Mi., 03.06.2026 , 12:38 Uhr

Geplante Eingliederung der Fachämter sorgt für Kritik

Denkmalschützer warnen vor Reformfolgen

Denkmalschützer und Archäologen warnen vor Folgen der geplanten Verwaltungsreform in Sachsen. Sie sehen den unabhängigen Schutz von Denkmalen gefährdet.

Dresden - Denkmalschützer und Archäologen in Sachsen kritisieren die von der Staatsregierung geplante Verwaltungsreform. Sie befürchten weitreichende Folgen für den Schutz historischer Bauten und Bodendenkmale im Freistaat.

Hintergrund sind Kabinettsbeschlüsse, nach denen das Landesamt für Archäologie und das Landesamt für Denkmalpflege in die Landesdirektion Sachsen eingegliedert werden sollen. Beide Einrichtungen würden damit Teil einer großen Vollzugsbehörde. Fachleute sehen darin einen grundlegenden Einschnitt in die bisherige Struktur des Denkmalschutzes.

In einem offenen Brief mit dem Titel „Keine Zerschlagung der Archäologie, keine Zerstörung der Denkmalpflege in Sachsen“ kritisieren mehrere Organisationen die Pläne. Zu den Unterzeichnern gehören unter anderem der Landesverein Sächsischer Heimatschutz, die Archäologische Gesellschaft in Sachsen, die Freunde des Staatlichen Museums für Archäologie Chemnitz, die Sächsische Akademie der Künste sowie der Verband der Restauratorinnen und Restauratoren. Unterstützt wird der Brief zudem von zahlreichen Initiativen, Heimat- und Geschichtsvereinen sowie bundesweiten Fachverbänden.

Thomas Westphalen, Vorsitzender des Landesvereins Sächsischer Heimatschutz, sprach gegenüber der Deutschen Presse-Agentur von einer faktischen Abschaffung des unabhängigen Denkmalschutzes. Die Ämter würden zwar formal weiter bestehen, jedoch nicht mehr als selbstständige Fachbehörden arbeiten. Dadurch werde die hoheitliche Denkmalpflege aus seiner Sicht deutlich geschwächt.

Bislang beraten die Fachämter unabhängig. Kommt es in Verfahren zu Streitfällen, entscheidet die Landesdirektion als obere Denkmalschutzbehörde. Würden Fachbehörden und Vollzugsbehörde künftig unter einem Dach vereint, sehen Kritiker die Unabhängigkeit der fachlichen Bewertung gefährdet. Westphalen warnte vor einem zentralen Interessenkonflikt und sagte: „Es gibt dann kein hoheitliches Korrektiv mehr.“

Die Unterzeichner des offenen Briefes befürchten, dass fachliche Standards in Genehmigungsverfahren künftig stärker hinter wirtschaftlichen oder politischen Erwägungen zurückstehen könnten. Langfristig könnten dadurch mehr Kulturdenkmale verloren gehen, so die Sorge der Fachleute.

Als drastisches Beispiel für mögliche Folgen verwies Westphalen auf die Sprengung der Leipziger Paulinerkirche im Jahr 1968. Die Kirche auf dem heutigen Augustusplatz, damals Karl-Marx-Platz, wurde in der DDR trotz fachlicher Einsprüche abgerissen.

Kritik gibt es auch an weiteren Teilen der Reformpläne. Die Autoren des Briefes sehen die geplante Herauslösung von Bereichen des Landesamts für Archäologie kritisch. Auch die vorgesehene Abtrennung des Staatlichen Museums für Archäologie Chemnitz, kurz smac, wird beanstandet. Das Museum soll künftig an die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden angebunden werden. Nach Auffassung der Kritiker könne das smac seinen Forschungs- und Vermittlungsauftrag nur als integraler Bestandteil des Landesamts vollständig erfüllen.

Die geplante Verwaltungsreform steht im Zusammenhang mit den Sparplänen der sächsischen Staatsregierung. Ende April hatte sie angekündigt, bis 2040 fast 9.000 Stellen bei Landesbediensteten abzubauen und zugleich die Verwaltungsstrukturen im Freistaat zu reformieren. Grundlage dafür war die Arbeit einer Reformkommission, die 64 Prüfaufträge bearbeitet hatte. Ziel ist es, das Milliarden-Finanzloch im künftigen sächsischen Doppelhaushalt zu schließen.