Ein Hörsaal voller Gespräche, klirrende Gläser und neue Kontakte: In Leipzig hat sich mit „FemBiz“ in den vergangenen zwei Jahren eines der größten Frauennetzwerke Sachsens etabliert. Mehrere hundert Teilnehmerinnen besuchen regelmäßig die Veranstaltungen.
Doch der Erfolg wirft auch Fragen auf: Sind solche Netzwerke notwendig oder sogar problematisch?
„Wir müssen uns zusammenschließen“, sagt Mitgründerin Laura Ritzmann. Gemeinsam mit Tatjana Funke hat sie FemBiz aufgebaut, aus einer eigenen Erfahrung heraus: fehlende Zugänge zu bestehenden Netzwerken.
„…durch so viele wirtschaftliche, gesellschaftliche Themen…“, erklärt Ritzmann im Interview.
Die Zahlen geben ihr recht: Laut Statistischem Bundesamt lag der Frauenanteil in Führungspositionen 2024 bei nur rund 29 Prozent. Gleichzeitig verdienen Frauen in Deutschland im Schnitt etwa 16 Prozent weniger als Männer.
Für viele Teilnehmerinnen ist das Motivation genug.
„…um unsere Connections mit Frauen zu machen…“, sagt eine Besucherin. Ziel sei es, Gleichgesinnte zu treffen und sich gegenseitig zu unterstützen.
Was von außen manchmal belächelt wird, hat konkrete Auswirkungen. Eine Teilnehmerin berichtet:
„Sie hat hier bei einem Event ihre jetzige Geschäftspartnerin kennengelernt.“
Solche Geschichten sind kein Einzelfall. Neben klassischen Networking-Abenden bietet FemBiz auch Workshops zu Themen wie Finanzen, Selbstständigkeit und Gesundheit.
Doch nicht alle sind überzeugt. Einige Stimmen wünschen sich gemischte Formate.
„…würde sowas gemischt stattfinden… fände ich das fördernder“, sagt eine Teilnehmerin.
Die Kritik: Frauennetzwerke könnten auch neue Grenzen schaffen, statt bestehende abzubauen.
Auch außerhalb der Veranstaltungen gehen die Meinungen auseinander.
„…dass man sich dann gegenseitig stärkt…“, sagt ein Passant.
Eine andere Stimme betont: Frauen seien „auf dem Arbeitsmarkt immer noch marginalisiert“.
Andere sehen das Problem eher strukturell:
„Männer dominieren leider immer noch die Geschäftswelt.“
Für die Initiatorinnen ist klar: Der Bedarf ist real und steigt sogar.
„Die Nachfrage ist riesengroß“, so Ritzmann.
Seit der Gründung 2022 ist FemBiz stark gewachsen. Veranstaltungen sind häufig ausverkauft, weitere Städte sind bereits in Planung.
Die zentrale Frage bleibt: Sind Frauennetzwerke eine Übergangslösung oder langfristig notwendig?
Viele Teilnehmerinnen sehen sie als wichtigen Schritt.
„Wir sind nicht schlechter als Männer wir sind gleichgestellt.“
Vielleicht geht es am Ende weniger um Abgrenzung als um Sichtbarkeit. Und darum, Räume zu schaffen, die lange gefehlt haben.