Historiker Achim Beier vom Archiv Bürgerbewegung Leipzig engagiert sich seit Jahren für das Projekt. Für ihn sind die Stolpersteine ein wichtiger Teil der Erinnerungskultur.
„Die Stolpersteine erinnern daran, dass Verfolgung und Mord nicht irgendwo weit weg passiert sind, sondern direkt vor der Haustür der Menschen“, sagt Beier.
Die etwa zehn mal zehn Zentimeter großen Messingplatten werden vor den letzten frei gewählten Wohnorten der Opfer verlegt. In Leipzig gibt es bereits rund 850 Stolpersteine. Bei der aktuellen Verlegung kamen 24 neue hinzu.
Einer der neuen Steine wurde in der Bornaischen Straße 107 in Leipzig-Lößnig verlegt. Dort lebte einst Josef Damanski, ein jüdischer Musikwissenschaftler, der 18 Sprachen beherrschte.
Mit dem Stolperstein wird heute an sein Leben und sein Schicksal erinnert.
Unterstützt wird das Projekt auch von Jugendlichen. Eine achte Klasse recherchiert regelmäßig zu den Biografien der Menschen, denen die Stolpersteine gewidmet sind.
Ihr Lehrer Andre Bochynski begleitet das Projekt seit mehreren Jahren. Gemeinsam mit den Schülerinnen und Schülern sucht er nach Spuren der ehemaligen Bewohner.
Die Jugendlichen recherchieren in Archiven, sprechen mit Zeitzeugen und versuchen herauszufinden, was aus den Menschen geworden ist. In manchen Fällen konnten sogar Nachfahren über soziale Medien gefunden werden, etwa in den USA.
Die Stolpersteine sind ein Projekt des Künstlers Gunter Demnig. Europaweit gibt es inzwischen rund 116.000 von ihnen. Finanziert werden die Messingplatten überwiegend durch Spenden.
Nach den Erfahrungen der Leipziger Arbeitsgruppe stoßen die Steine bei vielen Menschen auf positive Resonanz. Häufig kümmern sich Anwohner sogar darum, dass die kleinen Gedenktafeln sauber bleiben.
Vor der Bornaischen Straße 107 bleiben an diesem Tag immer wieder Passanten stehen. Sie lesen einen Namen, ein Geburtsjahr und einen Deportationsort.
Mehr braucht es oft nicht, um Geschichte wieder sichtbar zu machen.
Für Achim Beier ist genau das der Sinn der Stolpersteine: „Wir sind noch nicht fertig mit der Geschichte. Je mehr sich nationalistisches Denken breitmacht, desto mehr müssen wir erinnern, was aus Nationalsozialismus entstehen kann.“