Sa., 02.08.2025 , 15:01 Uhr

Taucha (bei Leipzig), Sachsen

Knapp 5000 Besucher: Festival zaubert Extase, Klangrausch und Wirtschaftsboom

Noch bis zum 3. August verwandelt das Ancient Trance Festival Taucha bei Leipzig in ein Zentrum für Klangkunst, Spiritualität und gelebte Vielfalt – begleitet von Diskussionen über Lärm, Kommerz und Nachbarschaft. Eine Kleinstadt im Ausnahmezustand?

Barfuß im Gras tanzen, meditieren unter alten Bäumen, diskutieren über Frieden – und dabei ganz nebenbei die örtliche Wirtschaft ankurbeln? Was klingt wie ein Widerspruch, ist in Taucha bei Leipzig Realität geworden. Das Ancient Trance Festival hat den sonst ruhigen Ort für ein langes Wochenende in einen vibrierenden Melting Pot der Kulturen verwandelt – zwischen Weltmusik, Chai-Tee, Achtsamkeit und handfesten ökonomischen Impulsen.

Für die einen ist es ein spirituelles Erlebnis, für andere eine Herausforderung mit Lärm, Verkehrschaos und vollen Pensionen. Doch eines ist unbestreitbar: Dieses Festival bewegt – emotional, kulturell und wirtschaftlich.

Wo der Stadtpark zur Weltbühne wird

Kaum wiederzuerkennen: Der Tauchaer Stadtpark, normalerweise Kulisse für Spaziergänge und Picknickdecken, verwandelte sich in einen farbenfrohen Festivalkosmos. Klanginseln statt Blumenbeete, Slacklines zwischen Bäumen, veganes Essen, Klangschalen und Trommelkreise – Taucha war für ein Wochenende Bühne einer friedlichen, klangvollen Weltvision.

Die Besucher*innen kamen von überall her. Musikgruppen reisten aus Südamerika, Osteuropa, Asien oder Skandinavien an. „Ich komme nicht nur wegen der Musik – ich komme wegen der Menschen“, sagt Ida, eine Besucherin aus Marburg. Genau das macht den Zauber von Ancient Trance aus: Die Kombination aus Vielfalt, Achtsamkeit und Offenheit gegenüber allem, was anders ist.

Ein besonders eindrücklicher Moment: Die ukrainische Band Dakhabrakha eröffnete ihr Konzert mit der Nachricht eines schweren Luftangriffs in ihrer Heimatstadt. Was folgte, war ein musikalischer Kraftakt – traurig, wütend, eindringlich. Am Ende: stehender Applaus, Gänsehaut und das Gefühl, dass Musik Brücken baut, selbst in Zeiten des Krieges.

Taucha wie verzaubert: Ancient Trance Festival 2025 startet
Festivalerlebnis im Herzen von Taucha Das Ancient Trance Festival in Taucha versetzt die Kleinstadt vom 31. Juli bis zum 3. August in einen Ausnahmezustand. Mit rund 6.000 Besuchern wird die Stadt zum Zentrum der Weltmusik. "Nach Informationen von Sachsen Fernsehen entsteht hier ein kleiner Mikrokosmos, der durch Klangvielfalt und kreative Workshops besticht", erklärt Andreas Kosmowicz, einer der Hauptorganisatoren des Festivals. Eine Stadt im Festivalfieber Ort des Geschehens ist der Stadtpark von Taucha, der sich einmal im Jahr in eine bunte Festivalwelt verwandelt. Auf fünf Bühnen, darunter auch eine Kirchbühne, erleben Besucher Konzerte und Performances. Neben Musik bietet das Festival rund 60 Workshops zu Themen wie Musikinstrumentenkunde und Tanz. Besucher erwartet zudem ein großer Kinderspace und kunstvolle Landart-Installationen. Herausforderungen und Engagement Trotz anfänglicher logistischer Probleme wie fehlenden Caravan-Parkplätzen sowie den für einige Anwohner störenden Geräuschen, zeigt sich das Organisationskomitee optimistisch. "Das Festival ist angekommen", betont Birgit Richter, die sich um eine harmonische Einbindung der lokalen Gemeinschaft bemüht. Sie organisiert Führungen über das Gelände, um Verständnis und Transparenz zu fördern, während Anwohner infolge der Lärmbelästigung Freikarten erhalten. Wettereinfluss und Vorbereitungen Selbst der unbeständige Wetterbericht konnte die Festivalstimmung nicht trüben. Obwohl Regen die Szenerie in Schlammlandschaften verwandeln könnte, bleiben die Veranstalter gelassen: "Wenn die Party bezahlt ist, dann machen wir uns auch bei Regen keine Sorgen", so Richter über die unbeschwerte Haltung der Festivalgäste. Einladung zum Erlebnis der Vielfalt Für Interessierte, die noch kein Ticket ergattern konnten, bietet der "Markt der Möglichkeiten" im Herzen von Taucha einen kostenfreien Einblick in das Festivalgeschehen. Das Ancient Trance Festival verspricht ein unvergleichliches Erlebnis voller Vielfalt und Musikfreude – ein Muss für Kultur- und Musikliebhaber in Sachsen.
Tauchas Bürgermeister, Tobias Meier

