Leipzig - Ein Jahr nach der Ankündigung des Maßnahmenpakets zur Verbesserung der Unterrichtsversorgung in Sachsen zieht die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) Sachsen eine kritische Bilanz. Nach Einschätzung der Bildungsgewerkschaft hat das am 11. März 2025 vorgestellte Paket weder den Lehrkräftemangel gelöst noch die Arbeitsbedingungen an den Schulen spürbar verbessert.
Statt langfristiger Lösungen seien laut GEW vor allem Mehrbelastungen für Lehrkräfte entstanden. Gleichzeitig sieht die Gewerkschaft Qualitätsverluste im Bildungssystem sowie wachsende Unzufriedenheit unter den Beschäftigten.
Claudia Maaß, Lehrerin und stellvertretende Vorsitzende der GEW Sachsen, kritisiert bereits die Entstehung des Maßnahmenpakets. Gewerkschaften sowie Expertinnen und Experten aus der schulischen Praxis seien bei der Entwicklung nicht ausreichend einbezogen worden.
Nach Ansicht der Gewerkschaft zeige sich inzwischen, dass bildungspolitische Entscheidungen ohne die Beteiligung der Menschen an den Schulen keine grundlegenden Lösungen hervorbringen. Zwar könne es vereinzelt regionale Effekte geben, strukturelle Verbesserungen seien jedoch ausgeblieben.
Aus Sicht der GEW setzt das Maßnahmenpaket vor allem auf eine höhere Arbeitsbelastung der Lehrkräfte. Gleichzeitig seien bestehende Entlastungsinstrumente reduziert oder gestrichen worden.
Bereits vor der Umsetzung hätten Studien und Erfahrungsberichte darauf hingewiesen, dass viele Lehrkräfte in Sachsen regelmäßig über ihre vertragliche Arbeitszeit hinaus arbeiten. Die Gewerkschaft spricht von einer Situation, in der Lehrkräfte seit Jahren an der Belastungsgrenze arbeiten und jährlich unbezahlte Überstunden leisten.
Das Sächsische Kultusministerium verweist laut GEW regelmäßig auf eine geringere Zahl ausgefallener Unterrichtsstunden, insbesondere an einzelnen Schulen im ländlichen Raum. Die Gewerkschaft bewertet diese Entwicklung jedoch kritisch.
Nach ihrer Einschätzung werde eine mögliche Verringerung des Unterrichtsausfalls häufig durch zusätzliche Mehrarbeit sowie weniger Anrechnungsstunden für Lehrkräfte erreicht. Damit werde der Lehrkräftemangel eher umverteilt als dauerhaft gelöst.
Darüber hinaus sieht die GEW negative Folgen für verschiedene Bereiche der schulischen Arbeit. Nach Angaben der Gewerkschaft würden etwa Fachberatung, Referendariatsausbildung, Unterstützungssysteme, Integrationsangebote oder der Kursstufenunterricht geschwächt.
Viele der Maßnahmen hätten zudem nur einmalige Effekte. Nachhaltige strukturelle Verbesserungen im Bildungssystem seien bislang nicht erkennbar.
Die GEW Sachsen fordert deshalb einen grundlegenden Kurswechsel in der sächsischen Bildungspolitik. Aus Sicht der Gewerkschaft sollten die Maßnahmen aus dem vergangenen Jahr zügig überprüft und teilweise zurückgenommen werden.
Stattdessen schlägt die GEW ein umfassendes Bildungspaket vor, das gemeinsam mit Gewerkschaften, Elternvertretungen und Schülervertretungen entwickelt werden soll. Zu den Forderungen gehören unter anderem eine Anrechnungsstunde für Klassenleitungen, mehr Schulverwaltungsassistenz sowie multiprofessionelle Teams zur Entlastung der Lehrkräfte.
Außerdem fordert die Gewerkschaft Schutz vor Abordnungen für ältere Lehrkräfte sowie eine faire und rechtssichere Arbeitszeiterfassung für alle Lehrkräfte.
Die GEW Sachsen betont, dass nachhaltige Lösungen gegen den Lehrkräftemangel nur gemeinsam mit den Menschen entwickelt werden könnten, die täglich an den Schulen arbeiten.