Frohburg/Dresden - Eine außergewöhnlich gute Kartoffelernte stellt landwirtschaftliche Betriebe in Sachsen derzeit vor große Herausforderungen. Sinkende Erzeugerpreise und eine geringere Nachfrage führen dazu, dass große Mengen hochwertiger Lebensmittel nicht vermarktet werden können. Um eine Entsorgung der Ernte zu vermeiden, haben sich die Osterland Agrar AG sowie mehrere regionale Medien zu einer gemeinsamen Hilfsaktion zusammengeschlossen.
Beteiligt sind die Leipziger Volkszeitung, die Sächsische Zeitung und die Berliner Morgenpost. Ziel der Initiative ist es, überschüssige Kartoffeln sinnvoll zu nutzen und an soziale Einrichtungen weiterzugeben. Ein Teil der Ernte wird nach Berlin transportiert, zugleich profitieren auch die Tafeln in Sachsen sowie im angrenzenden Altenburger Land von der Aktion.
In Sachsen wurde dazu kurzfristig der Kontakt zwischen Hannah Suppa, Chefredakteurin der Leipziger Volkszeitung, und Stephan Trutschler, Landesvorsitzender des Tafel Sachsen e.V., hergestellt. Gemeinsam wurde geprüft, in welchem Umfang die Tafeln im Freistaat Kartoffeln übernehmen können. Ziel ist es, Menschen zu erreichen, die auf Lebensmittelunterstützung angewiesen sind. Nach Angaben des Vereins sollen keine Lebensmittel entsorgt werden, während gleichzeitig vielerorts Bedarf besteht.
Der Landesverband vereint 45 Mitgliedstafeln, die monatlich tausende bedürftige Menschen versorgen. Gleichzeitig stehen viele Ausgabestellen vor wachsenden Herausforderungen, da die Zahl der Kundinnen und Kunden steigt und die Lebensmittelspenden aus dem Handel zurückgehen. Grundnahrungsmittel wie Kartoffeln sind dabei besonders wichtig, da sie vielseitig einsetzbar, nahrhaft und gut lagerfähig sind.
Aktuell sind unter anderem die Tafeln in Plauen, Torgau, Oschatz, Leipzig, Grimma sowie Mittweida/Döbeln und das Landesverteilzentrum Dresden in die Aktion eingebunden. Auch Tafeln in Thüringen, darunter in Altenburg, Greiz und Schmölln, sollen beliefert werden. Die Verteilung erfolgt abgestimmt zwischen den Landesverbänden, um die nächstgelegenen Ausgabestellen zu berücksichtigen.
Die Umsetzung der Aktion ist mit erheblichem logistischem Aufwand verbunden. Transport, Personal, Koordination und mögliche Zwischenlagerungen verursachen Kosten, die die Tafeln allein nicht tragen könnten. Ermöglicht wird die Verteilung durch finanzielle Mittel aus Spendenaktionen der Leipziger Volkszeitung und der Sächsischen Zeitung.
Aus Sicht des Tafel Sachsen e.V. verdeutlicht die Initiative die Bedeutung regionaler Zusammenarbeit. Landwirtschaft, Medien und gemeinnützige Organisationen zeigen, wie durch abgestimmtes Handeln Lebensmittel gerettet und Menschen unterstützt werden können. Die Verteilung der Kartoffeln erfolgt bedarfsgerecht und in enger Abstimmung mit den Tafeln vor Ort. Parallel wird geprüft, ob weitere Abnehmer für überschüssige Mengen gefunden werden können.
Der Landesverband Tafel Sachsen e.V. unterstützt seit 2006 jährlich rund 200.000 von Armut betroffene Menschen im Freistaat mit Lebensmittelausgaben. Bundesweit engagieren sich die Tafeln in einem Netzwerk mit über 960 Einrichtungen und rund 2.000 Ausgabestellen, um genießbare Lebensmittel vor der Entsorgung zu bewahren und an Bedürftige weiterzugeben.