Mi., 30.09.2026 , 14:19 Uhr

Stadt reagiert auf Kritik und erläutert Pläne für künftiges Gedenken

Heidenau stellt Stolperstein-Beschluss klar

Nach Kritik am Stolperstein-Beschluss stellt die Stadt Heidenau klar: Bestehende Steine bleiben erhalten. Für künftiges Gedenken werden neue Formen geprüft.

Heidenau - Nach der bundesweiten Debatte um den Umgang mit Stolpersteinen hat die Stadt Heidenau ihren Stadtratsbeschluss vom 24. September erläutert. Der Stadtrat hatte mehrheitlich beschlossen, künftig keine weiteren Stolpersteine im öffentlichen Straßen- und Gehwegbereich zuzulassen. Gleichzeitig soll eine Gedenkfläche für Opfer von Krieg, Terror, Diktaturen, Vertreibung und insbesondere des Nationalsozialismus geschaffen oder in einen bestehenden Gedenkort integriert werden.

Die Entscheidung hatte in den vergangenen Tagen deutliche Kritik ausgelöst. Unter anderem hatten Vertreter aus Politik und Erinnerungskultur den Beschluss kritisiert. Die Stadt spricht nun von einem „medialen Zerrbild“ und sieht wesentliche Inhalte des Beschlusses in Teilen der Berichterstattung nicht vollständig wiedergegeben.

Bestehende Stolpersteine sollen bleiben

Nach Angaben der Stadt ist nicht vorgesehen, die bereits vorhandenen fünf Stolpersteine in Heidenau zu entfernen. Die Entscheidung des Stadtrates bezieht sich auf künftige Verlegungen im öffentlichen Straßen- und Gehwegbereich.

Auf privaten Grundstücken können Eigentümer nach Darstellung der Stadt weiterhin selbst entscheiden, in welcher Form sie an Verfolgte und deren Schicksale erinnern möchten. Dort sei grundsätzlich auch weiterhin die Verlegung von Stolpersteinen möglich.

Neuer Gedenkort wird geprüft

Der beschlossene Antrag sieht vor, eine Gedenkfläche vorzugsweise auf der bestehenden Gedenkfläche des Heidenauer Nordfriedhofs zu integrieren oder neu zu schaffen. Dabei sollen die Gedenkelemente so gestaltet sein, dass sie nicht direkt betreten werden können.

Die Stadt betont allerdings, dass noch keine endgültige Entscheidung über den konkreten Standort gefallen sei. Verschiedene Möglichkeiten für einen zentralen oder dezentralen Gedenkort würden geprüft.

Bürgermeisterin weist Vorwürfe zurück

Bürgermeisterin Conny Oertel betont, dass der Beschluss aus ihrer Sicht weder ein Ende des Gedenkens noch die Entfernung bestehender Stolpersteine bedeute. Vielmehr wolle sich die Stadt damit beschäftigen, wie ein würdiger Ort des Erinnerns geschaffen und das Gedenken weiterentwickelt werden könne.

Zugleich weist sie den Vorwurf zurück, mit der Entscheidung würden Opfer des Holocaust verhöhnt oder ihr Andenken herabgewürdigt. Unterschiedliche Auffassungen über Formen des Gedenkens müssten ihrer Ansicht nach sachlich diskutiert werden.

Beschluss sorgte bundesweit für Kritik

Der Stadtrat hatte den interfraktionellen Antrag am 24. September mehrheitlich angenommen. Laut MDR stimmten 13 Mitglieder dafür, sechs dagegen, bei einer Enthaltung. Der Antrag war von Vertretern von AfD, CDU und dem Bündnis Oberelbe eingebracht worden. Die Stadtverwaltung hatte vor der Abstimmung empfohlen, den Antrag abzulehnen.

Die Entscheidung entwickelte sich anschließend zu einer überregionalen Debatte über Erinnerungskultur und den Umgang mit Stolpersteinen. Die Stadt Heidenau hält nun daran fest, dass das Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus sichtbar bleiben soll, will für zukünftige Formen des Erinnerns aber andere Wege prüfen.

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