Mo., 08.09.2025 , 14:12 Uhr

Fax statt Cloud: Dresdens digitales Dilemma

Dresden muss digital aufwachen – Verwaltung im Rückstand

Zwischen Papierakten und Cloud-Gesellschaft

Im Jahr 2025 noch von einer „Digitalstrategie“ zu reden, klingt beinahe anachronistisch – als müsse man betonen, dass man im Straßenverkehr eine Ampel benutzt. Und doch ist es in Dresden notwendig. Die Stadt, immerhin Landeshauptstadt von Sachsen und mit mehr als 550.000 Einwohnern ein bedeutender Standort im Osten Deutschlands, hat bis heute keine übergreifende Digitalstrategie für die Verwaltung aufgestellt. Das ist nicht nur ein Detailproblem, sondern ein Symptom für ein tieferliegendes Versäumnis.

In einem vielbeachteten Kommentar brachte Elias Hantzsch von der Dresdner Neuesten Nachrichten diese Misere kürzlich auf den Punkt: Dresden sei digital „nicht würdig“ einer Großstadt – und das sei schlichtweg „peinlich“. Solche Worte klingen scharf, treffen aber einen wunden Punkt. Während andere Städte längst auf digitale Bürgerdienste, automatisierte Register und KI-gestützte Verwaltung setzen, herrscht in Dresden vielerorts noch analoge Trägheit.

Keine Strategie, keine Zahlen, kein Fortschritt

Konkret wird das Defizit etwa beim Thema Ferienwohnungen sichtbar. Schon 2019 beschloss der Stadtrat, eine Datengrundlage über genehmigte und nicht genehmigte Ferienunterkünfte zu schaffen. Heute, sechs Jahre später, kann die Stadt nicht sagen, wie viele solcher Wohnungen existieren – oder ob Verstöße geahndet wurden. Die Erklärung: Es gibt keine automatisierte Suchlogik, man müsse manuell in Akten stöbern. In Zeiten von KI, Cloud und Open Data wirkt das fast schon tragikomisch.

Dabei geht es nicht nur um Zahlen, sondern um Transparenz, Planungssicherheit und Ressourcensteuerung. Ohne valide Datenbasis ist gute Politik schlicht nicht möglich. Und genau hier offenbart sich die Lücke zwischen politischem Anspruch und technischer Wirklichkeit.

Wenn andere längst weiter sind

Während Dresden noch überlegt, wie digitale Abläufe funktionieren könnten, sind viele Städte bereits weiter. Mannheim etwa betreibt ein voll digitalisiertes Einwohnerregister, Hamburg setzt auf die Online-Plattform "mein-dienstrad.de" zur Abwicklung kommunaler Mobilitätsprojekte, und selbst kleinere Kommunen wie Bad Hersfeld oder Böblingen testen Blockchain-Ansätze für Vertragsregister oder Wohnbauanträge.

Noch deutlicher wird der Unterschied, wenn man über die Grenzen der Verwaltung hinausblickt. Denn andere Sektoren zeigen längst, was mit einer klaren digitalen Ausrichtung möglich ist. Unternehmen im Zahlungsverkehr, in der Telekommunikation oder im Gesundheitswesen bauen ihre Prozesse konsequent um – datengetrieben, automatisiert, zugänglich.

Und dann gibt es Bereiche, die nicht nur reagieren, sondern proaktiv digitale Räume gestalten.

Vorreiter aus der Unterhaltung: So geht Digitalisierung

Besonders deutlich wird das in der Unterhaltungsindustrie. Wo früher physische Orte dominierten – Kinos, Clubs, Spielbanken – entstehen heute komplett digitale Ökosysteme. Streaming-Plattformen haben das lineare Fernsehen verdrängt. Digitale Zahlungsdienste wie Apple Pay oder Google Wallet ersetzen Bargeld. Und selbst klassische Freizeitangebote wie das Glücksspiel verlagern sich ins Netz.

Ob Unterhaltungsbranche, Zahlungsdienste oder E-Commerce – viele Sektoren haben die Zeichen der Zeit erkannt und ihre Angebote vollständig digitalisiert. Der wohl größte Vorreiter ist die Online Casino Branche. Wer etwa gerne mal ein paar Runden Slots spielt, greift längst nicht mehr auf klassische Spielbanken zurück. Die beliebten Slots (mehr Infos hier https://www.cardplayer.com/de/casinos/beliebteste-online-slots) sind alle auch im Internet verfügbar – rund um die Uhr, bequem zugänglich und in großer Auswahl.

Der Unterschied zu Dresden? Diese Branchen handeln. Sie analysieren Nutzerverhalten, setzen auf UX-Optimierung, schaffen einfache Zugänge. Während die Verwaltung auf Faxgeräte und Terminvergaben pocht, bieten andere One-Click-Lösungen und 24/7-Support.

Verwaltung als Dienstleister – und nicht als Hindernis

Die Frage ist also nicht, ob Digitalisierung kommt – sie ist längst da. Die Frage ist, ob Städte wie Dresden bereit sind, ihre Rolle neu zu definieren. Die Verwaltung muss vom Aktenverwalter zum digitalen Dienstleister werden. Das heißt: Prozesse müssen auf Nutzerfreundlichkeit ausgerichtet sein, Schnittstellen klar definiert, Datensicherheit und Transparenz selbstverständlich.

Denn die Bürgerinnen und Bürger erwarten heute einen anderen Standard. Wer mit einem Klick einen Kredit beantragen oder einen Arzttermin buchen kann, versteht nicht, warum ein simpler Meldebescheid drei Wochen dauert – oder überhaupt ein Termin notwendig ist.

Ein digitaler Führerschein, Online-Wohnsitzanmeldung, Chat-basierte Bürgerberatung – all das ist keine Zukunftsmusik, sondern in anderen Städten gelebter Alltag. Dresden hinkt nicht nur hinterher, es verliert Zeit, Vertrauen und möglicherweise auch Talente. Denn digitale Infrastrukturen entscheiden heute mit darüber, ob junge Menschen und Unternehmen in einer Stadt bleiben – oder weiterziehen.

Was Dresden jetzt braucht

Der erste Schritt ist offensichtlich: Die Stadt braucht eine ganzheitliche Digitalstrategie, die nicht nur technische Einzelmaßnahmen auflistet, sondern klare Ziele, Zuständigkeiten und Zeitpläne festlegt. Diese Strategie muss öffentlich zugänglich sein und regelmäßig überprüft werden.

Zweitens braucht es ein zentrales digitales Steuerungsteam innerhalb der Verwaltung – mit Kompetenzen, Ressourcen und dem Mandat, Prozesse zu verändern. Nur so lässt sich die bisherige Fragmentierung überwinden.

Drittens ist Transparenz entscheidend. Die Bürger müssen nachvollziehen können, welche Daten erfasst werden, wie Prozesse funktionieren und wo es Fortschritte gibt. Nur dann entsteht Vertrauen – die Grundlage für jede Modernisierung.

Und schließlich: Dresden sollte lernen, auch über Branchengrenzen hinweg zu schauen. Die Digitalisierung ist kein Verwaltungsprojekt, sondern ein gesellschaftlicher Wandel. Wer sich abschottet, verliert den Anschluss.