Mi., 10.06.2026 , 12:55 Uhr

Breites Bündnis fordert bessere Vorbereitung auf Extremhitze

Hitzeschutz soll Krisenvorsorge stärken

Mehr als 150 Organisationen fordern, Hitzeschutz verbindlich in Krisenvorsorge und Katastrophenschutz zu verankern.

Dresden - Mehr als 150 Organisationen aus Gesundheitswesen, Pflege, Wohlfahrt und Zivilgesellschaft warnen davor, dass Deutschland auf Extremhitze als Krisenlage bislang nicht ausreichend vorbereitet sei. Unter dem Motto „Gemeinsam vorsorgen gegen Extremhitze“ fordert das Bündnis, Hitzeschutz verbindlich als Bestandteil des Katastrophenschutzes zu verankern.

Ziel sei es, gesundheitsbezogenen Hitzeschutz in Deutschland konsequent und flächendeckend umzusetzen. Hitze müsse systematisch in Krisenvorsorge, Gesundheitsversorgung und Katastrophenschutz integriert werden.

Warnung vor extremen Hitzelagen

Das Bündnis beschreibt mögliche Szenarien, in denen anhaltende Extremhitze zu einer massiven Belastung für Rettungsdienste, Notaufnahmen und Pflegeeinrichtungen führen könnte. Genannt wird unter anderem ein Hitzedom-Szenario mit über zwei Wochen sehr hoher Temperaturen, überlasteten Rettungsdiensten und überfüllten Notaufnahmen.

Nach Einschätzung der beteiligten Organisationen wäre Deutschland auf ein solches Szenario nicht vorbereitet. Besonders gefährlich seien stabile Hochdrucklagen mit sehr hohen Temperaturen und fehlender nächtlicher Abkühlung. Diese könnten das Risiko hitzebedingter Todesfälle deutlich erhöhen.

Risiko für vulnerable Gruppen und Infrastruktur

Mit zunehmender globaler Erwärmung steigen laut Bündnis Häufigkeit, Dauer und Intensität von Hitzeperioden. Dadurch wachsen auch die Risiken für vulnerable Gruppen. Zugleich würden Gesundheitswesen, Pflege, soziale Einrichtungen und kritische Infrastruktur stärker belastet.

Auch wirtschaftliche Schäden könnten in solchen Phasen erheblich zunehmen. Für Deutschland werden in den vorliegenden Szenarien hitzebedingte Verluste von rund 112,5 Milliarden Euro innerhalb weniger Jahre genannt. Zur Einordnung verweist das Bündnis darauf, dass dies fast dem Dreifachen der Schäden der Ahrtal-Flutkatastrophe von 2021 entspreche.

Forderungen an Politik und Verwaltung

Nach Ansicht des Bündnisses wurden in den vergangenen Jahren bereits erste Schritte im Hitzeschutz unternommen. Für ausgeprägte, mehrtägige oder sich überlagernde Extremhitzelagen seien Politik, Verwaltung, Institutionen und Bevölkerung jedoch weiterhin nicht ausreichend vorbereitet.

Gefordert werden unter anderem klare Zuständigkeiten auf allen Ebenen von Bund, Ländern und Kommunen. Außerdem sollen soziale Schutzstrukturen für Risikogruppen verbessert und das Gesundheits-, Pflege- und Sozialwesen gezielt für Hitzelagen gestärkt werden.

Das Bündnis spricht sich zudem für eine Finanzierung von Maßnahmen aus, die Menschen, Arbeitsabläufe, Gebäude, Stadtteile und Infrastruktur vor extremer Hitze schützen und ihre Funktionsfähigkeit bei Hitzewellen sichern sollen.

Aktionstag auch in Dresden

Auch in Dresden ist eine Aktion geplant. Health for Future Dresden lädt anlässlich des bundesweiten Hitzeaktionstags und der Vorstellung des neuen Hitzeaktionsplans für Dresden gemeinsam mit der Landeshauptstadt zu einem kostenlosen Informations- und Mitmachnachmittag ein.

Die Veranstaltung findet am 11. Juni 2026 um 15:00 Uhr vor dem Kulturpalast in Dresden statt. Treffpunkt ist die Schloßstraße 2 in 01067 Dresden. Eingeladen sind alle Interessierten.

Mehr als 150 Organisationen beteiligt

Zu den Initiatoren des bundesweiten Bündnisses zählen unter anderem die Bundesärztekammer, die Deutsche Allianz Klimawandel und Gesundheit, die Deutsche Krankenhausgesellschaft, der Deutsche Pflegerat, der GKV-Spitzenverband, die Klima-Allianz Deutschland sowie die Bundesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege.

Insgesamt haben sich nach Angaben der Initiatoren mehr als 150 Institutionen und Verbände angeschlossen. Sie betonen, dass Krisenresilienz bei Extremhitze keine ferne Zukunftsaufgabe sei, sondern eine unmittelbare öffentliche Verantwortung der Gegenwart.