Dresden - Für das seit Ende 2023 geschlossene Italienische Dörfchen am Dresdner Theaterplatz gibt es eine neue Perspektive. Das stadtbildprägende und denkmalgeschützte Gebäude soll mit einem neuen Nutzungskonzept wieder in Betrieb genommen werden. Voraussetzung ist, dass der Dresdner Stadtrat einer entsprechenden Vorlage zustimmt.
Nach Angaben der Landeshauptstadt Dresden war die bisherige Gastronomie zuletzt unwirtschaftlich geworden. Zugleich hatte sich ein erheblicher Sanierungsstau entwickelt. Die Stadt als Eigentümerin der Immobilie suchte deshalb nach einer Lösung, um das Gebäude zu erhalten und wiederzubeleben. Dabei soll die Rechtsform des Erbbaurechts beibehalten werden. Sie ermöglicht der Stadt weiterhin Einfluss auf Nutzung und Erhaltung des Gebäudes, ohne selbst direkt in die Immobilie investieren zu müssen.
Die bisherige Erbbaurechtsnehmerin, die Altmann GbR, will das Erbbaurecht mit Zustimmung der Landeshauptstadt an die „KFA Kultur für alle gGmbH“ verkaufen. Die KFA ist als Betreiberin des Palais Sommers bekannt. Sollte der Stadtrat zustimmen, könnte nach Angaben der Stadt umgehend mit der Sanierung und Wiederbelebung des Italienischen Dörfchens begonnen werden.
Stephan Kühn, Beigeordneter für Stadtentwicklung, Bau, Verkehr und Liegenschaften, spricht von einer Chance für das Erlwein-Gebäude am Theaterplatz. Vielen Dresdnerinnen und Dresdnern schmerze es, dass das Italienische Dörfchen seit Jahren geschlossen sei. Mit dem neuen Nutzungskonzept könne ein Erlebnis- und Begegnungsort entstehen, der auch das kulturelle Leben der Stadt bereichere.
Im Zentrum der Pläne steht ein gemeinwohlorientierter Kultur-, Gastronomie- und Veranstaltungsort. Die KFA will das Gebäude gemeinsam mit Kooperationspartnern aus der Umwelt-, Kultur- und Sozialwirtschaft entwickeln. Geplant ist unter anderem ein „Konzerthaus“ für Musikveranstaltungen, Lesungen, Tanzveranstaltungen für verschiedene Altersgruppen sowie private Veranstaltungen.
Ein Kunstsalon und eine Galerie mit integrierter Café-Bar sollen Raum für zeitgenössische Kunst, Vorträge, Musikreihen, Hochzeiten und Unternehmensveranstaltungen bieten. Der große und kleine Kaffeesaal sowie die Weinstube sollen künftig wieder gastronomisch genutzt werden. Zusätzlich sind in Zusammenarbeit mit Wohlfahrts- und Sozialorganisationen inklusive Arbeits- und Qualifizierungsangebote in Gastronomie, Kultur und Veranstaltungsorganisation vorgesehen. Diese sollen ausdrücklich auch Menschen mit Unterstützungsbedarf einbeziehen.
KFA-Geschäftsführer Jörg Polenz kündigt an, die deutsch-italienische Geschichte des Ortes weitererzählen zu wollen. Das Haus solle zu einem Ort der Gemeinschaft, Kunst und Kultur weiterentwickelt werden, verbunden mit regional ausgerichteter Gastronomie zu moderaten Preisen. In einem ersten Schritt solle der weitere Verfall gestoppt werden. Notwendige Reparaturen sollen sofort erfolgen, um eine schnelle Öffnung vorzubereiten. Ziel sei es, dass Anfang 2027 wieder Leben in das Haus einzieht.
Die Öffnung soll nach Angaben der KFA auch durch Bürgerbeteiligung unterstützt werden. Dresdnerinnen und Dresdner sollen Spendenzertifikate erwerben können. Die Namen der Spenderinnen und Spender sollen vor Ort dauerhaft sichtbar sein.
Auch zur Finanzierung und zum zeitlichen Ablauf liegen erste Angaben vor. Während der ersten Sanierungsarbeiten vor der Wiedereröffnung soll die Landeshauptstadt keinen Erbbauzins für das Gebäude erheben. In den Folgejahren soll der Erbbauzins auf den für Kultur- und Sozialeinrichtungen üblichen Wert reduziert werden. Außerdem soll die Eintragung erhöhter Grundschulden auf das Erbbaurecht ermöglicht werden.
Für die erste Sanierungsphase, in der der Verfall gestoppt und die Wiedereröffnung vorbereitet werden soll, bringt die KFA rund 1,5 Millionen Euro auf. Abgesichert ist diese Summe durch einen Bankkredit. Ziel der KFA ist es jedoch, diesen ersten Schritt über den Verkauf von Bürgerbeteiligungszertifikaten zu finanzieren. Weitere 3,5 Millionen Euro sollen in einer zweiten Renovierungsphase bis Ende 2028 investiert werden.
In den nächsten Phasen ist unter anderem die vollständige Barrierefreiheit vorgesehen. Dazu zählen ein neuer Personenaufzug sowie der Umbau des Kellers mit modernen Ausstellungsräumen und einer Cinemathek. Außerdem sollen die Außenanlagen neugestaltet, die Haustechnik vollständig erneuert und denkmalgeschützte Bereiche fachgerecht restauriert werden.
Das Italienische Dörfchen wurde zwischen 1911 und 1913 nach Plänen von Hans Erlwein erbaut. Im Jahr 1993 übergab die Landeshauptstadt Dresden das Italienische Dörfchen am Theaterplatz und das Basteischlösschen am Terrassenufer im Erbbaurecht an die Altmann GbR in Hamburg. Während sich das Basteischlösschen am Elbradweg weiter behauptete, erwies sich der Betrieb des deutlich größeren Italienischen Dörfchens zunehmend als schwierig.
Trotz einer Senkung des Erbbauzinses durch die Stadt war der reine Gastronomiebetrieb nicht mehr zukunftsfähig. Gleichzeitig verschlechterte sich die Gebäudesubstanz durch fehlende Investitionen. Nach Angaben der Stadt drang Feuchtigkeit in das Gebäude ein und beschädigte unter anderem die Innenbemalung. Zudem müssen die Haustechnik des rund 3.200 Quadratmeter großen Gebäudes erneuert, die Fassade instandgesetzt und die Barrierefreiheit hergestellt werden.