Berlin/Leipzig - Nach dem Fund einer Drohne mit Sprengvorrichtung am Flughafen Leipzig/Halle fordern die Grünen im Bundestag eine umgehende Sitzung des Nationalen Sicherheitsrats. Das Gremium solle über die aktuelle Sicherheitslage sowie mögliche politische und sicherheitsbehördliche Konsequenzen beraten.
Die Vorsitzende der Grünen-Bundestagsfraktion, Katharina Dröge, erklärte gegenüber der Deutschen Presse-Agentur, der Sicherheitsrat müsse angesichts der Schwere des Vorfalls unverzüglich zusammenkommen. Nach ihrer Auffassung sollten sowohl Bundeskanzler Friedrich Merz als auch Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius an den Beratungen teilnehmen.
Der Nationale Sicherheitsrat war im August 2025 von der Bundesregierung eingerichtet worden. Das unter dem Vorsitz des Bundeskanzlers stehende Gremium soll die Arbeit der Bundesregierung in Fragen der inneren, äußeren, wirtschaftlichen und digitalen Sicherheit koordinieren. Neben Mitgliedern der Bundesregierung und Vertretern der Sicherheitsbehörden können bei Bedarf auch Vertreter der Bundesländer sowie externe Fachleute einbezogen werden.
Die mit einer Sprengvorrichtung ausgestattete Drohne war in der Nacht zum Mittwoch, dem 5. August 2026, auf dem Gelände des Flughafens Leipzig/Halle entdeckt worden. Sie befand sich auf der südlichen Start- und Landebahn.
Nach Angaben aus Sicherheitskreisen lag das Fluggerät in der Nähe einer ukrainischen Transportmaschine vom Typ Antonow AN-124. Spezialkräfte der Bundespolizei sicherten die Drohne und entschärften die daran befestigte Sprengvorrichtung.
Der Flugbetrieb am Flughafen wurde während des Einsatzes zeitweise eingeschränkt. Verletzte gab es nach dem bislang veröffentlichten Ermittlungsstand nicht. Die zuständigen Behörden untersuchen weiterhin die Konstruktion und Herkunft der Drohne, die Art der Sprengvorrichtung sowie mögliche Hintergründe des Vorfalls.
Bundesinnenminister Alexander Dobrindt reiste am Mittwoch zum Flughafen Leipzig/Halle. Dort beriet er sich mit Vertretern der sächsischen Landesregierung sowie mit den Spitzen mehrerer Sicherheitsbehörden von Bund und Ländern.
Dobrindt sprach anschließend von einem möglichen „hybriden Anschlagsszenario“. Das Vorgehen deute auf professionelle Kenntnisse beim Bau und bei der Steuerung der Drohne sowie im Umgang mit Sprengstoff hin. Auch die Beteiligung einer ausländischen Macht schloss der Bundesinnenminister nicht grundsätzlich aus.
Zugleich betonte Dobrindt, dass die Ermittlungen noch am Anfang stünden. Aussagen über die Urheber, die genaue Herkunft der verwendeten Technik oder ein mögliches politisches Motiv sind bislang nicht abschließend belegt.
Grünen-Fraktionschefin Dröge bewertete den Vorfall als schweren hybriden Angriff. Nach ihrer Einschätzung deute vieles darauf hin, dass ein staatlicher Akteur verantwortlich sein könnte. Sollte sich dieser Verdacht bestätigen, müsse Deutschland darauf klar und konsequent reagieren.
Eine gesicherte Zuordnung zu einem bestimmten Staat oder einer Organisation liegt bislang jedoch nicht vor. Die Bewertung Dröges ist damit eine politische Einschätzung und kein abgeschlossenes Ermittlungsergebnis.
Angesichts der möglichen sicherheitspolitischen Dimension hält die Grünen-Politikerin auch Beratungen innerhalb der Nato für angemessen. Ihre Fraktion habe zudem beantragt, den Innenausschuss und den Verteidigungsausschuss des Bundestages zeitnah über die Erkenntnisse der Sicherheitsbehörden zu informieren.
Der Vorfall dürfte auch die politische Debatte über den Schutz von Flughäfen und anderer kritischer Infrastruktur vor Drohnen verschärfen. Dabei geht es sowohl um die frühzeitige Erkennung unbemannter Fluggeräte als auch um technische und rechtliche Möglichkeiten, gefährliche Drohnen abzuwehren.
Die SPD-Innenpolitikerin Sonja Eichwede sprach im Deutschlandfunk von einer neuen Qualität der Bedrohung. Nach ihren Angaben handelte es sich nicht um eine handelsübliche Drohne, sondern um ein professionell konstruiertes Fluggerät. Dieses sei von der vorhandenen Technik nicht rechtzeitig erkannt worden.
Eichwede verwies zugleich auf den Ausbau der Drohnenabwehr an deutschen Flughäfen und das bereits eingerichtete gemeinsame Drohnenabwehrzentrum. Außerdem seien die rechtlichen Möglichkeiten zur Abwehr gefährlicher Drohnen in den vergangenen Monaten erweitert worden.
Nach Angaben der SPD-Politikerin plant die Bundesregierung zudem weitere Befugnisse für die Nachrichtendienste. Das Bundeskabinett soll sich voraussichtlich in der kommenden Woche damit befassen.
Wer die Drohne gesteuert oder auf das Flughafengelände gebracht hat, ist weiterhin unklar. Auch ein möglicher Zusammenhang mit der ukrainischen Transportmaschine ist bislang nicht nachgewiesen.
Die Sicherheitsbehörden prüfen verschiedene Szenarien. Dazu gehören sowohl ein gezielter Anschlagsversuch als auch mögliche Formen staatlich gesteuerter Sabotage. Solange keine belastbaren Ermittlungsergebnisse vorliegen, bleiben Aussagen über Auftraggeber und Motive jedoch vorläufig.
Der Vorfall am Flughafen Leipzig/Halle wird damit nicht nur strafrechtlich untersucht. Er könnte auch Folgen für die Sicherheitsvorkehrungen an Flughäfen und anderen Einrichtungen der kritischen Infrastruktur haben.