Dresden - Die geplanten Einschnitte bei den Dresdner Verkehrsbetrieben nehmen konkrete Formen an. Nach bekannt gewordenen Planungen soll das Angebot von Bussen und Straßenbahnen um rund zehn Prozent reduziert werden. Das schreiben DNN, SZ und Tag 24 übereinstimmend. Ziel ist es, weitere 8,3 Millionen Euro pro Jahr einzusparen. Über die Maßnahmen muss der Dresdner Stadtrat noch entscheiden.
Bereits in den vergangenen beiden Jahren hatten die DVB ihre Kosten nach Angaben aus den Planungen jeweils um 11,7 Millionen Euro reduziert. Dazu gehörten unter anderem der Verkauf von Beteiligungen, ein Verzicht auf Neueinstellungen und geringere Reinigungsintervalle. Auch das Fahrangebot wurde bereits eingeschränkt. Nun könnten weitere Linien betroffen sein.
Besonders deutlich wären die Änderungen bei mehreren Straßenbahnlinien. Die Linie 8 soll künftig nur noch zwischen Hellerau und dem Postplatz verkehren und nicht mehr bis in die Südvorstadt fahren.
Für die Linie 10 zwischen Messe und Striesen ist laut den Planungen vorgesehen, den Takt deutlich auszudünnen. In der Hauptverkehrszeit soll sie nur noch alle 20 Minuten fahren, außerhalb dieser Zeiten alle 30 Minuten. Außerdem ist eine veränderte Linienführung zwischen Straßburger Platz und Hauptbahnhof über den Pirnaischen Platz vorgesehen.
Ähnliche Änderungen sind für die Linie 12 zwischen Leutewitz und Striesen geplant. Auch dort soll der Takt auf 20 beziehungsweise 30 Minuten reduziert werden. Die Linie soll künftig unter anderem über Pirnaischen Platz, Hauptbahnhof, Bahnhof Mitte und Hamburger Straße geführt werden.
Im Gegenzug ist für die Linie 1 eine veränderte Strecke über Postplatz, Freiberger Straße, Löbtau und Altcotta bis nach Leutewitz vorgesehen.
Die Linie 13 zwischen Prohlis und Kaditz soll künftig bereits in Mickten enden. Zudem könnte der sogenannte Einkaufstakt an Samstagen entfallen. Betroffen wären die Straßenbahnlinien 3, 4, 7, 9 und 11 sowie der Bus 62.
Die geplanten Kürzungen betreffen auch das Busnetz. Die Linie 61 zwischen Löbtau und Fernsehturm soll auf dem Abschnitt zwischen Bühlau und Fernsehturm nur noch im 30-Minuten-Takt fahren. Verstärkerfahrten sollen entfallen.
Bei der Linie 62 zwischen Dölzschen und Johannstadt ist vorgesehen, in der Hauptverkehrszeit einen der bislang neun Busse pro Stunde zu streichen. Zwischen Plauen und Dölzschen soll der Takt auf 30 Minuten verlängert werden.
Die Linie 63 zwischen Löbtau und Pillnitz soll in der Hauptverkehrszeit alle 20 Minuten, außerhalb davon alle 30 Minuten fahren. Vergleichbare Einschränkungen sind für die Linie 64 zwischen Riegelplatz und Am Vorwerksfeld geplant.
Die Linien 79, 81, 85, 87, 88 und 90 sollen nach den bekannt gewordenen Planungen generell nur noch im 30-Minuten-Takt verkehren.
Nach den bislang bekannten Berechnungen könnten künftig elf Straßenbahnen und 23 Busse weniger im Einsatz sein. Zugleich steht der Abbau von rund 100 Stellen im Raum.
Die Planungen gehen außerdem davon aus, dass die DVB durch die Kürzungen rund 9,4 Millionen Fahrgäste pro Jahr verlieren könnten. Das entspräche rund 30.000 Fahrgästen täglich.
Hintergrund der Einsparvorgaben sind gestiegene Kosten und die begrenzten Zuschüsse für die Verkehrsbetriebe. Bereits im Doppelhaushalt 2025/2026 hatte der Stadtrat Einsparungen beschlossen.
Gegen die neuen Pläne formiert sich Widerstand. Das Bündnis „Mobilität für alle“, in dem verschiedene Verbände, Initiativen und Organisationen vertreten sind, bezeichnet die geplanten Einschnitte als beispiellos und fordert alternative Finanzierungsmöglichkeiten. Genannt werden unter anderem ein Gästeticket nach Vorbild der Sächsischen Schweiz oder zusätzliche Finanzierungsbeiträge.
Auch der Verkehrsclub Deutschland warnt vor langfristigen Folgen. Nach Einschätzung des VCD könnten kurzfristige Einsparungen später höhere Kosten verursachen, etwa durch aufgeschobene Instandhaltung, erneuten Personalaufbau oder sinkende Fahrgeldeinnahmen.
Kritik kommt zudem aus mehreren Stadtratsfraktionen. SPD, Grüne und Linke kündigten Widerstand gegen die geplanten Kürzungen an. Sie verweisen unter anderem auf steigende Fahrgastzahlen und die Bedeutung eines leistungsfähigen Nahverkehrs für Pendler, Schüler, Senioren und den Wirtschaftsstandort Dresden.
SPD-Verkehrspolitiker Stefan Engel kritisierte insbesondere die geplanten Einschränkungen bei stark genutzten Verbindungen und kündigte an, dass seine Fraktion den vorliegenden Plänen nicht zustimmen werde.
Auch die Dresdner Grünen warnen vor einer möglichen Abwärtsspirale: Ein schlechteres Angebot könne zu sinkenden Fahrgastzahlen und damit zu geringeren Einnahmen führen. Die Linke spricht sich ebenfalls gegen Einschnitte beim bestehenden Angebot aus.
Die bekannt gewordenen Maßnahmen sind noch nicht beschlossen. Über die konkrete Umsetzung muss der Dresdner Stadtrat entscheiden.
Sollten die Pläne in der derzeit diskutierten Form umgesetzt werden, würden zahlreiche Fahrgäste längere Takte und veränderte Linienwege in Kauf nehmen müssen. Gleichzeitig sollen die Maßnahmen nach den Vorgaben der Stadt jährlich 8,3 Millionen Euro einsparen.