Di., 20.10.2026 , 10:50 Uhr

Linke kritisiert zunehmende Abordnungen und fordert Lösungen gegen Lehrermangel

Lehrer in Sachsen immer häufiger abgeordnet

In Sachsen werden deutlich mehr Lehrkräfte an andere Schulen abgeordnet. Die Linke kritisiert diese Praxis und fordert langfristige Lösungen gegen den Lehrermangel.

Dresden - Im laufenden Schuljahr werden in Sachsen deutlich mehr Lehrkräfte an andere Schulen abgeordnet als im Vorjahr. Nach Angaben des Kultusministeriums gibt es aktuell 6.768 Abordnungen, darunter 812 sogenannte Vollabordnungen. Die Linksfraktion im Sächsischen Landtag kritisiert diese Entwicklung und fordert andere Maßnahmen, um dem Lehrkräftemangel entgegenzuwirken.

Linke sieht Abordnungen als kurzfristige Lösung

Die bildungspolitische Sprecherin der Linksfraktion, Luise Neuhaus-Wartenberg, hält Abordnungen nicht für das geeignete Mittel, um den Personalmangel an Sachsens Schulen langfristig zu bekämpfen. Ihrer Ansicht nach werden dadurch bestehende Probleme häufig lediglich von einer Schule an eine andere verlagert.

„Überwinden können wir den Mangel nur, indem der Personalbedarf realistisch geplant wird, das Lehramtsstudium praxisnäher wird und Studierende stärker in den Unterrichtsalltag eingebunden werden“, erklärte Neuhaus-Wartenberg.

Die Linke setzt damit auf strukturelle Veränderungen in der Lehrerausbildung und Personalplanung. Ziel sei es, den Lehrerberuf attraktiver zu gestalten und mehr Nachwuchs für Schulen mit besonders großem Personalbedarf zu gewinnen.

Lehrermangel außerhalb von Leipzig und Dresden besonders groß

Besonders angespannt ist die Personalsituation nach Einschätzung der Linken in den ländlichen Regionen Sachsens. Während Großstädte wie Leipzig und Dresden vergleichsweise weniger stark betroffen seien, fehle es insbesondere im Erzgebirge und in der Lausitz an Lehrkräften.

„Der Lehrkräftemangel ist heute abseits der Großstädte ein viel größeres Problem als in Leipzig oder Dresden. Wir müssen aktuelle und künftige Lehrkräfte dazu bewegen, auch fernab der Metropolen zu arbeiten“, sagte Neuhaus-Wartenberg.

Statt Lehrkräfte durch Abordnungen an andere Schulstandorte zu verpflichten, sollten nach Ansicht der Politikerin gezielte Anreize geschaffen werden. Dabei gehe es insbesondere darum, angehende Lehrer frühzeitig für eine berufliche Zukunft außerhalb der sächsischen Großstädte zu gewinnen.

Kritik an geplanter Streichung finanzieller Anreize

Die Linksfraktion kritisiert in diesem Zusammenhang auch die Pläne von Kultusminister Conrad Clemens (CDU), den sogenannten Anwärtersonderzuschlag zu streichen.

Neuhaus-Wartenberg bezeichnete dies als großen Fehler. Finanzielle Anreize könnten dazu beitragen, dass sich mehr Lehrkräfte für eine Tätigkeit in Regionen mit besonders hohem Personalbedarf entscheiden.

Zugleich verwies die Politikerin auf die persönliche Lebensplanung der Betroffenen. Häufige oder verpflichtende Abordnungen könnten die Attraktivität des Lehrerberufs zusätzlich beeinträchtigen.

6.768 Abordnungen an sächsischen Schulen

Wie groß die Bedeutung von Abordnungen inzwischen für den sächsischen Schulbetrieb ist, zeigen die aktuellen Zahlen des Kultusministeriums. Insgesamt werden im laufenden Schuljahr 6.768 Abordnungen gezählt. Davon entfallen 812 auf sogenannte Vollabordnungen.

Bei einer Vollabordnung unterrichten Lehrkräfte vollständig an einer anderen Schule und sind an ihrer ursprünglichen Schule nicht mehr im Einsatz.

Allerdings bedeutet die Gesamtzahl der Abordnungen nicht, dass ebenso viele Lehrer betroffen sind. Einzelne Lehrkräfte können an mehreren Schulen eingesetzt werden und dadurch mehrfach in der Statistik erscheinen. So kann beispielsweise ein Sportlehrer an verschiedenen Schulstandorten Unterricht erteilen und entsprechend mehrere Abordnungen aufweisen.

Zahl der betroffenen Lehrkräfte noch unbekannt

Zu Beginn des vergangenen Schuljahres waren nach Angaben des Kultusministeriums insgesamt 2.263 Lehrkräfte von Abordnungen betroffen.

Wie viele Lehrer im aktuellen Schuljahr tatsächlich an andere Schulen abgeordnet wurden, ist bislang nicht bekannt. Das Kultusministerium will die entsprechenden Zahlen erst im November vorlegen.

Damit lässt sich aus den derzeit verfügbaren Angaben zwar die hohe Zahl der Abordnungen ablesen, nicht jedoch die genaue Entwicklung bei der Anzahl der betroffenen Lehrkräfte.

Die Debatte verdeutlicht zugleich die unterschiedlichen Herausforderungen innerhalb Sachsens: Während Leipzig und Dresden nach Einschätzung der Linken weniger stark vom Lehrermangel betroffen sind, bleibt die Gewinnung von Lehrkräften für ländliche Schulstandorte eine zentrale Aufgabe der sächsischen Bildungspolitik.