Fr., 30.10.2026 , 14:34 Uhr

Positive Bilanz nach der Freiluftsaison, doch die Finanzierung ist nicht gesichert

Dresdner Neustadt: Zukunft der Kiezlichter unklar

Die Kiezlichter ziehen nach der Freiluftsaison in Dresden eine positive Bilanz. Rund 2.200 Gespräche wurden geführt. Doch die Finanzierung des Projekts ist offen.

Dresden - Weniger Beschwerden an mehreren bekannten Konfliktorten, zahlreiche Gespräche und Unterstützung in schwierigen Situationen: Die Stadt Dresden zieht eine positive Bilanz der diesjährigen Freiluftsaison in der Äußeren Neustadt. Das Dialogteam der Kiezlichter war erneut im Viertel unterwegs, um zwischen Feiernden, Anwohnern und Gewerbetreibenden zu vermitteln. Trotz der positiven Einschätzungen ist unklar, ob das Projekt auch in den kommenden Jahren fortgeführt werden kann.

Rund 2.200 Gespräche in einer Saison

Zum Abschluss der Freiluftsaison luden Bürgermeisterin Eva Jähnigen, Stadtbezirksamtsleiter André Barth sowie Vertreter von Polizei und Gemeindlichem Vollzugsdienst (GVD) am Freitag, dem 30. Oktober 2026, auf den Scheune-Vorplatz ein. Bei einer gemeinsamen Grillveranstaltung bestand die Möglichkeit, miteinander ins Gespräch zu kommen und die vergangenen Monate auszuwerten.

Das Dialogteam der Kiezlichter führte in diesem Jahr rund 2.200 Einzel- und Gruppengespräche. Damit hat sich die Zahl der Kontakte gegenüber dem Vorjahr nahezu verdoppelt.

„Wir schauen auf eine fantastische Saison zurück“, erklärte Alessandro Finke, Koordinator des Konfliktmanagements. Das Team habe viel positives Feedback erhalten. Dabei sei immer wieder betont worden, wie wichtig die Arbeit für das Sicherheitsgefühl im Viertel sei.

Etwa die Hälfte der Gespräche führte das Team mit Menschen, die überwiegend zum Feiern in die Neustadt kamen. Die übrigen Kontakte betrafen Anwohner und Gewerbetreibende.

Lärm, Müll und Wildpinkeln bleiben Themen

Neben dem allgemeinen Austausch beschäftigten sich die Kiezlichter mit konkreten Störungen im öffentlichen Raum.

Insgesamt sprach das Team Menschen 233 Mal wegen lauter Musik aus mobilen Lautsprechern an. Hinzu kamen 200 Ansprachen wegen achtlos weggeworfenen Mülls und 64 wegen Wildpinkelns.

Darüber hinaus leisteten die Kiezlichter in 53 Fällen Begleitung oder Unterstützung. Besonders häufig richtete sich diese Hilfe an junge Frauen und Menschen in schwierigen Situationen.

In 14 Fällen alarmierte das Team einen Rettungswagen. Auch Erste Hilfe nach körperlichen Auseinandersetzungen gehörte zu den Aufgaben.

Zu den Einsatzschwerpunkten zählten die sogenannte „Schiefe Ecke“, der Martin-Luther-Platz und die Seifhennersdorfer Straße.

Nach Einschätzung der Kiezlichter haben ihre regelmäßige Präsenz und die Zusammenarbeit mit anderen Akteuren dazu beigetragen, Lärm und Vermüllung zu reduzieren. Im Alaunpark stellten größere Jugendgruppen das Team allerdings vor neue Herausforderungen.

Polizei meldet weniger Raubstraftaten am Albertplatz

Auch das Polizeirevier Dresden-Nord bewertet die Entwicklung in der Äußeren Neustadt insgesamt positiv. Nach Angaben der Polizei haben sich die Verbesserungen der vergangenen Jahre fortgesetzt.

Gleichzeitig bleibt das stark besuchte Viertel ein Einsatzschwerpunkt. Besonders an Wochenenden, bei Veranstaltungen und in den Nachtstunden kommt es weiterhin zu Konflikten.

Im Mittelpunkt der polizeilichen Arbeit standen vor allem Gewalt- und Rohheitsdelikte sowie Straftaten im Zusammenhang mit starkem Besucheraufkommen und Alkoholkonsum.

Der Albertplatz und seine unmittelbare Umgebung bildeten auch 2026 einen Schwerpunkt. Insbesondere Körperverletzungen und Raubstraftaten beschäftigten die Polizei.

