Dresden - Ein Jahr nach der Einführung des sogenannten Maßnahmenpakets des Sächsischen Staatsministeriums für Kultus zieht die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Sachsen eine kritische Bilanz. Nach Einschätzung der GEW Sachsen haben die Maßnahmen die Probleme an den Schulen im Freistaat nicht gelöst. Stattdessen hätten sie die Belastung für Lehrkräfte deutlich verschärft.
Die Gewerkschaft fordert deshalb ein echtes Entlastungspaket für Beschäftigte und Schulen. Claudia Maaß, stellvertretende Vorsitzende der GEW Sachsen und Oberschullehrerin in Leipzig, kritisiert das Vorgehen des Kultusministeriums deutlich. Belastungen seien im Eilverfahren umgesetzt worden, während Beschäftigte weiter auf Entlastungen warten müssten. Bei vielen Kollegen sei „die Luft raus“, so Maaß.
Grundlage der Kritik ist nach Angaben der GEW Sachsen auch eine aktuelle Mitgliederbefragung unter Lehrkräften an öffentlichen Schulen. Die Ergebnisse zeichnen aus Sicht der Gewerkschaft ein klares Bild: 94 Prozent der Befragten sehen keine Verbesserung der Unterrichtsversorgung durch das Maßnahmenpaket. 85 Prozent berichten von einer gestiegenen persönlichen Belastung. 98 Prozent erkennen keine positive Wirkung auf ihre Berufszufriedenheit. Alle Befragten geben zudem an, keine Verbesserung der Stimmung im Kollegium wahrzunehmen.
Besonders häufig kritisierten die Lehrkräfte laut GEW Sachsen die Folgen von Abordnungen, den Wegfall von Anrechnungs- und Altersermäßigungsstunden sowie zunehmenden Unterrichtsausfall. Auch fehlende Unterstützung bei Inklusion und Deutsch als Zweitsprache sowie gesundheitliche Belastungen werden genannt. Die Gewerkschaft verweist zudem auf Hinweise zu steigenden Kündigungszahlen.
Maaß bezeichnet das Maßnahmenpaket als Belastungsverstärker. Viele Beschäftigte arbeiteten seit dessen Einführung noch stärker am Limit. Die Unzufriedenheit in den Lehrerzimmern nehme zu, während Unterrichtsqualität, Gesundheit und Zeit für die Kinder auf der Strecke blieben.
Aus den offenen Rückmeldungen der Befragten geht laut GEW Sachsen zudem ein hoher Rückhalt für gewerkschaftlichen Widerstand hervor. Viele Lehrkräfte fordern demnach mehr Personal, kleinere Klassen, verlässliche Entlastungen und eine ehrliche Debatte über die tatsächliche Situation an Sachsens Schulen. Dabei müssten auch die Perspektiven und Vorschläge der Beschäftigten ernst genommen werden.
Die GEW Sachsen fordert das Kultusministerium deshalb auf, konkrete Maßnahmen für gute Bildung und gute Arbeitsbedingungen vorzulegen. Dazu gehören aus Sicht der Gewerkschaft mehr Zeit für pädagogische Kernaufgaben, echte Entlastungen für Lehrkräfte und Schulleitungen, eine angemessene personelle Ausstattung der Schulen sowie Schutzmaßnahmen für ältere Beschäftigte. Außerdem fordert die GEW bessere Bedingungen für Teilzeitkräfte und ausreichende Ressourcen für Inklusion, Förderung und Deutsch als Zweitsprache.
Um ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen, ruft die GEW Sachsen für Mittwoch, den 27. Mai 2026, zu einem „Tag des Entlastungspakets“ auf. Lehrkräfte, pädagogische Beschäftigte sowie Unterstützerinnen und Unterstützer sollen an diesem Tag ein Zeichen gegen Dauerüberlastung setzen. Möglich sei dies etwa durch den Verzicht auf zusätzliche Konferenzen oder freiwillige Zusatzaufgaben.
Darüber hinaus kündigt die GEW Sachsen für 16 Uhr eine öffentliche Protestaktion vor dem Kultusministerium auf den Terrassen der Filmnächte in Dresden an.