Chemnitz- Für viele Künstler ist es ein entscheidender Schritt auf dem Weg zum Durchbruch. Mit seinen jährlichen Kunstankäufen unterstützt der Freistaat Sachsen gezielt den künstlerischen Nachwuchs. Welche Werke diesmal ausgewählt wurden und warum davon am Ende beide Seiten profitieren.
WIN/WIN heißt es ab Sonntag im Museum Gunzenhauser in Chemnitz. Gezeigt werden die diesjährigen Kunstankäufe der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen. Insgesamt 29 Werke von 25 sächsischen Künstlerinnen und Künstlern im Gesamtwert von 145.000 Euro haben den Besitzer gewechselt. Darunter befinden sich Gemälde, Zeichnungen, Plastiken, Fotografien und Videoarbeiten.
Und der Name ist Programm. Denn tatsächlich profitieren beide Seiten von den Ankäufen. Der Freistaat und seine öffentlichen Einrichtungen können inzwischen aus einem Bestand von 783 Werken zeitgenössischer Kunst im Gesamtwert von rund 3,3 Millionen Euro auswählen. Gleichzeitig verfolgt die Kulturstiftung damit ihr eigentliches Ziel: sächsische Künstlerinnen und Künstler finanziell zu unterstützen und ihre Arbeiten sichtbar zu machen. Und das scheint anzukommen – nicht nur beim Publikum, sondern auch bei den Kunstschaffenden selbst. Anja Richter ist Leiterin des Museums Gunzenhauser und Mitglied der Jury, die über die Ankäufe entscheidet. Würden Künstlerinnen und Künstler erfahren, dass eines ihrer Werke angekauft wird, sei die Freude meist entsprechend groß.
Eine der ausgewählten Künstlerinnen ist Stefanie Hollerbach. Ihr Werk befindet sich im Museum Gunzenhauser ungefähr auf Knöchelhöhe. Inhaltlich beschäftigt sie sich mit Materialeigenschaften und konkreten Formen. Der Ankauf helfe ihr natürlich weiter. Zum einen würden ihre Arbeiten dauerhaft bewahrt, zum anderen erhielten sie auf diese Weise eine deutlich größere Öffentlichkeit.
Bis eine Auswahl feststeht, kann allerdings einige Zeit vergehen. Laut Anja Richter läuft der Entscheidungsprozess demokratisch ab – fast wie im Landtag, allerdings ohne verbale Entgleisungen. Die Jury entschied sich unter anderem auch für ein Werk von Lucas Kaiser. Aus Sicht des Künstlers eine sehr gute Entscheidung. Das ausgewählte Werk repräsentiere sein künstlerisches Schaffen besonders gut. Außerdem handele es sich nicht unbedingt um „wohnzimmertaugliche“ Kunst. Schon deshalb erhöhe der Ankauf die öffentliche Sichtbarkeit seiner Arbeiten.
Die angekauften Werke werden künftig in öffentlichen Einrichtungen des Freistaates gezeigt. Ein Punkt, der Sebastian Kögel besonders neugierig macht. Auch eines seiner Werke wurde angekauft. Für ihn sei nun vor allem spannend, wer sich künftig für seine Arbeit entscheidet und eben auch wer nicht. Seit 2005 kauft die Kulturstiftung des Freistaates Sachsen jedes Jahr zeitgenössische Kunst aus Sachsen an. Nach der Ausstellung, die 2026 ein letztes Mal im Museum Gunzenhauser gastiert, gehen die Werke in den Kunstfonds der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden über und bleiben damit dauerhaft im öffentlichen Besitz.