Dresden - In Sachsen verfügt derzeit nur rund jede zweite Schule über Schulsozialarbeit. Nach aktuellen Angaben liegt der Anteil bei etwa 40 Prozent. Gewerkschaften und Fachverbände fordern deshalb einen flächendeckenden Ausbau bis zum Jahr 2032.
Grundlage der Debatte ist eine bundesweite Studie, die die Situation der Schulsozialarbeit in den einzelnen Bundesländern untersucht hat. Sachsen liegt demnach im Mittelfeld. Studienleiter Lars Bieringer sieht zwar Fortschritte, aber weiterhin deutlichen Verbesserungsbedarf.
Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft sowie die Landesarbeitsgemeinschaft Schulsozialarbeit sprechen sich für einen schrittweisen Ausbau aus. Ziel ist, dass bis 2032 an jeder Schule Sozialarbeiter eingesetzt werden.
Begründet wird die Forderung unter anderem mit steigenden Belastungen bei Schülerinnen und Schülern. Besonders betroffen seien Kinder und Jugendliche aus einkommensschwächeren Familien. Gleichzeitig verweisen die Gewerkschaften auf hohe Zahlen bei Schulabbrüchen und Schulverweigerung.
Nach Angaben der Landesarbeitsgemeinschaft gibt es derzeit 640 Vollzeitstellen, die sich rund 750 Sozialarbeiter teilen. Insgesamt betreuen sie etwa 417.000 Schülerinnen und Schüler an 1.575 Schulen. Rein rechnerisch entspricht das etwa 651 Schülern pro Stelle.
Zugleich zeigt sich eine ungleiche Verteilung: Während einige Schulen über sozialpädagogische Unterstützung verfügen, fehlt sie an vielen anderen Einrichtungen vollständig. Gesetzlich vorgeschrieben ist Schulsozialarbeit derzeit nur an staatlichen Ober- und Gemeinschaftsschulen.
Ein flächendeckender Ausbau würde erhebliche Kosten verursachen. Nach Schätzungen der Fachverbände wären dafür rund 100 Millionen Euro notwendig. Bei einem Landesanteil von 90 Prozent müsste der Freistaat etwa 90 Millionen Euro aufbringen.
Aktuell liegen die jährlichen Ausgaben bei rund 37,5 Millionen Euro. Aufgrund gestiegener Kosten bedeutet eine gleichbleibende Finanzierung nach Einschätzung der Gewerkschaft jedoch faktisch einen Rückgang der Leistungen.
Bundesweit ist Schulsozialarbeit bereits fest im Bildungssystem verankert. Dennoch gibt es große Unterschiede zwischen den Ländern. Nur Berlin und teilweise das Saarland bieten ein flächendeckendes Angebot.
In Sachsen zeigt die Studie zudem strukturelle Herausforderungen: Viele Fachkräfte arbeiten allein an ihren Schulen, und ein erheblicher Anteil denkt über einen Berufswechsel nach. Gleichzeitig verfügen die meisten Beschäftigten über unbefristete Arbeitsverträge.
Studienleiter Bieringer empfiehlt unter anderem den Ausbau von Teamstrukturen sowie bessere fachliche Begleitung und Weiterbildungsmöglichkeiten. Zudem sei eine langfristige finanzielle Absicherung notwendig, um bestehende Strukturen zu stabilisieren und weiterzuentwickeln.