So., 23.11.2025 , 12:00 Uhr

Mammutprozess gegen mutmaßliche Linksextreme startet

Prozessauftakt am Oberlandesgericht Dresden

Rund ein Jahr nach der Festnahme des mutmaßlichen Linksextremisten Johann G. startet am Oberlandesgericht Dresden ein umfangreiches Verfahren gegen ihn und sechs weitere Beschuldigte. Das Verfahren knüpft unmittelbar an den Prozess gegen die bereits verurteilte Studentin Lina E. an – alle sollen derselben militanten Gruppe angehört haben. Aufgrund des riesigen Aktenumfangs rechnen das Gericht und die Ermittler mit einem Prozess, der sich bis 2027 hinziehen könnte.

Vorwürfe: Gewalt, Waffen und versuchter Mord

Die Bundesanwaltschaft wirft der Gruppe vor, spätestens Ende 2017 eine kriminelle Vereinigung gebildet zu haben, die eine militante linksextremistische Ideologie verfolgte. Laut Anklage sollen die Beschuldigten über Jahre hinweg gezielte Angriffe auf tatsächliche oder vermeintliche Rechtsextreme verübt haben. Die Taten sollen intensiv geplant gewesen sein und reichen von gefährlicher Körperverletzung über Sachbeschädigung bis hin zu versuchtem Mord. Zudem geht es um Urkundenfälschung, Eingriffe in den Straßenverkehr und in zwei Fällen um Waffen-Diebstahl.

Rückblick auf den Fall Lina E.

Bereits 2023 hatte das OLG Dresden die Studentin Lina E. wegen mehrerer Angriffe auf Rechtsextreme zu über fünf Jahren Haft verurteilt. Auch drei Mitangeklagte erhielten Haftstrafen. Ein Kronzeuge schilderte damals Trainings und vorbereitete Aktionen der Gruppe. Insgesamt wurden 13 Menschen verletzt, zwei davon lebensgefährlich. Lina E. soll zum Zeitpunkt der Taten mit Johann G. verlobt gewesen sein, der damals untergetaucht war.

Festnahme nach Jahren auf der Flucht

Johann G. lebte seit 2020 im Untergrund. Erst im November 2024 gelang Fahndern des Landeskriminalamtes die Festnahme – in einem Regionalzug nahe Weimar. Die Behörden hatten bundesweit mit Plakaten gesucht und eine Belohnung von 10.000 Euro ausgelobt. G. soll innerhalb der Gruppe eine führende Rolle gespielt und zudem 2023 an einem Angriff in Budapest beteiligt gewesen sein, bei dem mehrere Menschen verletzt wurden.

Hohe Sicherheitsvorkehrungen im Prozess

Der Prozess sollte ursprünglich Anfang November beginnen, wurde aber wegen des Wechsels des Vorsitzenden Richters verschoben. Nun sind zunächst rund 70 Verhandlungstage bis Sommer 2026 angesetzt, weitere bis Juli 2027. Wegen der Brisanz gelten strenge Kontrollen, und 152 Plätze stehen im Saal bereit – 50 davon für Medien. Wie bereits im Fall Lina E. wird mit Solidaritätsbekundungen aus der linken Szene gerechnet.