Di., 20.10.2026 , 12:17 Uhr

SPD und Verkehrsclub VCD fordern langfristige Finanzierung für Dresdens Nahverkehr

DVB-Kürzungen: Kritik an Hilberts Sparplänen

Dresdens OB Dirk Hilbert will DVB-Kürzungen mit zusätzlichen Millionen abmildern. SPD und VCD kritisieren den Vorschlag und fordern den Erhalt des Nahverkehrsangebots.

Dresden - Die geplanten Einsparungen bei den Dresdner Verkehrsbetrieben (DVB) sorgen weiterhin für politische Auseinandersetzungen. Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) hat einen Kompromiss vorgeschlagen, mit dem die Kürzungen im Bus- und Straßenbahnverkehr teilweise abgemildert werden sollen. Darüber hat die Sächsische Zeitung in der vergangenen Woche berichtet. Dafür könnten zusätzliche Millionen aus der Abrechnung des Deutschlandtickets eingesetzt werden. Doch sowohl die SPD-Fraktion im Dresdner Stadtrat als auch der Verkehrsclub Deutschland (VCD) kritisieren den Vorschlag deutlich.

Während Hilbert einen Großteil der zusätzlichen Mittel für Investitionen in die Infrastruktur verwenden möchte, fordern seine Kritiker, das bestehende Verkehrsangebot stärker zu sichern. Besonders mögliche Einschränkungen im Schülerverkehr und auf zahlreichen Buslinien stehen dabei im Mittelpunkt.

DVB sollen jährlich 8,3 Millionen Euro einsparen

Die Dresdner Verkehrsbetriebe stehen seit längerer Zeit unter erheblichem finanziellem Druck. Bereits 2025 wurden erste Sparmaßnahmen umgesetzt. Dazu gehörten unter anderem eine geringere Reinigungshäufigkeit von Fahrzeugen, der Verkauf nicht benötigter Grundstücke, verschobene Investitionen und Einschränkungen auf einzelnen Linien.

Für 2027 sind weitere Einsparungen in Höhe von jährlich 8,3 Millionen Euro vorgesehen. Dadurch könnten rund zehn Prozent des bisherigen Verkehrsangebots wegfallen.

Konkret sehen die Pläne unter anderem vor, die Straßenbahnlinie 8 künftig nur noch zwischen Hellerau und dem Postplatz verkehren zu lassen. Die bisherige Verbindung bis in die Südvorstadt würde damit entfallen.

Auch die Linie 10 wäre betroffen. Zwischen Messe und Striesen soll sie in der Hauptverkehrszeit nur noch alle 20 Minuten und außerhalb dieser Zeiten alle 30 Minuten fahren. Darüber hinaus sind Einschränkungen auf zahlreichen Buslinien vorgesehen.

Von den geplanten Einsparungen gelten nach Angaben des Rathauses Maßnahmen im Umfang von 7,2 Millionen Euro jährlich als besonders umstritten.

Zusätzliche Millionen eröffnen neue Möglichkeiten

Durch die rückwirkende Abrechnung des Deutschlandtickets sowie Einsparungen bei den DVB stehen Dresden laut dem Bericht der Sächsischen Zeitung einmalig bis zu 14 Millionen Euro zusätzlich zur Verfügung. Hinzu kommen jährlich 1,7 Millionen Euro aus Mehreinnahmen im Zusammenhang mit dem Bildungsticket.

Mit den einmaligen Mitteln könnten die besonders umstrittenen Kürzungen rechnerisch für etwa zwei Jahre ausgesetzt werden.

Oberbürgermeister Dirk Hilbert bevorzugt jedoch eine andere Lösung. Er schlägt vor, die jährlichen 1,7 Millionen Euro einzusetzen, um besonders weitreichende Einschnitte im Verkehrsangebot abzumildern. Dazu könnten insbesondere Kürzungen bei Verbindungen gehören, die für den Schülerverkehr wichtig sind.

Weitere rund 3,7 Millionen Euro aus den einmaligen Zahlungen sollen dazu dienen, geplante Einschränkungen zeitlich zu verschieben.

Den verbleibenden Betrag von mehr als zehn Millionen Euro möchte Hilbert für Investitionen in die Infrastruktur der Verkehrsbetriebe verwenden.

Eine abschließende Entscheidung über den Umgang mit den zusätzlichen Mitteln steht noch aus.

Investitionen in Dresdens Straßenbahnnetz geplant

Mit den zusätzlichen Geldern könnten wichtige Infrastrukturprojekte der DVB finanziert werden. Zusammen mit erwarteten Fördermitteln von knapp 20 Millionen Euro wären unter anderem die Erneuerung von Gleisanlagen auf Teilen der Leipziger Straße sowie auf Abschnitten der Gerokstraße und Blasewitzer Straße möglich.

Der Investitionsstau bei den Dresdner Verkehrsbetrieben wird auf etwa 75 Millionen Euro beziffert. Durch die vorgeschlagenen Maßnahmen könnte dieser nach Einschätzung der Stadt deutlich reduziert werden.

