Fr., 10.07.2026 , 13:03 Uhr

Landeskirche und Bistum fürchten Verlust fachlicher Unabhängigkeit

Kirchen warnen vor Umbau der Denkmalpflege in Sachsen

Sachsen - Die geplante Neuordnung von Denkmalpflege und Denkmalschutz in Sachsen stößt bei der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche und dem Bistum Dresden-Meißen auf deutliche Kritik.

Die Evangelisch-Lutherische Landeskirche Sachsens und das Bistum Dresden-Meißen zeigen sich besorgt über die geplanten Strukturänderungen bei Denkmalpflege und Denkmalschutz im Freistaat. Nach den Plänen der sächsischen Staatsregierung sollen das Landesamt für Archäologie und das Landesamt für Denkmalpflege fusioniert und anschließend in die Landesdirektion Sachsen eingegliedert werden. Darüber hinaus ist eine Novellierung des Sächsischen Denkmalschutzgesetzes vorgesehen.

Sachsen zählt mit rund 101.000 Bau- und 13.000 Bodendenkmalen zu den denkmalreichsten Bundesländern Deutschlands. Einen bedeutenden Anteil an diesem Kulturerbe haben Kirchen und Kapellen. Sie prägen zahlreiche Ortsbilder und Kulturlandschaften und besitzen neben ihrer religiösen Bedeutung auch einen hohen historischen und identitätsstiftenden Wert. Aus Sicht der beiden Kirchen erfordert der Erhalt dieser Gebäude besondere Fachkenntnisse. Das betreffe nicht nur die Bauweise und historische Ausstattung, sondern auch Orgeln, Geläute sowie liturgische und gottesdienstliche Anforderungen. Das Landesamt für Denkmalpflege verfüge bislang über die notwendige Expertise, um kirchliche Denkmale fachgerecht zu begleiten und weiterzuentwickeln.

Besonders kritisch sehen Landeskirche und Bistum die mögliche Schwächung des bisherigen Vier-Augen-Prinzips. Bislang arbeiten Denkmalschutzbehörden und das Landesamt für Denkmalpflege als eigenständige Fachbehörde zusammen. Durch eine Eingliederung in die Landesdirektion könnten diese organisatorische Trennung und damit auch die fachliche Unabhängigkeit beeinträchtigt werden. Die Kirchen befürchten zudem, dass die Fusion der Fachämter in Verbindung mit der geplanten Gesetzesänderung zu einem Verlust an Fachlichkeit führen könnte. Auch Verbände und Fachinitiativen hätten die Reformpläne kritisch aufgenommen. Die Vereinigung der Denkmalfachämter in den Ländern warnte in ihrer Leipziger Erklärung davor, Denkmalpflege und Denkmalschutz unter dem Ziel von Bürokratieabbau und Effizienzsteigerung unnötig zu schwächen.

Landeskirche und Bistum betonen zugleich ihre eigene Verantwortung für den Schutz und Erhalt kirchlicher Denkmale. Sie sprechen sich dafür aus, die bewährten Verwaltungsstrukturen sowie die Eigenständigkeit der Landesämter zu erhalten. Nur so könne das kulturelle Erbe Sachsens dauerhaft fachgerecht geschützt werden.