Sa., 04.07.2026 , 10:06 Uhr

Ein Baustellentermin gab erste Einblicke vor Ort.

Marienberg: Welterbe-Besucherzentrum öffnet am 21. August

Sachsen - Am 21. August soll in Marienberg das neue Welterbe-Besucherzentrum eröffnen. Bei einem Baustellentermin am 1. Juli gaben die Stadt Marienberg und der Welterbe Montanregion Erzgebirge e. V. erste Einblicke in das entstehende Zentrum am Markt 6. Es ist das erste von insgesamt sechs geplanten Besucherzentren der Montanregion Erzgebirge/Krušnohoří.

Noch ist im Gebäude vieles Baustelle. Im künftigen Ausstellungsbereich stehen Arbeitsbühnen, Podeste sind abgedeckt, Handwerker arbeiten an den letzten Details. Trotzdem wird bereits erkennbar, dass hier kein klassisches Museum mit Vitrinen entsteht. Die Ausstellung setzt auf Projektionen, Hörstationen, QR-Codes, Modelle und Lichtinszenierungen. Im Mittelpunkt stehen die 22 Welterbe-Bestandteile der Montanregion. Besucher sollen nicht nur informiert werden, sondern Lust bekommen, die historischen Orte in der Region selbst zu entdecken.

Das Thema des Marienberger Zentrums lautet „Werk und Kulturlandschaft“. Gezeigt werden soll, wie Bergstädte, Landschaften und die Infrastruktur über und unter Tage über Jahrhunderte miteinander verbunden waren. Ein zentraler Bestandteil ist ein Showmodus, der künftig ein bis zwei Mal pro Stunde aktiviert werden soll. Dann erwacht der Raum mit Licht, Modellen und medialen Elementen zum Leben und erzählt, wie der Bergbau die Region geprägt hat und bis heute nachwirkt.

Marienbergs Oberbürgermeister André Heinrich sprach bei dem Termin von einem besonderen Moment für die Stadt. Nach der Grundsteinlegung im Oktober 2024 und dem Richtfest sei der Baustellentermin ein weiterer wichtiger Schritt auf dem Weg zur Eröffnung. Dass das Zentrum mitten in der historischen Innenstadt entsteht, ist für ihn ein entscheidender Punkt. Ein Standort am Stadtrand sei keine Option gewesen, da der historische Stadtkern selbst Teil des Welterbes ist.

Rund 3,7 Millionen Euro kostet das Projekt. 90 Prozent der Summe werden über eine GRW-Förderung finanziert, den übrigen Anteil trägt die Stadt Marienberg. Neben der Ausstellung zieht auch die Tourist-Information in das Gebäude ein. Damit sollen Welterbe-Vermittlung und touristische Beratung künftig an einem Ort zusammengeführt werden.

Ein besonderer Teil des Baustellentermins fand trotz Dauerregen vor dem Gebäude statt. Vorschüler der Kita „Buratino“ halfen dabei, Farne und junge Gehölze in den Lichthof und an die Fassade des Besucherzentrums zu pflanzen. Unterstützt wurden sie unter anderem von Oberbürgermeister André Heinrich, Architekt David Wohlgemuth und Steve Ittershagen, Geschäftsführer des Welterbe Montanregion Erzgebirge e. V. Für die Kinder gab es anschließend kleine Überraschungen als Dankeschön.

Heinrich betonte, dass die Stadt junge Menschen früh an die Geschichte der Region heranführen wolle. Mit Schulen und Kitas gebe es dazu bereits verschiedene Projekte. Auch die Bedeutung des Waldes für den Bergbau werde dabei vermittelt. Bevor das Erzgebirge vom Bergbau geprägt wurde, war die Region vom dichten Miriquidiwald bedeckt. Holz spielte später eine zentrale Rolle für den Bergbau und für das Leben der Menschen.

Im Inneren des Gebäudes entsteht außerdem ein großes Wandbild des Künstlers René Härtel. Es zeigt Marienberg mit seinen Ortsteilen und soll die landschaftliche Vielfalt der Region sichtbar machen. Das Bild soll später auch den Mitarbeitern der Tourist-Information helfen, Besuchern Geschichten zur Stadt und zum Umland zu erzählen.

Steve Ittershagen dankte der Stadt Marienberg für die Zusammenarbeit. Bei einem Projekt dieser Größenordnung seien viele Abstimmungen notwendig, besonders wenn Bau, Ausstellung, Denkmalschutz und touristische Nutzung gleichzeitig geplant werden. Dass der Zeit- und Kostenrahmen bislang eingehalten werden konnte, sei deshalb keine Selbstverständlichkeit.

Marienberg ist der Auftakt für weitere Welterbe-Besucherzentren. In Annaberg-Buchholz soll im Winter 2026/2027 ein weiteres Zentrum folgen, Schneeberg ist für Sommer 2027 geplant. Auch in Freiberg gibt es bereits einen Welterbe-Infopunkt. Auf tschechischer Seite entstehen Zentren in Jáchymov und Krupka. Damit soll das grenzüberschreitende Welterbe Erzgebirge/Krušnohoří auf beiden Seiten der Grenze sichtbar gemacht werden.

Der symbolische Start für das Marienberger Besucherzentrum war bereits am 23. Oktober 2024 erfolgt. Damals wurde gemeinsam mit Kultur- und Tourismusministerin Barbara Klepsch der Grundstein gelegt. Auch eine Zeitkapsel wurde vergraben. Sie soll historische Aufzeichnungen für spätere Generationen bewahren.

Bis zur Eröffnung am 21. August wird auf der Baustelle weitergearbeitet. Dann soll das Besucherzentrum kostenfrei zugänglich sein und Einheimischen wie Gästen einen neuen Zugang zur Geschichte der Montanregion bieten.