Dresden - Der frühere sächsische FDP-Chef Holger Zastrow will seiner Partei den Rücken kehren. Entsprechende Medienberichte bestätigte der Landesverband der Freien Demokraten am Dienstag auf Anfrage. Zastrow selbst war für Rückfragen zunächst nicht erreichbar.
Gegenüber der «Bild»-Zeitung sprach der 55-Jährige von einem langen Entfremdungsprozess. «Es tut mir in der Seele weh, aber es geht nicht mehr. Ich ertrage die Berliner Politik nicht mehr», sagte er. Auch «Sächsische.de» berichtete über den Parteiaustritt. Anlass für seinen Schritt sei bei aller Kritik nicht die Politik des sächsischen FDP-Landesverbandes oder die der FDP in Dresden, sondern die Politik der FDP in der Ampel, hieß es. Vor allem das Zusammengehen der Liberalen mit den Grünen sei ein No-Go.
Der sächsische FDP-Generalsekretär Philipp Hartewig dankte Zastrow für ein «einzigartiges Engagement», blickte aber auch auf die jüngste Vergangenheit zurück. «Seine Entfremdung zur FDP war in den letzten Jahren häufiger sichtbar geworden. Wir bedauern trotzdem seine Austrittsabsicht sehr, denn einen Holger Zastrow kann man sich ohne FDP eigentlich gar nicht vorstellen.» Sein Austritt sei politisch wie auch menschlich ein großer Verlust für die Freien Demokraten.
Zastrow gilt als Urgestein der sächsischen Liberalen. Zur Wendezeit gründete er die Nachwuchsorganisation Jungliberale Aktion in Dresden mit. 1999 übernahm er die FDP als Vorsitzender, nachdem sie bei der Landtagswahl im gleichen Jahr mit 1,1 Prozent der Stimmen abgestürzt war.
20 Jahre lang führte Zastrow die Sachsen-FDP und war von 2004 bis 2014 zugleich ihr Fraktionschef im Landtag. Von 2009 bis 2014 war die FDP im Freistaat in einer Koalition mit der CDU. Zwischen 2011 und 2013 war Zastrow Vize-Bundesvorsitzender der Freien Demokraten. Zurzeit ist er Stadtrat für die FDP in Dresden. (dpa)