Dresden – In Sachsen sind in den vergangenen Jahren zahlreiche Kulturdenkmale verloren gegangen. Insgesamt wurden 355 Denkmale aus den Denkmallisten gestrichen, darunter 13 Gebäude, die ohne Genehmigung abgerissen wurden. Das geht aus Kleinen Anfragen des Grünen-Landtagsabgeordneten Thomas Löser im Sächsischer Landtag hervor. Erstmals liegen damit detaillierte Zahlen zu Denkmalverlusten in den einzelnen Landkreisen sowie konkrete Angaben zu illegalen Abrissen vor.
Nach Einschätzung Lösers bedeutet jeder Abriss eines Kulturdenkmals einen erheblichen Verlust. Mit den Gebäuden gehe nicht nur historische Substanz verloren, sondern auch ein Teil regionaler Identität. Besonders kritisch bewertet er die Fälle, in denen Denkmale ohne behördliche Genehmigung beseitigt wurden. Aus Sicht der Grünen sei es notwendig, den Schutz historischer Bauten im Freistaat deutlich zu stärken.
Die Partei fordert daher bessere Rahmenbedingungen für den Denkmalschutz sowie mehr Unterstützung für Eigentümer denkmalgeschützter Gebäude. Ohne rechtzeitige Maßnahmen drohten viele Bauwerke zu verfallen, da es häufig an finanziellen Mitteln und fachlicher Begleitung mangele. Hinzu komme ein strukturelles Problem: In vielen Regionen fehle es an Personal, sodass gefährdete Denkmale weder systematisch erfasst noch frühzeitig gesichert werden könnten.
Nach Angaben des Sächsisches Staatsministerium für Infrastruktur und Landesentwicklung lagen unter anderem für den Abriss eines Gartenpavillons einer denkmalgeschützten Villa in der Leipziger Gräfestraße sowie für die Beseitigung eines Schmuckbrunnens in der Dösner Straße keine Genehmigungen vor. Weitere illegale Abrisse betrafen Teile von Dreiseitenhöfen in Dahlen und Großenhain sowie Wohnhäuser in Ebersbach bei Meißen und Hartenstein.
Um solche Fälle künftig zu verhindern, fordern die Grünen eine personelle Stärkung des Landesamtes für Denkmalpflege sowie eine Überprüfung der personellen Ausstattung der unteren Denkmalbehörden in Städten und Landkreisen. Der Erhalt von Kulturdenkmalen sei auch eine Form der Anerkennung gegenüber den vielen Menschen, die sich insbesondere zu DDR-Zeiten ehrenamtlich für den Schutz historischer Bausubstanz engagiert hätten.
Sachsen zählt bundesweit zu den Ländern mit den meisten geschützten Bauwerken. Mit mehr als 100.000 Baudenkmalen liegt der Freistaat im Ländervergleich auf Platz zwei. Um dieses kulturelle Erbe zu bewahren, haben die Grünen nach eigenen Angaben in den Verhandlungen zum aktuellen Doppelhaushalt zusätzlich knapp vier Millionen Euro für den Denkmalschutz gesichert.