Chemnitz - In Sachsen gehen immer mehr Menschen auch nach dem Eintritt in den Ruhestand einer Arbeit nach. Rund 60.000 Rentnerinnen und Rentner sind derzeit weiterhin berufstätig. Das geht aus aktuellen Zahlen der Bundesagentur für Arbeit hervor. Vor zehn Jahren lag diese Zahl noch bei gut 41.000, im Jahr 2010 sogar nur bei etwas mehr als 35.000.
Nach Einschätzung der Regionaldirektion in Chemnitz hängt diese Entwicklung eng mit dem zunehmenden Fachkräftemangel zusammen. Unternehmen hätten immer größere Schwierigkeiten, offene Stellen zu besetzen. Ältere Beschäftigte seien häufig gut qualifiziert, verfügten über langjährige Berufs- und Lebenserfahrung und zählten in vielen Betrieben zu den Leistungsträgern.
Die Motive, auch im Rentenalter weiterzuarbeiten, sind vielfältig. Das erklärt Klaus-Peter Hansen, Chef der Regionaldirektion, unter Verweis auf Befragungen des Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung. Zwar spiele die Aufbesserung der Rente für einige eine Rolle, doch längst nicht für alle. Viele Rentner fühlten sich weiterhin leistungsfähig, wollten ihr Wissen an jüngere Generationen weitergeben und aktiv bleiben. Auch soziale Kontakte und die Freude an der Arbeit seien wichtige Beweggründe.
Der Bedarf an älteren Arbeitskräften dürfte in den kommenden Jahren weiter steigen. Grund dafür ist die demografische Entwicklung: Es rücken deutlich weniger junge Menschen in den Arbeitsmarkt nach, als ältere ausscheiden. Nach Berechnungen des Sächsisches Staatsministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr werden dem Arbeitsmarkt bis 2040 jährlich rund 10.000 Menschen im erwerbsfähigen Alter weniger zur Verfügung stehen.
Trotz zuletzt gestiegener Arbeitslosenzahlen rechnet das Ministerium langfristig mit einer zunehmenden Arbeitskräfteknappheit. Die größte Herausforderung bleibe daher die Fachkräftesicherung. Die Landesregierung setzt dabei unter anderem auf Weiterbildung und lebenslanges Lernen, stärkere Berufsorientierung an Schulen, die Anwerbung ausländischer Fachkräfte sowie die Unterstützung von Langzeitarbeitslosen und den Wiedereinstieg von Eltern und älteren Menschen.
Die meisten arbeitenden Rentnerinnen und Rentner sind laut Regionaldirektion als Minijobber tätig. Rund 46.000 Menschen üben eine geringfügige Beschäftigung aus, während knapp 14.000 sozialversicherungspflichtig in Voll- oder Teilzeit arbeiten. Dabei können Rentner unbegrenzt hinzuverdienen und durch freiwillige Beiträge zur Rentenversicherung ihre Altersbezüge weiter erhöhen.
Besonders häufig sind ältere Beschäftigte im Gesundheits- und Bildungswesen im Einsatz. Weitere typische Tätigkeitsfelder sind Fahrdienste und Logistik, Hausmeisterarbeiten, Sicherheits- und Reinigungsdienste sowie Lehrer- und Dozententätigkeiten. Auch in der Unternehmensführung und Organisation sind erfahrene Fachkräfte im Rentenalter gefragt.
Aus Sicht der Regionaldirektion sollten Unternehmen die Arbeitsbedingungen weiter an die Bedürfnisse älterer Beschäftigter anpassen. Dazu zählen flexible Arbeitszeiten, eine altersgerechte Gestaltung von Arbeitsplätzen, Weiterbildungsangebote, Maßnahmen zur Gesundheitsförderung sowie ein wertschätzender Umgang durch Vorgesetzte und Kollegen.