Dresden - Die Gläserne Manufaktur in Dresden steht vor einem grundlegenden Wandel. Nach dem geplanten Ende der Serienproduktion im Dezember soll der Standort künftig verstärkt auf Forschung und Entwicklung ausgerichtet werden. Das fordern IG Metall und der Betriebsrat der Manufaktur in einem gemeinsamen Konzept unter dem Motto „Neustart Faszination Forschung“.
Das Konzept basiert auf drei Säulen. Im Mittelpunkt steht die „Forschung am Automobil der Zukunft“, mit besonderem Schwerpunkt auf dem autonomen Fahren. Gleichzeitig soll der Erlebnischarakter der Manufaktur erhalten bleiben – etwa durch die Montage von Vorserien- und Sonderfahrzeugen, Testparcours und ein Fabriklabor. Darüber hinaus soll das Gebäude künftig auch für die Auslieferung weiterer Marken des Volkswagen-Konzerns genutzt werden.
Nach Ansicht der IG Metall könnte so ein Mehrwert für den gesamten Konzern entstehen: Ideen aus der Forschung könnten direkt in die industrielle Anwendung überführt werden.
Trotz der Pläne ist die Zukunft vieler Beschäftigter weiterhin offen. Im Dezember endet die Produktion des Elektroautos ID.3, doch bislang liegt kein konkretes Konzept für die rund 300 Mitarbeitenden vor. Für etwa ein Drittel der Belegschaft sei ab 2026 „keine sinnvolle Arbeit vorgesehen“, so die IG Metall. Das sorge für wachsende Verunsicherung.
Die Gewerkschaft fordert daher eine schnelle Entscheidung über die künftige Nutzung, um Arbeitsplätze zu sichern und Perspektiven zu schaffen.
Die Gläserne Manufaktur wurde 2001 als Produktionsstätte für den VW Phaeton eröffnet und gilt bis heute als weltweit einzigartiges Werk. Nach dem Aus des Oberklassemodells wurde hier der e-Golf gefertigt, später der ID.3. Nun wird über die Einrichtung eines Forschungscampus verhandelt – unter anderem mit der Technischen Universität Dresden.
Andere diskutierte Nutzungsideen, wie ein Zentraldepot der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden oder eine Wagner-Akademie, gelten mittlerweile als unwahrscheinlich.
IG Metall und Betriebsrat betonen, dass die Nutzung der Manufaktur vertraglich festgeschrieben sei und eine reine Büronutzung daher nicht realistisch wäre. Ziel bleibe, den Standort authentisch weiterzuentwickeln und die Beschäftigten einzubinden.
„Die Montage von Autos ist das Herz der Gläsernen Manufaktur. Volkswagen darf dieses Herz nicht ins Koma versetzen, ohne einen neuen guten Plan für den Standort umzusetzen“, erklärte Betriebsratschef Thomas Aehlig.
Gewerkschafter Stefan Ehly ergänzte: „Die Beschäftigten der Gläsernen Manufaktur stehen mit Herzblut für den VW-Standort Dresden ein.“