Auf rund 5.500 Quadratmetern sollen in Leipzig künftig Gründungsberatung, Wissenschaft, junge Unternehmen und Investoren enger zusammenarbeiten. Am 1. Oktober wurde dafür das neue Innovationszentrum in Halle 7 eröffnet. Stadt Leipzig, Universität, HHL und weitere Partner wollen Unternehmen von der ersten Idee bis in die Wachstumsphase begleiten.
Hinter dem Projekt steht auch eine wirtschaftspolitische Hoffnung: Junge Unternehmen sollen nicht nach ihrer Gründung in andere Städte abwandern, sondern in Leipzig wachsen, Mitarbeiter einstellen und langfristig Wertschöpfung erzeugen.
Oberbürgermeister Burkhard Jung formuliert das Ziel ambitioniert. Auf die Frage, wie viele Arbeitsplätze durch das Zentrum entstehen könnten, antwortete er: „Im besten Fall Tausende.“ Einen verbindlichen Zielwert oder einen Zeitraum dafür gibt es allerdings nicht.
Für den Aufbau des Innovationszentrums wurden nach Angaben der Stadt innerhalb von zwei Jahren 17,8 Millionen Euro investiert. Bereits zuvor waren rund 13,9 Millionen Euro in die Sanierung der Gebäudehülle und Flächen für die dort ansässigen Theater geflossen. Damit liegt das Investitionsvolumen für die unterschiedlichen Bauphasen insgesamt bei knapp 32 Millionen Euro.
Damit stellt sich eine naheliegende Frage: Wann kommt dieses Geld zurück?
Eine einfache Rechnung gibt es nicht. Der wirtschaftliche Erfolg eines solchen Zentrums bemisst sich nicht allein an Mieteinnahmen oder der Zahl eingeworbener Investorenmillionen. Entscheidend ist unter anderem, ob Unternehmen dauerhaft in Leipzig bleiben, Beschäftigte einstellen und Gewinne erwirtschaften.
Das bisherige Gründungsnetzwerk kann auf eine Reihe erfolgreicher Unternehmen verweisen. Nach eigenen Angaben wurden seit 2015 mehr als 240 Start-ups unterstützt. Die durchschnittlich eingeworbene Finanzierung liege bei rund 2,9 Millionen Euro.
Diese Zahlen dürfen allerdings nicht mit einem finanziellen Rückfluss an die Stadt verwechselt werden. Venture Capital fließt zunächst in die Unternehmen. Auch hohe Finanzierungsrunden sagen nichts darüber aus, wie viel Gewerbesteuer in Leipzig gezahlt wird.
Öffentlich verfügbare Zahlen lassen deshalb keinen belastbaren Schluss zu, dass ein einzelnes bisher begleitetes Unternehmen die öffentlichen Investitionen in das neue Zentrum bereits über kommunale Steuern „zurückgezahlt“ hätte.
Der unmittelbarste kommunale Steuerfaktor ist die Gewerbesteuer. Der Leipziger Hebesatz beträgt 460 Prozent. Nach dem Gewerbesteuergesetz wird der maßgebliche Gewerbeertrag zunächst mit einer bundesweit einheitlichen Steuermesszahl von 3,5 Prozent multipliziert. Vereinfacht ergibt sich daraus bei einer Kapitalgesellschaft eine rechnerische Gewerbesteuerbelastung von 16,1 Prozent des maßgeblichen Gewerbeertrags.
Bei einer Million Euro steuerpflichtigem Gewerbeertrag wären das rechnerisch rund 161.000 Euro Gewerbesteuer. Davon sind unter anderem die Gewerbesteuerumlage und gegebenenfalls die Aufteilung zwischen verschiedenen Betriebsstätten zu berücksichtigen. Unterhält ein Unternehmen Standorte in mehreren Kommunen, wird der Steuermessbetrag grundsätzlich aufgeteilt, insbesondere anhand der Arbeitslöhne an den jeweiligen Betriebsstätten.
Auch Arbeitsplätze können kommunale Einnahmen stärken. Gemeinden erhalten 15 Prozent des bundesweiten Aufkommens aus Lohn- und Einkommensteuer. Die Verteilung richtet sich allerdings nicht einfach danach, wo jemand arbeitet, sondern unter anderem nach dem Wohnort. Körperschaftsteuer fließt dagegen direkt an Bund und Länder, nicht unmittelbar an die Kommune.
Bei der Eröffnung kam noch eine zweite Frage auf: Welche Technologien sollen an dem neuen Standort überhaupt Platz finden?
Ministerpräsident Michael Kretschmer sagte im Interview, Sachsen sei das Bundesland mit „am wenigsten Restriktionen“ und verwies darauf, dass andere Länder beziehungsweise Hochschulen Zivilklauseln kennen.
Die Aussage über die bundesweit geringsten Restriktionen ist eine politische Bewertung Kretschmers. Fakt ist: Im sächsischen Hochschulrecht besteht keine landesweit verpflichtende Zivilklausel. Einen Antrag, die staatlichen Hochschulen gesetzlich auf zivile und friedliche Zwecke festzulegen, lehnte der Sächsische Landtag im November 2024 mehrheitlich ab.
Eric Weber schränkt für den neuen Standort ein: Defense werde nicht aktiv als Schwerpunkt abgedeckt. Im Zentrum stehen insbesondere Energie, Gesundheit, Infrastruktur und Bauen. Dual-Use-Anwendungen könnten nach seiner Einschätzung dennoch entstehen, etwa wenn eine ursprünglich zivile Energietechnologie später auch militärisch eingesetzt werden könne.
Die Frage ist in Leipzig aktuell besonders präsent. Das US-Rüstungsunternehmen Covenant hat angekündigt, ab 2027 in Leipzig mit der Produktion des Langstrecken-Marschflugkörpers „Anthem“ zu beginnen. Das Unternehmen plant einen größeren Produktionsstandort für den europäischen Markt.
Eine Verbindung zwischen Covenant und dem neuen Innovationszentrum ist nicht bekannt. Die beiden Entwicklungen sollten deshalb nicht miteinander gleichgesetzt werden.
Für Halle 7 beginnt die entscheidende Phase ohnehin erst jetzt. Räume, Beratung und Netzwerke sind vorhanden. Ob aus den Millioneninvestitionen auch ein messbarer wirtschaftlicher Nutzen für Leipzig entsteht, wird sich daran zeigen, wie viele Unternehmen dauerhaft in der Stadt wachsen, Beschäftigung schaffen und hier steuerpflichtige Gewinne erzielen.