Leipzig - Ein Bündnis aus der Bildungsgewerkschaft GEW Sachsen, Trägern und Eltern fordert eine Reform der Kita-Finanzierung in Sachsen. Unter dem Motto „Kitas retten!“ warnen die Beteiligten vor Stellenabbau, hoher Belastung in Einrichtungen und einer Gefährdung wohnortnaher Kita-Standorte.
Nach Angaben des Bündnisses stehen die Kitas in Sachsen vor großen Herausforderungen. Durch den Finanzierungsschlüssel im Sächsischen Kita-Gesetz könne nach Einschätzung der Unterzeichnenden weiterhin nicht genug Personal für eine kindgerechte Bildung beschäftigt werden. Gleichzeitig müssten mit sinkenden Kinderzahlen immer mehr Stellen abgebaut werden.
Pädagogischen Fachkräften drohe demnach eine Reduzierung ihres Beschäftigungsumfangs oder sogar die Kündigung. Zugleich nähmen die personellen Herausforderungen und die gesundheitliche Belastung der Fachkräfte weiter zu. Viele Einrichtungen könnten ihre qualitativen Standards nicht mehr halten oder stünden vor der Schließung, weil sich Träger und Kommunen Kita-Standorte mit niedriger Auslastung nicht leisten könnten.
Neben einem Forderungspapier ruft das Bündnis Eltern, Fachkräfte, Träger und Interessierte zu Kundgebungen auf. In Leipzig ist die Kundgebung für Montag, den 4. Mai 2026, um 17 Uhr am Neuen Rathaus geplant. In Dresden soll eine weitere Kundgebung am Montag, den 11. Mai 2026, um 17 Uhr vor dem Sächsischen Landtag stattfinden.
Die Kundgebungen stehen ebenfalls unter dem Motto „Kitas retten!“. Mit den Aktionen will das Bündnis auf die Situation in den Einrichtungen aufmerksam machen und seine Forderungen nach einer Reform der Kita-Finanzierung öffentlich unterstreichen.
Burkhard Naumann, Vorsitzender der GEW Sachsen, verweist auf die personelle Unterversorgung in den Kitas. Obwohl die Kinderzahlen sinken, kämpften Einrichtungen täglich mit zu wenig Personal. Als Grund nennt er die aus Sicht der GEW unzureichende Finanzierung im Sächsischen Kita-Gesetz.
Naumann kritisiert zudem, dass Sachsen beim Betreuungsschlüssel im Ländervergleich regelmäßig auf Platz 15 liege. Trotz hoher Belastung für die Beschäftigten würden nun Stellen abgebaut. Pädagogische Fachkräfte müssten ihren Beschäftigungsumfang reduzieren oder würden bereits gekündigt.
Aus Sicht der GEW könnten sinkende Kinderzahlen genutzt werden, um den Betreuungsschlüssel zu verbessern, die Qualität der frühkindlichen Bildung zu stärken und wenig ausgelastete Kita-Standorte zu erhalten. Dafür brauche es eine Kita-Reform. Der aktuelle Zustand führe nach Einschätzung des Bündnisses zum Rückbau der Kita-Landschaft in Sachsen.
Das Bündnis richtet sich mit seinen Forderungen an die Sächsische Staatsregierung und den Sächsischen Landtag. Gefordert wird eine Reform des Sächsischen Kita-Gesetzes. Außerdem sollen mit dem Sächsischen Doppelhaushalt 2027/28 die Voraussetzungen geschaffen werden, um insbesondere kleinere Kita-Standorte als wohnortnahe Infrastruktur zu erhalten.
Darüber hinaus fordern die Unterzeichnenden einen langfristigen und verbindlichen Plan für eine bessere personelle Versorgung der Kitas. Dazu zählen mehr Zeit für das einzelne Kind, eine verbesserte Fachkraft-Kind-Relation und zusätzliche Ressourcen für eine flächendeckende wohnortnahe Kita-Infrastruktur.
Auch die Anforderungen des Bundes, insbesondere im Bereich Sprachbildung, sollen aus Sicht des Bündnisses personell untersetzt werden. Urlaub, Krankheit und Weiterbildung müssten bedarfsgerecht in die Personalplanung einberechnet werden. Zusätzlich fordert das Bündnis mehr Vor- und Nachbereitungszeit, damit die Anforderungen des Sächsischen Bildungsplans erfüllt werden können.
Der Appell richtet sich außerdem an die Kommunen, den Sächsischen Städte- und Gemeindetag sowie den Sächsischen Landkreistag. Sie werden aufgefordert, die Kita-Landschaft in Stadt und Land zu sichern.
Dabei geht es nach Angaben des Bündnisses um den Erhalt von Arbeitsplätzen, wohnortnahe Kita-Angebote als wirtschaftlichen Standortfaktor sowie um eine qualitative Weiterentwicklung der frühkindlichen Bildung. Auch eine solidarische Kita-Finanzierung wird gefordert.
Die Unterzeichnenden betonen, dass alle an Kita beteiligten Gruppen mehr Unterstützung benötigen. Jedes Kind in Sachsen habe das gleiche Recht auf eine qualitativ hochwertige frühkindliche Bildung. Pädagogische Fachkräfte und Kita-Leitungen müssten dringend entlastet werden.
Eltern hätten ein Recht auf einen Kita-Platz in ihrer Nähe. Träger bräuchten Unterstützung beim Erhalt von Kita-Standorten. Aus Sicht des Bündnisses sind Investitionen in Kitas deshalb zugleich Investitionen in Bildung, Infrastruktur und die Zukunft Sachsens.
Die Forderungen wurden nach Angaben der GEW Sachsen mit Stand 4. Mai 2026, 11 Uhr, von mehreren Organisationen unterzeichnet. Dazu gehören die ASB Dresden & Kamenz gGmbH, die AWO Soziale Dienste Chemnitz und Umgebung gGmbH, der Kinderschutzbund Regionalverband Freiberg, der Deutsche Paritätische Wohlfahrtsverband Landesverband Sachsen, die Evangelisch-Lutherische Erlöserkirchgemeinde Leipzig-Thonberg, Fröbel Bildung und Erziehung gGmbH, die GEW Sachsen, das Graswurzelbündnis „Die bessere Kita“, Herbie e.V., die Johanniter-Unfall-Hilfe Landesverband Sachsen, die Kinder-, Jugend- und Familienhilfe e.V. Chemnitz, der Kommunalverband Görlitz der Kindervereinigung e.V. mit dem Kinderhaus „Tausendfuß“, Outlaw gGmbH, der Regionalverband Volkssolidarität Elbtalkreis-Meißen e.V., die Volkssolidarität Leipziger Land/Muldental e.V. und die Volkssolidarität Leipzig-Wurzen e.V.