Hilbert sieht es kritisch, sämtliche zusätzlichen Einnahmen ausschließlich für den vorübergehenden Erhalt des bisherigen Verkehrsangebots zu verwenden. Aus seiner Sicht würden dadurch die finanziellen Probleme lediglich in die Zukunft verschoben.

SPD kritisiert weitreichende Folgen für Fahrgäste

Die SPD-Fraktion im Dresdner Stadtrat lehnt den Vorschlag des Oberbürgermeisters in seiner bisherigen Form ab. Der verkehrspolitische Sprecher Stefan Engel bezeichnet die Pläne als unausgegoren.

„Den Erhalt des Angebots werden wir aber nicht gegen Investitionen in die Infrastruktur ausspielen“, erklärte Engel.

Nach Ansicht der SPD würden trotz der vorgeschlagenen finanziellen Entlastungen große Teile des Kürzungspakets bestehen bleiben. Insbesondere für den Schülerverkehr und zahlreiche Busverbindungen in den Stadtteilen seien weiterhin erhebliche Einschränkungen zu erwarten.

Die Fraktion fordert deshalb, die zusätzlichen finanziellen Möglichkeiten stärker für den Erhalt des bestehenden Verkehrsangebots zu nutzen.

Zugleich verbindet die SPD ihre Position mit den anstehenden Haushaltsentscheidungen. Einem städtischen Haushalt, der Kürzungen im Angebot der DVB vorsieht, werde die Fraktion nicht zustimmen.

Engel fordert außerdem, dass Oberbürgermeister und Stadtverwaltung ihre Vorschläge in den zuständigen politischen Gremien vorstellen.

VCD warnt vor langfristigen Folgen der Einsparungen

Auch die Dresdner Ortsgruppe des Verkehrsclubs Deutschland kritisiert Hilberts Kompromissvorschlag. In einer Pressemitteilung vom 20. Oktober 2026 bemängelt der Verband insbesondere, dass mit dem Konzept keine dauerhafte Finanzierung des Nahverkehrs sichergestellt werde.

Grundsätzlich begrüßt der VCD, dass zusätzliche Einnahmen aus dem Deutschlandticket den Dresdner Verkehrsbetrieben zugutekommen sollen. Allerdings dürften einmalige Zahlungen nicht als Ersatz für eine langfristige Finanzierung des laufenden Betriebs betrachtet werden.

Der Verband befürchtet zudem, dass bislang von der Stadt zu tragende Kosten für den Erhalt der Verkehrsinfrastruktur auf die Technischen Werke Dresden verlagert werden könnten.

„Wer kurzsichtig am Nahverkehr spart, betreibt keine Haushaltssanierung, sondern verschiebt die Rechnung in die Zukunft“, erklärte Fabian Schmiedt vom VCD Dresden.

Besonders problematisch seien Einsparungen bei Personal, Fahrzeugen und Verkehrsleistungen. Ein einmal reduziertes Angebot lasse sich später nur mit erheblichem zeitlichem und finanziellem Aufwand wieder ausbauen.

Weniger Busse und Bahnen könnten Fahrgastzahlen beeinflussen

Der VCD sieht auch mögliche wirtschaftliche Folgen eines reduzierten Nahverkehrsangebots. Insbesondere Einschränkungen des Fahrplans am Samstag könnten nach Ansicht des Verbands den ohnehin unter Druck stehenden Einzelhandel zusätzlich belasten.

Zudem befürchtet der Verkehrsclub, dass weniger Verbindungen und eine schlechtere Infrastruktur die Attraktivität des öffentlichen Nahverkehrs verringern könnten.

VCD-Mitglied Tobias Nicke verweist in diesem Zusammenhang auf die Bedeutung steigender Fahrgastzahlen für künftige Ausgleichszahlungen im Zusammenhang mit dem Deutschlandticket.

Aus Sicht des Verbands könnten sowohl Angebotskürzungen als auch eine unzureichend instand gehaltene Infrastruktur einer positiven Entwicklung der Fahrgastzahlen entgegenstehen.

Der VCD fordert deshalb, den laufenden Betrieb und notwendige Bau- und Sanierungsmaßnahmen nicht gegeneinander auszuspielen.

Streit um die Zukunft des Dresdner Nahverkehrs geht weiter

Sowohl die SPD als auch der VCD verlangen eine langfristige Finanzierungsperspektive für die Dresdner Verkehrsbetriebe.

Der Verkehrsclub fordert neben der Rücknahme geplanter Angebotskürzungen eine transparente Investitionsplanung, den gezielten Einsatz von Fördermitteln und die Erschließung zusätzlicher Einnahmequellen.

Die SPD macht den Erhalt des Bus- und Straßenbahnangebots ausdrücklich zu einer Bedingung für ihre Zustimmung zum städtischen Haushalt.

Damit bleibt offen, ob der Kompromissvorschlag von Oberbürgermeister Dirk Hilbert eine politische Mehrheit findet. Die Entscheidung liegt letztlich beim Dresdner Stadtrat.

Für die Fahrgäste steht dabei eine grundlegende Frage im Raum: Wie kann Dresden die notwendige Sanierung seines Nahverkehrsnetzes finanzieren, ohne gleichzeitig das Angebot auf wichtigen Bus- und Straßenbahnlinien deutlich zu reduzieren?