnach jeweils 100 Quadratmeter zusätzliche Fläche erforderlich. Nach dem Abschuss des ausgebrochenen Tigers lebten nach Behördenangaben noch acht Tiere in der Anlage.
Die Besitzerin hatte sich gegen die Auflagen gewehrt. Das Landratsamt hatte zuvor auch eine Wegnahme von Tieren als mögliche Option genannt, um den Tierbestand an die aktuell zur Verfügung stehenden Flächen anzupassen. Ob es im Zuge des aktuellen Einsatzes tatsächlich zu einer Wegnahme kommt, war zunächst nicht bekannt.
Die Staatsanwaltschaft ermittelt im Zusammenhang mit dem Tigerausbruch wegen fahrlässiger Körperverletzung durch Unterlassen. Die weiteren Einzelheiten des Einsatzes sollen nach Angaben des Landratsamtes erst nach dessen Abschluss bekanntgegeben werden.