Die geplante Produktion von Marschflugkörpern in Leipzig polarisiert. Knapp die Hälfte der Befragten lehnt die Ansiedlung des US-Rüstungsunternehmens Covenant ab. Das geht aus der „Frage der Woche“ der O.trend GmbH hervor, für die vom 18. bis 21. September 2026 insgesamt 451 Personen online befragt wurden. Die Ergebnisse wurden nach Alter und Geschlecht gewichtet.
48 Prozent der Befragten sprechen sich gegen die Pläne aus. 30 Prozent begrüßen die Ansiedlung. Weitere 13 Prozent haben dazu keine Meinung, während neun Prozent nach eigenen Angaben bislang noch nichts von den Plänen gehört hatten.
Damit überwiegt die Ablehnung deutlich. Zugleich befürwortet knapp ein Drittel der Befragten das Vorhaben. Die Zahlen zeigen, dass die geplante Rüstungsproduktion in der Stadt auf unterschiedliche Erwartungen und Bedenken trifft.
Bei den Befürwortern stehen vor allem wirtschaftliche Argumente im Vordergrund. 89 Prozent derjenigen, die die Ansiedlung begrüßen, nennen die Stärkung des Wirtschaftsstandorts Leipzig als Grund. 85 Prozent erhoffen sich neue Arbeitsplätze. 69 Prozent verweisen auf zusätzliche Einnahmen für die Stadt.
Auch sicherheitspolitische und industrielle Überlegungen spielen eine wichtige Rolle. 68 Prozent der Befürworter nennen die Verteidigungsfähigkeit Deutschlands als Argument für die Ansiedlung. 67 Prozent sehen Chancen für regionale Unternehmen und Zulieferer. 58 Prozent verbinden das Vorhaben mit einer geringeren Abhängigkeit von Herstellern im Ausland. 56 Prozent erhoffen sich eine Stärkung von Forschung, Technologie und Industrie.
Die Ergebnisse verdeutlichen, dass die Zustimmung nicht ausschließlich wirtschaftlich begründet ist. Für viele Befürworter geht es auch um die Frage, wie Deutschland seine Verteidigungsfähigkeit stärken und die Produktion wichtiger Rüstungsgüter stärker im eigenen Land beziehungsweise in Europa verankern kann.
Auf der anderen Seite stehen grundsätzliche Vorbehalte gegenüber der Waffenproduktion. Unter denjenigen, die die Ansiedlung ablehnen, nennen 73 Prozent eine generelle Ablehnung der Waffenherstellung als Grund. 70 Prozent äußern Sicherheitsbedenken hinsichtlich des Standorts und seines Umfelds. 48 Prozent sorgen sich vor einer stärkeren Ausrichtung Leipzigs auf die Rüstungsindustrie.
Darüber hinaus befürchten 35 Prozent der Gegner negative Auswirkungen auf das Image der Stadt. 29 Prozent nennen mögliche Umwelt- und Verkehrsbelastungen. 26 Prozent zweifeln am langfristigen wirtschaftlichen Nutzen des Vorhabens, während 23 Prozent die Flächen und Ressourcen lieber für andere Zwecke nutzen würden.
Die genannten Gründe schließen sich nicht gegenseitig aus: Bei der Befragung waren Mehrfachantworten möglich. Die Prozentwerte beziehen sich jeweils auf die Gruppe der Befürworter beziehungsweise der Gegner und nicht auf sämtliche Befragten.
Deutliche Unterschiede zeigen sich auch zwischen den Geschlechtern. Innerhalb der befragten Männer begrüßen 40 Prozent die geplante Ansiedlung. Bei den Frauen liegt der entsprechende Anteil bei 20 Prozent.
Damit ist die Zustimmung unter Männern in der Umfrage doppelt so hoch wie unter Frauen. Aus den vorliegenden Zahlen lässt sich allerdings nicht ableiten, welche Ursachen hinter diesem Unterschied stehen. Dafür wären weitere Informationen zu den Einstellungen und Motiven der Befragten erforderlich.
Auch die Art der geplanten Rüstungsgüter spielt für viele Menschen offenbar keine entscheidende Rolle. Auf die Frage, wie wichtig die konkrete Art der Waffen für ihre Bewertung der Ansiedlung sei, antworteten 52 Prozent, sie sei eher unwichtig oder völlig unwichtig. 43 Prozent hielten sie dagegen für eher oder sehr wichtig. Sechs Prozent wussten es nicht. Aufgrund von Rundungen können die Anteile geringfügig von 100 Prozent abweichen.
Das Ergebnis deutet darauf hin, dass ein Teil der Befragten die Ansiedlung unabhängig vom konkreten Waffensystem bewertet. Für andere ist die Art der hergestellten Rüstungsgüter durchaus relevant.
Die Umfrage liefert einen Einblick in die Haltung der Befragten, ist aber keine Abstimmung über die Ansiedlung. Insgesamt nahmen 451 Personen an der Online-Befragung teil. Die Ergebnisse wurden nach Alter und Geschlecht gewichtet. Aus den veröffentlichten Angaben geht nicht hervor, in welchem Umfang die Stichprobe die gesamte Leipziger Bevölkerung oder das Umland repräsentiert.
Zudem wurde die Befragung im September durchgeführt, bevor Covenant die Produktionsstätte offiziell eröffnete und weitere Einzelheiten zu den Plänen bekannt wurden. Ob sich die öffentliche Meinung durch diese Informationen verändert hat, lässt sich aus den vorliegenden Zahlen nicht ablesen.
Fest steht: Die geplante Rüstungsproduktion wird unterschiedlich bewertet. Für die einen stehen Arbeitsplätze, wirtschaftliche Entwicklung und Verteidigungsfähigkeit im Vordergrund. Für die anderen überwiegen grundsätzliche Einwände gegen die Waffenherstellung sowie Sorgen um Sicherheit und Stadtentwicklung.