Mi., 15.04.2026 , 09:23 Uhr

Verein reagiert auf Ausschreitungen gegen Hertha und Vorfälle in Thüringen

Dynamo Dresden zieht erste Konsequenzen

Nach den Vorfällen rund um das Hertha-Spiel und einer weiteren Auseinandersetzung in Thüringen hat Dynamo Dresden erste personelle und organisatorische Maßnahmen angekündigt.

Dresden - Die SG Dynamo Dresden hat nach den Vorfällen rund um das Heimspiel gegen Hertha BSC am Samstag, dem 4. April, erste Maßnahmen vorgestellt. Nach Angaben des Vereins hat die Auswertung des Spieltags weiterhin höchste Priorität. In den vergangenen Tagen seien dazu Gespräche mit Vertretern von Verbänden, Polizei, Sicherheitsträgern, Fanszene, Fanprojekt, Hertha BSC, dem Innenministerium und der Landeshauptstadt Dresden geführt worden, um die Abläufe möglichst lückenlos aufzuarbeiten.

Nach bisherigen Erkenntnissen der SGD wurde bereits vor Spielbeginn zwischen Stehplatz- und Sitzplatzbereich der Gäste eine mehrfach verglaste Sicherheitsscheibe gewaltsam bearbeitet und im weiteren Verlauf durchtrennt. Damit sei eine Trennung beider Bereiche nicht mehr möglich gewesen. Zudem kam es laut Verein im Gästeblock zu einem Fahnendiebstahl. Die SGD betont, dass die Entwendung der Fahne in keinem Zusammenhang mit dem eingesetzten Ordnungsdienst im Gästebereich gestanden habe.

Wie der Verein weiter mitteilt, wurden aufgrund erster Auseinandersetzungen hinter dem Gästebereich bereits zu Spielbeginn Ordnungskräfte aus dem Innenraum in den Stadionumlauf versetzt. Als beide Fangruppen später im Innenraum aufeinandertrafen, sei die ursprünglich geplante Präsenz des Ordnungsdienstes dort deshalb nicht vorhanden gewesen. Im Anschluss habe die Polizei den Stadioninnenraum betreten und beide Lager getrennt.

Die SGD kündigte an, gemeinsam mit der Polizei nun die Personen zu ermitteln, die auf Foto- und Videomaterial als Beteiligte der Auseinandersetzungen im Innenraum erkennbar sind. Sobald Täter identifiziert seien, werde es neben strafrechtlichen Konsequenzen auch Stadionverbote von Vereinsseite geben. Geschäftsführer Stephan Zimmermann erklärte, bei diesen Fällen gebe es für den Club „keinerlei Diskussionspotenzial“.

Darüber hinaus reagiert Dynamo Dresden auch auf eine weitere Auseinandersetzung, die sich in der Nacht von Freitag, dem 10. April, auf Samstag, den 11. April, in Thüringen zwischen Anhängern der SGD und des 1. FC Nürnberg ereignet haben soll. Nach Vereinsangaben wurden dabei zahlreiche Personendaten auf Dresdner Seite festgestellt. Gegen diese Personen will der Verein schnellstmöglich Hausverbote für das Rudolf-Harbig-Stadion aussprechen. Über mögliche bundesweite Stadionverbote müsse in diesem Fall der Deutsche Fußball-Bund entscheiden.

Auch vereinsintern stellt Dynamo weitere Konsequenzen in Aussicht. Präsident Ronny Rehn kündigte an, beim Ehrenrat dafür zu plädieren, identifizierten Beteiligten die Mitgliedschaft zu entziehen. Zur Begründung verwies er auf die im Leitbild des Vereins festgeschriebenen Werte wie Respekt, Fairness und Menschlichkeit.

Neben persönlichen Sanktionen plant die SGD auch bauliche und organisatorische Veränderungen. Der Verein prüft nach eigenen Angaben Umbaumaßnahmen im Rudolf-Harbig-Stadion, um den Gästebereich weiter zu sichern. Zudem soll der Sitzplatzbereich für Gästefans in Richtung Stadioninnenraum und angrenzender Tribünen stärker eingegrenzt werden.

Auch das Sicherheitskonzept für Heimspiele soll überarbeitet werden. Bei Hochrisikospielen sollen künftig Mitarbeiter des Ordnungsdienstes zusätzlich vor dem Bereich des K-Blocks den Innenraum absichern. Außerdem sollen Polizeikräfte direkt im Stadion positioniert werden. Nach Rücksprache mit der Polizei sollen zudem die Pufferbereiche im Heimbereich rund um den Gästeblock erweitert werden. Darüber hinaus will der Verein bisherige Zugeständnisse an Fanvertreter überprüfen und gegebenenfalls zurückziehen. Insgesamt werde an einem tiefgreifenden Präventionskonzept gearbeitet, um die Abläufe an Spieltagen weiter zu verbessern.

Rückendeckung kommen für diesen Kurs aus der sächsischen Landespolitik. Innenminister Armin Schuster bezeichnete die angekündigten Schritte als ein „erstes beachtliches Bündel von Maßnahmen“ und erklärte, die SG Dynamo Dresden gehe damit über die bisher gewohnte Rhetorik im Fußball hinaus. Zugleich sprach er von einer entscheidenden Nagelprobe bei den kommenden Heimspielen. Von DFB und DFL erwarte er eine schnelle Entscheidung zu bundesweiten Stadionverboten für Beteiligte an der Auseinandersetzung in Thüringen.

Sportgeschäftsführer Sören Gonther betonte, das Rudolf-Harbig-Stadion solle auch künftig ein sicherer Ort für alle bleiben. Die angekündigten Maßnahmen sollen nach Darstellung des Vereins ein klares Signal senden, dass Gewalt und Grenzüberschreitungen nicht geduldet werden.