Festival als Motor für die Stadt

Doch Ancient Trance ist längst mehr als ein musikalisches Happening – es ist ein wirtschaftlicher Faktor. Laut Bürgermeister Tobias Meier bringt das Festival Taucha nicht nur internationale Aufmerksamkeit, sondern ganz konkrete Vorteile: „Sämtliche Unterkünfte sind ausgebucht, lokale Händler freuen sich über neue Kunden – und manche Gäste sind sogar nach dem Festival hierhergezogen.“

Die Stadtverwaltung arbeitet eng mit dem Veranstalter, dem Maultrommel Taurer e.V., zusammen. Viele Bürger*innen nehmen sich extra frei, um mitzuhelfen – stellen ihre Gärten für Zelte zur Verfügung, bieten Duschen oder Frühstück an. „Es ist einfach toll, dieser Zusammenhalt“, sagt Meier im Gespräch mit SACHSEN FERNSEHEN.

Spirituelle Utopie trifft auf Realität

Natürlich bringt ein Festival dieser Größe auch Konflikte mit sich. Zu wenig Parkplätze, volle Straßenbahnen, nächtliche Musik – nicht alle Anwohner sind begeistert. Doch statt zu eskalieren, setzt man auf Ausgleich: Freikarten für Anlieger, offene Gesprächsrunden, transparente Kommunikation.

„Konflikte machen auch Spaß, wenn man sie moderieren kann“, sagt der Bürgermeister schmunzelnd – und spielt damit auf die ungewohnte Rolle der Verwaltung als Vermittlerin zwischen Weltmusik-Enthusiasten und gestressten Nachbarn an.

Zwischen Yogamatte und Wirtschaftskraft

Was häufig übersehen wird: Hinter dem Festival steckt ein hochprofessionelles Eventmanagement. Ticketverkauf, Merchandising, Gastronomie, Tourismusmarketing – Ancient Trance ist längst auch ein Geschäftsmodell. Und zwar eines, das funktioniert. Die Festivalleitung kooperiert mit lokalen Betrieben, bezieht Handwerk, Landwirtschaft und Einzelhandel ein.

Der wirtschaftliche Effekt ist spürbar. Es entstehen Arbeitsplätze, neue touristische Netzwerke – und ein Imagewandel für eine Stadt, die bislang eher unauffällig war. Doch die Frage bleibt: Wie lange lässt sich diese Balance halten? Zwischen Idealismus und Professionalität, zwischen spiritueller Tiefenentspannung und kommerziellem Kalkül?

Ausblick: Klang, Konflikt und großes Potenzial

Ancient Trance ist ein kulturelles Experiment mit gesellschaftlicher Sprengkraft. Es zeigt, was möglich ist, wenn eine Stadt bereit ist, sich zu öffnen – für neue Klänge, neue Menschen und neue Wege. Taucha ist für ein Wochenende zur Bühne der Welt geworden – und hat dabei vielleicht auch ein Stück weit sich selbst neu entdeckt.

Unser Reporter Jonas Juckeland war auf dem Festival unterwegs. Sein ausführlicher und kritischer Bericht läuft am Montag – bei SACHSEN FERNSEHEN.