Di., 15.09.2026 , 14:48 Uhr

Masterplan setzt auf Fichtelberg, Göltzschtalbrücke, Gesundheit und Radverkehr

Fünf Tourismusideen für Südwestsachsen

120 Projektideen liegen für den Masterplan Südwestsachsen vor. Fünf Tourismusprojekte zeigen, wie Erzgebirge, Vogtland und Chemnitz-Zwickau gestärkt werden sollen.

Dresden - Für die touristische Entwicklung Südwestsachsens liegen inzwischen zahlreiche Projektvorschläge auf dem Tisch. Sachsens Kultur- und Tourismusministerin Barbara Klepsch (CDU) hat am Dienstag, 15. September 2026, fünf Ideen vorgestellt, die am Ideenwettbewerb zum Masterplan Südwestsachsen teilnehmen.

Nach Angaben des Regionalkonvents wurden bis Ende August insgesamt 120 Projektideen für Chemnitz und Südwestsachsen zusammengetragen. Die nun präsentierten Vorhaben aus dem Tourismusbereich sollen beispielhaft zeigen, wie sich das Erzgebirge, das Vogtland und die Region Chemnitz-Zwickau künftig stärker miteinander und mit angrenzenden Regionen vernetzen könnten.

Die vorgestellten Projekte befinden sich im Rahmen des Masterplan-Prozesses. Aus der Präsentation der Ideen folgt noch keine automatische Umsetzung oder Förderung.

Neues Zentrum für den Fichtelberg geplant

Eine der Ideen betrifft Oberwiesenthal. In Zusammenarbeit von Privatwirtschaft und Deutschem Skiverband soll dort ein Skisport- und Eventzentrum mit Museum entstehen.

Ziel ist es, Oberwiesenthal und die sächsische Mittelgebirgsregion stärker als ganzjähriges Reiseziel zu positionieren. Damit soll der Fichtelberg nicht allein mit Wintersport verbunden werden, sondern auch außerhalb der klassischen Wintersaison Besucher anziehen.

Ein weiteres Projekt beschäftigt sich mit der Göltzschtalbrücke im Vogtland. Für das Areal rund um die nach Angaben des Ministeriums größte Ziegelsteinbrücke der Welt liegt bereits eine Machbarkeitsstudie vor.

Das Denkmal und sein Umfeld sollen zu einem größeren touristischen Erlebnisraum entwickelt werden. Vorgesehen sind dabei unter anderem Gastronomie und Übernachtungsangebote.

Forschung und Tourismus sollen enger zusammenarbeiten

In Breitenbrunn ist ein Innovationszentrum Tourismus an der Dualen Hochschule Sachsen als Projektidee vorgesehen. Dort sollen wissenschaftliche Forschung und die praktische Arbeit von Tourismusunternehmen enger miteinander verbunden werden.

Mit der „VitalRegion Erzgebirge/Vogtland 2030“ steht außerdem der Gesundheitstourismus im Mittelpunkt. Dabei sollen Kur- und Erholungsorte der Region mit Krankenhäusern, Hochschulen und einer Krankenversicherung zusammenarbeiten.

Ziel ist es, die bestehenden Strukturen der Heilbäder und Kurorte mit weiteren Angeboten aus Medizin, Wissenschaft und Tourismus zu verbinden.

„BIKE Südwestsachsen 2.0“ setzt auf Radtourismus

Ein weiterer Schwerpunkt ist der Radtourismus. Mit „BIKE Südwestsachsen 2.0“ soll die Region zu einem grenzüberschreitenden Tourismus- und Bike-Cluster weiterentwickelt werden.

Beteiligt sind nach Angaben des Ministeriums die Wirtschaftsförderung Erzgebirge und regionale Partner aus dem Erzgebirge, dem Vogtland sowie der Region Chemnitz-Zwickau. Geplant sind Vorhaben am Fichtelberg, am Rabenberg und in Schöneck.

Gleichzeitig soll die Zusammenarbeit mit Tschechien, Bayern und Thüringen verstärkt werden. Nach Angaben des Tourismusministeriums erwirtschaftet der Radtourismus in Sachsen derzeit einen jährlichen Bruttoumsatz von mehr als 600 Millionen Euro und sichert knapp 12.000 Menschen Einkommen.

Erzgebirge gehört zu Sachsens stärksten Reiseregionen

Die Bedeutung des Tourismus für Südwestsachsen zeigt sich auch an den Übernachtungszahlen. Die Tourismusregion Erzgebirge verzeichnete 2025 nach Angaben zum Wirtschaftsfaktor Tourismus rund vier Millionen Übernachtungen.

Damit lag das Erzgebirge sachsenweit auf Platz drei hinter Dresden und Leipzig. Der touristische Bruttoumsatz der Region wird mit rund 935 Millionen Euro im Jahr angegeben. Rund 20.000 Menschen erzielen dort laut den vorgelegten Daten ihr Primäreinkommen aus dem Tourismus.

Auch das sächsische Vogtland verzeichnete 2025 rund 2,2 Millionen Übernachtungen. Der daraus resultierende touristische Bruttoumsatz lag demnach bei rund 356 Millionen Euro. Knapp 9.000 Menschen beziehen dort ihr Einkommen aus dem Tourismus.

Beim Kundenzufriedenheitsindex erreichte das Erzgebirge 86,4 Punkte, das Vogtland 85,8 Punkte.

Millioneninvestitionen in Ganzjahrestourismus

In Südwestsachsen wurden auch Mittel aus dem sächsischen Programm für Ganzjahrestourismus eingesetzt. Für die Jahre 2023 und 2024 nennt das Ministerium Investitionen von rund 5,6 Millionen Euro sowie weitere 2,8 Millionen Euro aus PMO-Mitteln.

Zuletzt erhielten Unternehmen in Grünhainichen und Freiberg zusammen rund 257.000 Euro aus dem Programm. Für das Jahr 2026 stehen für den gesamten Freistaat zwei Millionen Euro zur Verfügung.

Mit dem Förderprogramm sollen Investitionen unterstützt werden, durch die touristische Angebote saisonunabhängiger werden. Gefördert werden können unter anderem neue Angebote, Kapazitätserweiterungen oder zusätzliche Produkte und Dienstleistungen.

Weitere Mittel für die Kulturhauptstadt-Legacy

Auch die Nachwirkungen des Kulturhauptstadtjahres Chemnitz spielen bei der Entwicklung der Region eine Rolle. Für die sogenannte Kulturhauptstadt-Legacy stehen 2026 zusätzlich 900.000 Euro zur Verfügung.

Im Regierungsentwurf für den kommenden Doppelhaushalt sind für 2027 weitere 1,5 Millionen Euro und für 2028 insgesamt 900.000 Euro vorgesehen.

Tourismusministerin Klepsch verbindet mit dem Masterplan das Ziel, Erzgebirge, Vogtland und die Region Chemnitz-Zwickau stärker als gemeinsame grenzüberschreitende Reise- und Erlebnisregion zu entwickeln. Welche der insgesamt 120 Projektideen letztlich umgesetzt werden, ist im weiteren Masterplan-Prozess zu entscheiden.