Wo normalerweise Reisende zu ihren Zügen eilen und Besucher durch die Geschäfte schlendern, wurde Anfang Oktober Sport getrieben. Acht Spielfelder standen für die ersten Distart German Street Racket Open im Leipziger Hauptbahnhof bereit. Vier Tage lang drehte sich alles um eine Sportart, die ohne aufwendige Ausrüstung auskommt.
Das Turnier richtete sich sowohl an erfahrene Spieler als auch an Anfänger. Mehr als 100 Teilnehmer waren im Vorfeld angekündigt worden. Am 10. und 11. Oktober standen verschiedene Doppelwettbewerbe auf dem Programm. Dabei konnten sich die Teams unabhängig von ihrer bisherigen Spielerfahrung miteinander messen.
Street Racket stammt ursprünglich aus der Schweiz und verfolgt einen einfachen Ansatz: Sport soll möglichst überall und für jeden zugänglich sein. Benötigt werden lediglich Schläger, Ball und eine markierte Spielfläche. Eine Sporthalle oder aufwendige Ausstattung sind nicht erforderlich.
Das Rückschlagspiel lässt sich auf Schulhöfen, öffentlichen Plätzen oder in Parks spielen. Unterschiedliche Spielformen ermöglichen es, sowohl Kinder als auch Erwachsene einzubeziehen. Neben Bewegung und Koordination steht dabei das gemeinsame Spielen im Vordergrund.
Unter dem Motto „Anyone, Anytime, Anywhere“ soll Street Racket Menschen unabhängig von Alter, sportlicher Erfahrung oder körperlichen Voraussetzungen zusammenbringen.
Die Meisterschaft war zugleich mit einem Bildungsprojekt verbunden. Für den 8. und 9. Oktober waren insgesamt zwölf kostenlose Workshops für Schulklassen vorgesehen. Kinder und Jugendliche sollten dabei die Grundlagen der Sportart kennenlernen und verschiedene Spielformen ausprobieren.
Besonderen Wert legten die Organisatoren auf eine langfristige Nutzung. Das bei der Veranstaltung eingesetzte Spielmaterial sollte anschließend Schulen zur Verfügung gestellt werden. Damit sollte Street Racket auch über die Meisterschaft hinaus im Schulalltag eingesetzt werden können.
Nach Angaben von Street Racket Mitteldeutschland hatte die Initiative seit ihrer Gründung Anfang 2024 bereits mehr als 3.000 Schüler und über 400 Lehrkräfte erreicht.
Ein besonderer Schwerpunkt lag auf dem inklusiven Turniertag am Samstag, dem 10. Oktober. Das Wettbewerbsformat war darauf ausgelegt, Menschen mit und ohne Behinderung in gemeinsamen Teams antreten zu lassen. Damit sollte gezeigt werden, dass sportlicher Wettbewerb und gesellschaftliche Teilhabe miteinander verbunden werden können.
Auch einen sozialen Zweck verfolgte die Veranstaltung: Die gesamten Startgebühren waren als Spende für die Elternhilfe für krebskranke Kinder Leipzig e.V. vorgesehen. Pro Anmeldung wurde eine Teilnahmegebühr von 15 Euro erhoben.
Organisiert wurde die Meisterschaft von Street Racket Mitteldeutschland gemeinsam mit dem Leipziger Bildungsunternehmen Distart und den Promenaden Hauptbahnhof Leipzig. Die Schirmherrschaft übernahm Dirk Thärichen, Geschäftsführer der Stadthafen Leipzig GmbH.
Hinter der regionalen Initiative steht David Senf, der Street Racket Mitteldeutschland 2024 in Leipzig gründete. Sein Ziel ist es, öffentliche Räume stärker für gemeinschaftliche Bewegung zu nutzen und den Zugang zu sportlichen Angeboten zu erleichtern.
Mit der ersten Deutschen Meisterschaft im Leipziger Hauptbahnhof erhielt die noch junge Sportart eine ungewöhnliche Bühne. Zugleich machte die Veranstaltung auf die Möglichkeiten aufmerksam, Bewegung niedrigschwellig in den Alltag, in Schulen und in öffentliche Räume zu integrieren.