Fr., 25.09.2026 , 14:09 Uhr

Stadtrat setzt künftig auf einen zentralen Gedenkort auf dem Nordfriedhof

Heidenau stoppt neue Stolpersteine

In Heidenau dürfen künftig keine neuen Stolpersteine im öffentlichen Straßenraum verlegt werden. Der Stadtrat stimmte einem entsprechenden Antrag mehrheitlich zu.

Heidenau - Der Heidenauer Stadtrat hat entschieden, dass künftig keine weiteren Stolpersteine im öffentlichen Straßen- und Gehwegbereich der Stadt verlegt werden sollen. Ein entsprechender Antrag wurde am Donnerstagabend mehrheitlich beschlossen. Nach Angaben des MDR stimmten 13 Stadträte dafür, sechs dagegen, bei einer Enthaltung.

Gedenken soll stärker auf Nordfriedhof stattfinden

Der Antrag war von Vertretern von AfD und CDU eingebracht worden. Zur Begründung wurde angeführt, dass Bürger, Angehörige und Initiativen Stolpersteine im Gehwegbereich teilweise nicht als angemessene Form des Gedenkens empfänden. Kritisiert wurde dabei unter anderem, dass die Namen der NS-Opfer in den Boden eingelassen seien und betreten werden könnten.

Statt weiterer Stolpersteine soll das Gedenken nach dem Willen des Stadtrates künftig insbesondere auf dem Nordfriedhof stattfinden. Dort ist eine zentrale Gedenkfläche für Opfer von Krieg, Terror, Diktaturen, Vertreibung und insbesondere des Nationalsozialismus vorgesehen.

Heidenaus parteilose Bürgermeisterin Conny Oertel erklärte gegenüber dem MDR, in der Debatte sei es nicht um die Frage gegangen, ob an die Opfer erinnert werden solle, sondern um die Form des Gedenkens.

Stadtverwaltung hatte sich gegen Antrag ausgesprochen

Die Stadtverwaltung hatte vor der Abstimmung empfohlen, den Antrag abzulehnen. Nach ihrer Argumentation sollte das Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus und anderer Gewaltherrschaften weiterhin sichtbar im öffentlichen Raum stattfinden.

Eine Präsenz im Stadtbild ermögliche eine unmittelbare Auseinandersetzung mit der Geschichte. Ein zentraler Erinnerungsort auf dem Nordfriedhof könne bestehende Formen des Gedenkens ergänzen, solle diese aus Sicht der Verwaltung aber nicht ersetzen.

In Heidenau erinnern bereits Stolpersteine an Opfer des Nationalsozialismus. Laut MDR befinden sie sich an zwei Standorten und erinnern unter anderem an den früheren Bürgermeister Paul Gröger sowie an die jüdische Kaufmannsfamilie Reiner.

Initiator Gunter Demnig kritisiert Entscheidung

Der Künstler Gunter Demnig, der das Stolperstein-Projekt ins Leben gerufen hat, reagierte kritisch auf die Entscheidung. Nach Angaben der Deutschen Presse-Agentur erklärte er, mit einem solchen Schritt gerechnet zu haben. Seine politische Bewertung der Entscheidung richtete sich dabei insbesondere gegen AfD und CDU.

Demnig lehnt einen zentralen Gedenkort als Ersatz für Stolpersteine ab. Aus seiner Sicht sollte die Erinnerung an die Opfer dort sichtbar bleiben, wo die Betroffenen gelebt oder gewirkt haben. Gerade dadurch würden ihre Namen und persönlichen Geschichten wieder in den öffentlichen Alltag geholt.

Der Künstler kündigte an, sein Stolperstein-Projekt ungeachtet der Entscheidung in Heidenau fortzusetzen.

Stolpersteine gibt es seit den 1990er Jahren

Das Stolperstein-Projekt existiert seit den 1990er Jahren und ist inzwischen in zahlreichen europäischen Ländern vertreten. Die kleinen Gedenksteine werden in der Regel am letzten frei gewählten Wohn- oder Wirkungsort von Menschen verlegt, die während der Zeit des Nationalsozialismus verfolgt oder ermordet wurden.

Auf der Oberseite befindet sich eine Messingplatte mit Namen und Lebensdaten der jeweiligen Person. Die Verlegung wird üblicherweise durch Spenden finanziert.

Die Form des Gedenkens ist allerdings nicht überall unumstritten. Auch München erlaubt beispielsweise keine Stolpersteine auf städtischem Grund. Dort gehört Charlotte Knobloch, Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, zu den bekannten Kritikern dieser Erinnerungsform.

Entscheidung gilt für künftige Verlegungen

Der Beschluss in Heidenau betrifft neue Stolpersteine im öffentlichen Straßen- und Gehwegbereich. Die bereits vorhandenen Gedenksteine sind von der Entscheidung nicht betroffen.

Damit setzt die Stadt künftig auf ein anderes Konzept der Erinnerungskultur. Wie die geplante zentrale Gedenkfläche auf dem Nordfriedhof konkret ausgestaltet wird, geht aus den bislang veröffentlichten Informationen noch nicht im Detail hervor.