Dresden – Sachsen will die Nutzung von Handys an Schulen breit diskutieren. Bisher entscheiden die Schulen im Freistaat größtenteils selbst über ihre Regeln. Viele Grundschulen haben bereits Einschränkungen oder Verbote eingeführt. Ein generelles Handyverbot scheiterte im Mai im Landtag am Antrag des Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW). Unterstützt wurde der Vorschlag nur von AfD und dem fraktionslosen Abgeordneten Matthias Berger.
Nun lädt Kultusminister Conrad Clemens (CDU) zu einem „Handygipfel“ ein. Die Tagung steht unter dem Motto „Weniger Handy. Mehr Digitalisierung. Stärkere Kompetenzen.“. Bundesbildungsministerin Karin Prien (CDU) sowie Experten wie der Neurowissenschaftler Manfred Spitzer werden Impulse geben. Zum Auftakt soll eine Umfrage zur Handynutzung an sächsischen Grundschulen ausgewertet werden.
Lehrerverbände stehen einem pauschalen Verbot kritisch gegenüber. Burkhard Naumann, Vorsitzender der GEW, betont, dass gemeinsam vereinbarte Regeln sinnvoller seien. Schulen bräuchten Zeit und Mittel, um digitale Kompetenzen zu vermitteln. Auch der Sächsische Lehrerverband (SLV) lehnt ein Verbot für weiterführende Schulen ab, spricht sich aber für Grundschulen dafür aus. Vizechef René Michel verweist zudem auf praktische Fragen wie Aufbewahrung und Haftung.
Der Landesschülerrat (LSR) sieht ein Handyverbot ebenfalls skeptisch. Medienkompetenz entstehe nicht durch Verbote, sondern durch gezielte Bildung, so Sprecher Felix Schönherr. Schülerinnen und Schüler sollten frühzeitig lernen, digitale Angebote kritisch zu hinterfragen. Auch der Landeselternrat fordert schulformspezifische Lösungen. Nur gemeinsam entwickelte Regeln könnten Akzeptanz schaffen und Kindern den richtigen Umgang vermitteln.
Ein Blick in andere Bundesländer zeigt unterschiedliche Modelle. Bayern, das Saarland und Thüringen haben Handys an Grund- und Förderschulen untersagt. Brandenburg und Hessen haben ebenfalls strengere Vorgaben erlassen. In Bremen gilt seit dem neuen Schuljahr, dass Handys bis zur 10. Klasse auf dem Schulgelände ausgeschaltet bleiben müssen. Andere Länder wie Nordrhein-Westfalen überlassen die Regeln den Schulen, fordern aber altersgerechte Konzepte.
Sachsens Kultusminister Clemens sieht Handys an Grundschulen kritisch. Mit dem „Handygipfel“ will er eine breite Debatte anstoßen. Im Mittelpunkt stehen Regeln, Medienbildung und die Rolle von Schulen, Eltern und Politik.