Do., 05.11.2026 , 17:30 Uhr

Leipzig

5,3 Tonnen schweben durch Leipzigs City-Tunnel: So entsteht die neue XXL-Rolltreppe 2

5,3 Tonnen schweben durch Leipzigs City-Tunnel. Wir begleiten den Einbau der nächsten XXL-Rolltreppe.

Leipzig. Ein 5,3 Tonnen schweres Bauteil schwebt durch die S-Bahn-Station Wilhelm-Leuschner-Platz. Befestigt an einer aufwendigen Konstruktion aus Stahlträgern und Kettenzügen, wird der Koloss langsam in die Tiefe bewegt. Zentimeter für Zentimeter, mitten im laufenden Bahnbetrieb. Die Deutsche Bahn baut hier die nächste ihrer außergewöhnlichen XXL-Rolltreppen ein. SACHSEN FERNSEHEN hat die nächtliche Montage begleitet und mit dem technischen Projektleiter Mathias Prell von DB InfraGO über die Herausforderungen gesprochen.

5,3 Tonnen Stahl mitten im laufenden S-Bahn-Betrieb

Mittwochabend, 20 Uhr. Während in der unterirdischen Station weiterhin S-Bahnen halten, arbeiten Monteure an einem außergewöhnlichen Bauprojekt. Die alten Rolltreppen sind bereits ausgebaut. Nun müssen die schweren Einzelteile der neuen Anlage an ihren vorgesehenen Platz.

„Wir bauen hier im laufenden Betrieb, das heißt rechts und links fahren Züge“, erklärt Mathias Prell, technischer Projektleiter bei DB InfraGO.

Allein eines der eingesetzten Bauteile wiegt rund 5,3 Tonnen. Um die Konstruktion in Position zu bringen, kommen unter anderem Kettenzüge und Motoren zum Einsatz. Dennoch bleibt ein erheblicher Teil der Arbeit Handarbeit. Nach Angaben von Prell sind fünf bis sechs Fachkräfte unmittelbar an einem solchen Bauteil beschäftigt. Weitere Mitarbeiter kümmern sich um die Absicherung und Koordination.

Eine logistische Meisterleistung unter der Leipziger Innenstadt

Die größte Herausforderung beginnt lange vor dem eigentlichen Einbau. Denn die Station liegt tief unter der Innenstadt. Für schwere Baumaschinen und sperrige Bauteile ist der Platz begrenzt.

Deshalb mussten bereits in der Planungsphase die Transportwege, die Stromversorgung und die Tragfähigkeit der Deckenkonstruktion berücksichtigt werden. Statiker prüften, ob die Konstruktion den enormen Belastungen während der Montage standhalten kann.

Hinzu kommt: Die neuen Rolltreppen sind keine gewöhnlichen Serienprodukte. Sie werden speziell für die baulichen Gegebenheiten am Wilhelm-Leuschner-Platz entwickelt.

„Die werden so auch nirgendwo anders reinpassen“, erklärt Prell.

Gefertigt werden die Anlagen nach seinen Angaben in Hamburg. Anschließend werden sie in mehreren großen Einzelteilen nach Leipzig transportiert. Vor Ort entsteht aus insgesamt acht Bauteilen eine durchgehende Rolltreppe.

55 Meter lang: Was macht die neue Rolltreppe so besonders?

Nach ihrer Fertigstellung misst die Anlage rund 55 Meter und überwindet einen Höhenunterschied von etwa 20 Metern. Laut Deutscher Bahn handelt es sich um Europas längste Rolltreppe mit einem fahrenden Mittelpodest.

Das Besondere liegt in der Mitte der Konstruktion: Dort werden die Stufen flach und bewegen sich auf einer Ebene weiter, ähnlich einem Fahrsteig am Flughafen. Anschließend formen sie sich wieder zu Stufen.

Bislang mussten Fahrgäste auf halber Strecke von einer Rolltreppe absteigen, ein festes Zwischenpodest überqueren und auf die nächste Anlage wechseln. Künftig ist die gesamte Fahrt ohne Unterbrechung möglich.

Dadurch verändert sich auch die technische Ausstattung des Bahnhofs. Aus bisher acht einzelnen Rolltreppen werden vier durchgehende Anlagen. Weil dadurch weniger separate Antriebs- und Steuerungseinheiten benötigt werden, erhofft sich die Deutsche Bahn langfristig eine höhere Zuverlässigkeit und weniger Ausfälle.

XXL-Rolltreppe löst Hype im Internet aus

Auf der gegenüberliegenden Seite der Station, in Richtung Innenstadt, sind die ersten neuen Rolltreppen bereits seit Oktober in Betrieb. Besonders das ungewöhnliche Mittelpodest sorgt seitdem für Aufmerksamkeit.

Videos der langen Fahrt verbreiteten sich in sozialen Netzwerken. Die Begeisterung überraschte sogar die Verantwortlichen des Bauprojekts. Wie Prell gegenüber SACHSEN FERNSEHEN erklärt, sei dem Projektteam zunächst gar nicht bewusst gewesen, welche Aufmerksamkeit die neuen Anlagen auslösen würden.

Inzwischen erreichen den Projektleiter auch aus seinem persönlichen Umfeld Videos und Beiträge über die XXL-Rolltreppen. Für ihn sei es durchaus ein Grund, stolz auf die geleistete Arbeit zu sein.

Wann sind die nächsten Rolltreppen fertig?

Bis auch die Anlagen auf der gegenüberliegenden Seite genutzt werden können, sind noch mehrere Arbeitsschritte notwendig. Nach dem Einsetzen müssen die einzelnen Bauteile miteinander verbunden, die Antriebs- und Steuerungstechnik angeschlossen und die Anlagen umfassend geprüft werden.

Anschließend folgen die technische Abnahme und ein Probebetrieb.

Nach Angaben von Mathias Prell rechnet die Deutsche Bahn damit, die beiden neuen Rolltreppen noch bis Ende 2026 in Betrieb nehmen zu können.

Die Bauarbeiten sind Teil einer größeren Modernisierung des Leipziger City-Tunnels. Insgesamt werden elf Rolltreppen und fünf Aufzüge an den Stationen Markt, Bayerischer Bahnhof und Wilhelm-Leuschner-Platz erneuert.

Die bisherigen Anlagen stammen aus der Zeit der Eröffnung des City-Tunnels im Jahr 2013. Für das gesamte Modernisierungsprogramm investiert die Deutsche Bahn rund 12,5 Millionen Euro. Etwa 32.000 Reisende nutzen den City-Tunnel nach Bahnangaben täglich.

Vollständig abgeschlossen sein sollen die Arbeiten im Frühjahr 2027.

Bis dahin bleibt den Fahrgästen zumindest eine Besonderheit erhalten: Während auf der einen Seite bereits die neue XXL-Rolltreppe fährt, entsteht wenige Meter entfernt unter erheblichem technischem Aufwand ihr nächstes Gegenstück.

Reporter: Jonas Juckeland | SACHSEN FERNSEHEN