Fr., 30.10.2026 , 12:57 Uhr

Schüler, Eltern und Lehrer erarbeiten Leitlinien für einen gesunden Medienumgang

Grundschule in Sachsen entwickelt Medienregeln

Wie viel Social Media ist gesund? Eine Grundschule in Sachsen hat gemeinsam mit Schülern und Eltern Regeln entwickelt. Eine Studie zeigt mögliche Risiken intensiver Nutzung.

Neukirch - Soziale Medien gehören für viele Kinder und Jugendliche längst zum Alltag. Doch eine intensive Nutzung kann mit gesundheitlichen Beschwerden einhergehen. An der Lessinggrundschule in Neukirch im Landkreis Bautzen haben deshalb Schüler, Eltern und Lehrkräfte gemeinsam Leitlinien für den Umgang mit digitalen Medien entwickelt. Das Projekt soll Kindern helfen, digitale Angebote bewusster, sicherer und gesundheitsbewusster zu nutzen.

Schüler und Eltern entwickeln gemeinsam Regeln

Anstatt ausschließlich Verbote vorzugeben, setzt die Lessinggrundschule auf gemeinsame Vereinbarungen. Kinder, Eltern und Lehrkräfte haben sich damit beschäftigt, welche Rolle digitale Medien im Alltag spielen und welche Regeln für einen verantwortungsvollen Umgang sinnvoll sind.

Das Ergebnis sind gedruckte Medienleitlinien, die jetzt in Neukirch vorgestellt wurden. Sie enthalten Regeln und Empfehlungen für die Mediennutzung und sollen im Schulalltag als gemeinsame Orientierung dienen.

„Kinder, Eltern und Lehrkräfte haben gemeinsam überlegt, was ihnen im Umgang mit digitalen Medien wichtig ist und was sie für einen guten Schulalltag brauchen“, erklärte Schulleiterin Cathrin Goldberg.

Unterstützt wurde das Projekt von der Techniker Krankenkasse (TK). Neben der Entwicklung der Leitlinien gehörten auch Weiterbildungen für die Lehrkräfte dazu.

Studie zeigt Zusammenhang zwischen Medienzeit und Beschwerden

Wie wichtig ein bewusster Umgang mit sozialen Medien sein kann, verdeutlicht eine aktuelle Untersuchung der Techniker Krankenkasse. Für den Social-Media-Report „Jugend zwischen Like und Limit“ wurden im April und Mai 2026 bundesweit 1.400 Jugendliche zwischen 12 und 17 Jahren online befragt.

Die Ergebnisse zeigen ein differenziertes Bild: 80 Prozent der Befragten geben an, dass ihnen soziale Medien gut oder eher guttun.

Gleichzeitig berichten Jugendliche mit besonders intensiver Nutzung deutlich häufiger von gesundheitlichen Beschwerden.

Besonders auffällig sind die Unterschiede bei der Stimmung. Von den Jugendlichen, die täglich mindestens vier Stunden soziale Medien nutzen, geben 49 Prozent an, häufig oder ständig schlechte Laune zu haben. Bei einer Nutzungsdauer von ein bis zwei Stunden täglich sind es dagegen 20 Prozent.

Auch Schlafprobleme und Kopfschmerzen treten laut der Befragung bei Jugendlichen mit längerer Social-Media-Nutzung häufiger auf.

Die Krankenkasse weist allerdings ausdrücklich darauf hin, dass sich aus den Ergebnissen kein ursächlicher Zusammenhang ableiten lässt. Die Untersuchung zeigt somit nicht, ob die intensive Mediennutzung die Beschwerden verursacht oder andere Faktoren eine Rolle spielen.

Medienkompetenz statt pauschaler Verbote

Für die beteiligten Fachleute reicht es deshalb nicht aus, digitale Medien grundsätzlich zu verbieten. Entscheidend sei vielmehr, dass Kinder lernen, ihre eigene Nutzung einzuschätzen und mögliche Risiken zu erkennen.

„Kinder wachsen mit sozialen Medien auf, und unsere Aufgabe ist es, sie dabei nicht allein zu lassen“, erklärte Patrick Schreiber, Präsident des Landesamtes für Schule und Bildung.

Das Projekt in Neukirch zeige, welches Potenzial entstehe, wenn Schulen die Möglichkeit erhielten, gemeinsam mit Kindern und Eltern Lösungen zu entwickeln.

In Sachsen ist die Nutzung privater Handys an Schulen bis einschließlich Klasse 8 untersagt. Die Medienleitlinien der Lessinggrundschule setzen darüber hinaus auf die Vermittlung von Medienkompetenz und einen bewussten Umgang mit digitalen Angeboten.

Kinder sollen eigene Grenzen erkennen lernen

Begleitet wurde das Schulprojekt von Florian Buschmann, Psychologe, Autor und Gründer der Präventionsinitiative „Offline Helden“. Gemeinsam mit der Sportwissenschaftlerin Anne-Sophie Reißig und der Schulsozialarbeiterin Maria Kirschner unterstützte er die Schule bei den Themen Mediennutzung, Stress und Gesundheitsförderung.

Buschmann betonte, dass Prävention besonders dann gelinge, wenn Kinder aktiv beteiligt und mit ihren Erfahrungen ernst genommen würden.

„Es geht nicht darum, digitale Medien pauschal schlechtzureden. Kinder sollen verstehen, was ihnen guttut, wo Grenzen liegen und wie sie sich Unterstützung holen können.“

Auch die Techniker Krankenkasse sieht in der gemeinsamen Entwicklung der Leitlinien einen wichtigen Ansatz.

„Kinder wissen oft selbst, dass digitale Medien nicht immer guttun. Sie brauchen jedoch Unterstützung, um ihr Medienverhalten zu steuern und gute Entscheidungen zu treffen“, erklärte TK-Landeschef Alexander Krauß.

Schule und Eltern als gemeinsame Ansprechpartner

Die Lessinggrundschule möchte mit den erarbeiteten Leitlinien eine verbindliche Grundlage für den künftigen Schulalltag schaffen. Dabei steht nicht allein die Zeit vor dem Bildschirm im Mittelpunkt, sondern auch die Frage, wie Kinder digitale Medien nutzen und welche Unterstützung sie dabei benötigen.

Das Projekt verfolgt damit einen Ansatz, der Schule und Eltern gleichermaßen einbezieht. Kinder sollen lernen, digitale Angebote eigenständig zu bewerten, Grenzen zu erkennen und bei Problemen Hilfe zu suchen.

Die Untersuchung der Techniker Krankenkasse verdeutlicht zugleich, warum dieses Thema auch außerhalb des Klassenzimmers relevant ist. Denn während soziale Medien von einer großen Mehrheit der befragten Jugendlichen positiv wahrgenommen werden, gehen längere Nutzungszeiten häufiger mit gesundheitlichen Beschwerden einher.