Do., 26.03.2026 , 12:32 Uhr

Nach über 80 Jahren kehrt Kriegsverlust in Sammlung zurück

Cranach-Gemälde kehrt nach Dresden zurück

Ein lange verschollenes Cranach-Gemälde ist nach Dresden zurückgekehrt. Das Werk war seit dem Zweiten Weltkrieg als Kriegsverlust registriert.

Dresden - Ein bedeutender Kriegsverlust ist nach mehr als 80 Jahren wieder in Dresden: Ein Gemälde aus der Werkstatt von Lucas Cranach der Ältere ist in den Bestand der Staatliche Kunstsammlungen Dresden zurückgekehrt. Das kleinformatige Porträt zeigt den sächsischen Kurfürsten Friedrich der Weise.

Das Werk befand sich zuletzt in französischem Privatbesitz. Im Zuge einer Provenienzprüfung durch das Auktionshaus Artcurial wurde festgestellt, dass das Gemälde ursprünglich Teil der Dresdner Sammlung war. Mit Unterstützung der Familie Dreyfus aus Paris sowie des Fördervereins MUSEIS SAXONICIS USUI – Freunde der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden e.V. konnte das Kunstwerk zurückgeführt werden.

Aktuell ist das Porträt in der Sonderausstellung „‚Es ist nicht Alles Gold das da gleist‘. Friedrich der Weise“ im Münzkabinett im Residenzschloss zu sehen. Die Präsentation ist bis zum 26. Juli 2026 geplant. Anschließend soll das Werk dauerhaft in der Sempergalerie im Zwinger ausgestellt werden.

Lucas Cranach der Ältere (1472–1553) und Werkstatt, Kurfürst Friedrich der Weise, 1533

Spur nach dem Zweiten Weltkrieg verloren

Das Gemälde hat eine lange und bewegte Geschichte. Bereits im 18. Jahrhundert ist es in Inventarverzeichnissen der Dresdner Galerie nachweisbar. Im Jahr 1857 gelangte es erneut in die Sammlung zurück, nachdem es zuvor verkauft worden war.

Während des Zweiten Weltkriegs wurde das Bild – wie viele Kunstwerke aus Dresden – ausgelagert, um es vor Zerstörung zu schützen. Zuletzt wurde es im Mai 1945 in einem Kalksteinbruch in Pockau-Lengefeld dokumentiert. Danach galt es jahrzehntelang als verschollen.

Erst im November 2024 erhielt die Gemäldegalerie Alte Meister einen entscheidenden Hinweis auf den Verbleib des Werkes. Die Identifizierung gelang unter anderem anhand einer historischen Inventarnummer auf der Vorderseite des Bildes.

Rückkehr durch Einigung ermöglicht

Nach Verhandlungen konnte eine Einigung über die Rückführung erzielt werden. Die Familie Dreyfus übergab das Gemälde im Gedenken an Liliane Skop-Dreyfus, die das Werk zuvor gutgläubig erworben hatte.

Das zurückgekehrte Porträt ist eines von mehreren Werken aus der Cranach-Werkstatt, die als Kriegsverluste galten. Insgesamt umfasst die Liste der vermissten Werke der Dresdner Gemäldegalerie mehr als 500 Objekte, darunter 18 Arbeiten aus dem Umfeld Cranachs. Sieben davon konnten bislang wieder aufgefunden werden.

Bedeutung für Sammlung und Forschung

Vertreter der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden bewerten die Rückkehr als wichtigen Erfolg. Generaldirektor Bernd Ebert würdigte die Entscheidung der Familie Dreyfus und betonte die Bedeutung für die weitere Suche nach verschollenen Kunstwerken.

Auch Holger Jacob-Friesen, Direktor der Gemäldegalerie Alte Meister, hob die historische Relevanz der dargestellten Persönlichkeit hervor. Sylvia Karges, Direktorin des Münzkabinetts, sieht in der aktuellen Ausstellung einen passenden Rahmen für die erneute Präsentation des Werkes.

Die Rückführung unterstreicht die Bedeutung internationaler Zusammenarbeit sowie bürgerschaftlichen Engagements im Bereich des Kulturgutschutzes.