Mi., 27.08.2025 , 09:23 Uhr

Gewerkschaft schlägt Alarm: Millionen Überstunden und drohende XXL-Tage

Dresden am Limit: 9 Mio. Überstunden!

In Dresden wurden 2024 rund 9 Millionen Überstunden geleistet, viele unbezahlt. Die NGG warnt vor der Abschaffung des 8-Stunden-Tages und wendet sich an die Politik.

Dresden – Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) Dresden-Chemnitz schlägt Alarm: In Dresden wurden im vergangenen Jahr rund 9 Millionen Überstunden geleistet. Fast 5 Millionen davon blieben unbezahlt. Das geht aus dem „Arbeitszeit-Monitor“ hervor, den das Pestel-Institut im Auftrag der NGG erstellt hat.

Besonders stark betroffen ist die Gastronomie. Köche, Kellnerinnen, Barkeeper und Servicekräfte leisteten 2024 rund 222.000 Überstunden. Laut Studie blieben davon 52 Prozent ohne Vergütung.

NGG kritisiert Pläne zur Aufweichung des Arbeitszeitgesetzes

Vor diesem Hintergrund warnt die NGG vor den Plänen der Bundesregierung, die tägliche Arbeitszeit flexibler zu gestalten. Nach Einschätzung der Gewerkschaft droht damit das Ende des 8-Stunden-Tages. „Betriebe könnten künftig zehn, elf oder sogar mehr als zwölf Stunden pro Tag verlangen“, sagte Thomas Lißner, Geschäftsführer der NGG Dresden-Chemnitz.

Bereits jetzt seien Wochenarbeitszeiten von bis zu 60 Stunden möglich. Würden die Regelungen geändert, könne die Arbeitszeit auf bis zu 73,5 Stunden pro Woche steigen. Das sei nahezu eine Verdopplung des bisherigen Limits.

Gesundheits- und Familienbelastung

Die NGG verweist auf die Risiken für Gesundheit und Vereinbarkeit von Beruf und Familie. „Nach acht Stunden Arbeitszeit steigt die Unfallgefahr deutlich“, so Lißner. Längere Arbeitstage könnten Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Burnout und psychische Belastungen verstärken.

Zudem stehe die Familienfreundlichkeit auf dem Spiel. „Wer holt die Kinder aus der Kita, wenn die Schicht zwölf Stunden dauert?“, fragt Lißner. Längere Arbeitszeiten würden vor allem Frauen belasten, die in Dresden 56 Prozent der Teilzeitjobs innehaben.

Appell an Bundestagsabgeordnete

Die Gewerkschaft appelliert deshalb an die Bundestagsabgeordneten aus Dresden und der Region, Änderungen am Arbeitszeitgesetz zu stoppen. Statt XXL-Schichten brauche es bessere Arbeitsbedingungen, Qualifizierung, Ausbildung und eine gerechte Verteilung von Arbeits- und Familienzeit.

„Längere Tage ersetzen keine Fachkräfte“, betont Lißner. Vielmehr brauche es verlässliche Arbeitszeiten, die auch mit Kinderbetreuung und Pflegeaufgaben vereinbar sind.