Trotz der aktuellen Waldbrände sieht der Dresdner Waldwissenschaftler Prof. Michael Gunter Müller keinen Anlass zur Panik. „Das Waldbrandgeschehen ist seit 50 Jahren rückläufig“, sagte der Experte für Waldschutz an der TU Dresden der Deutschen Presse-Agentur. Die schlimmsten Brände in Deutschland habe es nach dem Zweiten Weltkrieg gegeben – 1946 brannten auf dem Gebiet der späteren DDR rund 100.000 Hektar Wald.
Zwar kommt es regelmäßig zu neuen Feuern, doch in 99 Prozent der Fälle würden diese laut Müller rasch unter Kontrolle gebracht – meist innerhalb der ersten ein bis zwei Stunden. Nur etwa zehn Brände pro Jahr breiten sich über größere Flächen aus.
Ein Waldbrand braucht Sauerstoff, Energie und brennbares Material – gegen die ersten beiden Faktoren sei wenig zu tun. Um Brände zu verhindern, seien vor allem Aufklärung und Brandschutzerziehung wichtig. In Deutschland seien fast alle Waldbrände auf menschliches Fehlverhalten zurückzuführen – meist grobe Fahrlässigkeit, manchmal auch Vorsatz. Natürliche Ursachen wie Blitzschläge seien selten, Selbstentzündung von Waldmaterial sei ausgeschlossen: Dafür wären Temperaturen über 300 Grad nötig.
Auch der Brand in der Gohrischheide sei mit großer Wahrscheinlichkeit menschengemacht, sagte Müller. Dort handle es sich um ein Bodenfeuer – selbst bei diesen könnten Bäume absterben, wenn ihre Stammbasis zu starker Hitze ausgesetzt ist.
Müller betonte zudem die enorme Dynamik von Flammen: Eine zwei Meter hohe Flamme könne brennbares Material noch in sechs Metern Entfernung entzünden. Bei Großbränden mit 30 Meter hohen Flammen seien es bis zu 90 Meter. Deshalb sei es für Einsatzkräfte mitunter unmöglich, nah genug an das Feuer heranzukommen.
Ein positives Beispiel nannte Müller aus dem Corona-Jahr 2020: Trotz großer Trockenheit gab es kaum Waldbrände. Der Grund: weniger Menschen im Wald zu Beginn der Pandemie, später mehr Spaziergänger – und dadurch eine stärkere soziale Kontrolle.