Mo., 27.04.2026 , 10:25 Uhr

Hunderte Termine im Unterricht sorgen weiter für Kritik

Bundeswehr besucht Sachsens Schulen

Die Bundeswehr ist regelmäßig an Sachsens Schulen präsent. Linke und GEW warnen vor einer Normalisierung militärischer Perspektiven.

Dresden/Berlin - Die Bundeswehr ist an Sachsens Schulen weiterhin regelmäßig präsent. Im vergangenen Jahr gab es 374 Termine an Schulen im Freistaat. Das geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linken im Bundestag hervor. Im Vergleich zum Jahr 2024 waren das rund 50 Besuche weniger. Gegenüber 2021 bedeutet die Zahl jedoch einen Anstieg um etwa 40 Prozent.

Auch im laufenden Jahr fanden in Sachsen bereits 35 Termine statt. Weitere 46 Termine sind nach Angaben aus der Anfrage geplant. Die Besuche umfassen unter anderem Vorträge, Planspiele, Gespräche zu sicherheitspolitischen Themen sowie Truppenbesuche für Schulklassen.

Kritik von Linken und GEW

Kritik an der Präsenz der Bundeswehr an Schulen kommt unter anderem vom Leipziger Bundestagsabgeordneten Sören Pellmann von der Linken. Er verweist darauf, dass Sachsen im Verhältnis zur Zahl der Schülerinnen und Schüler seit Jahren auf vorderen Plätzen rangiere. Pellmann bezeichnete den Ausbau der Auftritte als gefährlichen Irrweg. Kinder und Jugendliche dürften nicht schrittweise an Militär und Krieg als Normalität gewöhnt werden.

Aus seiner Sicht brauche es bei Auftritten von Soldatinnen und Soldaten im Unterricht gleichberechtigt auch zivile Perspektiven, etwa von Kriegsdienstverweigerern oder Friedensinitiativen.

Dieser Forderung schließt sich die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Sachsen an. Die stellvertretende GEW-Landesvorsitzende Claudia Maaß betonte, gerade in Krisenzeiten sei es wichtig, dass Schülerinnen und Schüler verschiedene Perspektiven kennenlernen. Zivilgesellschaftliche Akteure müssten an Schulen stärker gehört werden. Schule sei kein Ort für Militärwerbung.

Jugendoffiziere ab Klasse 9 im Einsatz

Für die Termine an Schulen sind bei der Bundeswehr sogenannte Jugendoffiziere zuständig. Sie sind speziell dafür ausgebildet, mit Schülerinnen und Schülern ab der neunten Klasse, in der gymnasialen Oberstufe sowie an Berufsschulen über sicherheitspolitische Themen zu sprechen. Dabei erläutern sie unter anderem den Auftrag der Bundeswehr oder organisieren Planspiele zu internationaler Politik und Sicherheit.

In Sachsen sind diese Schulbesuche über eine Kooperationsvereinbarung zwischen dem Kultusministerium und der Bundeswehr geregelt. Die Referenten dürfen im Unterricht nicht für Nachwuchs bei der Truppe werben. Außerdem müssen Themen, die in der Öffentlichkeit kontrovers diskutiert werden, auch im Unterricht entsprechend kontrovers behandelt werden.

Ob und wie Schulen das Angebot der Bundeswehr in den Unterricht einbauen, entscheiden sie selbst.