Gegenüber 2025 gingen die Raubstraftaten dort nach Polizeiangaben merklich zurück.

Jürgen Kunath vom Polizeirevier Dresden-Nord führt die Entwicklung vor allem auf verstärkte Maßnahmen gegen Tatverdächtige sowie eine an die jeweilige Situation angepasste Polizeipräsenz zurück.

Die Polizei wolle die Lage weiterhin beobachten und ihre Maßnahmen bei Bedarf anpassen.

Weniger Beschwerden an der Schiefen Ecke

Auch der Gemeindliche Vollzugsdienst berichtet von positiven Entwicklungen an mehreren bekannten Konfliktorten.

An der „Schiefen Ecke“ gingen die Beschwerden über Ruhestörungen deutlich zurück. Zudem spielte das Sitzen auf der Fahrbahn nur noch eine geringe Rolle.

Im Rosengarten und unter der Albertbrücke wurden ebenfalls weniger Beschwerden und Verstöße festgestellt. Der Scheune-Vorplatz fiel durch seine vielfältige Nutzung kaum als Konfliktort auf.

Allerdings haben sich die örtlichen Schwerpunkte teilweise verlagert.

Am Martin-Luther-Platz registrierte der GVD zunehmend Beschwerden über Lärm. Darauf reagierten die Mitarbeiter mit verstärkter Präsenz und Hinweisen auf die geltenden Ruhezeiten.

Nach den Sommerferien rückte außerdem die Tannenstraße oberhalb des Alaunparks stärker in den Fokus. Dort wurden gezielte Kontrollen zum Jugend- und Lärmschutz durchgeführt, die nach Einschätzung des GVD zur Beruhigung beitrugen.

Für die Seifhennersdorfer Straße hob der Vollzugsdienst ausdrücklich den Beitrag der Kiezlichter hervor.

Finanzierung der Kiezlichter weiterhin offen

Trotz der positiven Bilanz steht die Zukunft des Dialogprojekts infrage. Im Haushalt der Stadt Dresden für die kommenden Jahre sind bislang keine Mittel für die Fortführung vorgesehen.

Bürgermeisterin Eva Jähnigen sprach sich ausdrücklich für den Erhalt aus.

„Die diesjährige Bilanz zeigt, dass die Maßnahmen wirken“, erklärte sie. Die Arbeit der Kiezlichter habe maßgeblich dazu beigetragen, die Situation sowohl für die Bewohner als auch für die Feiernden zu verbessern.

Jähnigen hofft deshalb, dass die Stadt die notwendigen finanziellen Mittel bereitstellen kann. Aus ihrer Sicht sollte sogar über eine Ausweitung des Projekts auf weitere Stadtteile nachgedacht werden.

Als möglichen Einsatzort nannte sie die Dresdner Altstadt, insbesondere den Postplatz.

Auch Stadtbezirksamtsleiter André Barth setzt auf eine Fortführung.

„Nach sechs erfolgreichen Jahren, die gezeigt haben, wie gut Prävention in der Neustadt wirkt, hoffen wir, dass sich der Dresdner Stadtrat dafür entscheidet, die Kiezlichter weiter zu finanzieren.“

Eine Entscheidung über die künftige Finanzierung steht damit noch aus.

Kiezlichter bleiben bis Ende November unterwegs

Mit dem offiziellen Abschluss der Freiluftsaison endet die Arbeit der Kiezlichter noch nicht vollständig.

Bis Ende November ist das Team in kleiner Besetzung weiterhin von Sonntag bis Donnerstag zwischen 21 Uhr und 1 Uhr in der Neustadt unterwegs.

Damit sollen bekannte sensible Bereiche auch nach dem Ende der Hauptsaison im Blick behalten werden.

Zusätzlich gibt es eine neue Kooperation zwischen dem Stadtbezirksamt und dem Heimwegtelefon e. V.

Bis Ende 2026 steht Menschen, die sich auf dem nächtlichen Heimweg unsicher fühlen, eine telefonische Begleitung zur Verfügung. Ehrenamtliche bleiben dabei mit den Anrufenden im Gespräch, bis diese zu Hause angekommen sind.

Die Bilanz der Freiluftsaison zeigt nach Einschätzung von Stadtverwaltung, Polizei und Vollzugsdienst Verbesserungen an mehreren Orten der Äußeren Neustadt. Gleichzeitig bestehen weiterhin Herausforderungen durch Lärm, Straftaten und Nutzungskonflikte im öffentlichen Raum.

Ob die Kiezlichter ihre Arbeit langfristig fortsetzen können, hängt nun von der Entscheidung über die Finanzierung ab.