Meister. Pokalsieger. Und als erstes deutsches Floorballteam auch noch Sieger auf internationaler Ebene. Hinter den Damen des MFBC Leipzig liegt eine Saison der Superlative.
Gut einen Monat nach dem historischen Erfolg im EuroFloorball Cup beginnt allerdings wieder der Alltag. Training, Taktik, Videoanalyse und der Blick auf den ersten Gegner. Die Titel aus der vergangenen Saison helfen dabei nur bedingt. Denn mit dem Saisonstart beginnt auch für den Triplesieger wieder alles von vorn.
Die entscheidende Frage lautet deshalb: Wie satt ist eine Mannschaft, die gerade alles gewonnen hat?
Eine, die diese Situation kennt, ist Anne Marie Mietz. Für die erfahrene Leipzigerin beginnt bereits die 20. Saison. Die Rolle des Gejagten und der damit verbundene Druck gehören für sie inzwischen dazu.
Und genau damit kann Mietz offenbar gut umgehen. Druck könne sogar helfen, sich stärker zu fokussieren, sagt sie. Entscheidend sei, wie die Mannschaft gemeinsam damit umgehe.
Dass der MFBC inzwischen von vielen Gegnern besonders gejagt wird, überrascht kaum. Meisterschaft und Pokal gingen zuletzt zweimal in Folge nach Leipzig. Mit dem internationalen Titel kam in diesem Jahr noch ein weiterer historischer Erfolg hinzu.
Für Cheftrainer Svensson Hoppe besteht die Herausforderung nun darin, nach dieser außergewöhnlichen Saison neue Reize zu setzen.
An Motivation mangele es seiner Mannschaft allerdings nicht. Hoppe spricht von neuen Meilensteinen, die sich das Team selbst setzt. Neben der Titelverteidigung könnte etwa ein weiterer Pokalsieg besondere Bedeutung bekommen. Auch ein drittes Double in Folge wäre für die Leipziger ein weiteres außergewöhnliches Kapitel.
Hoppe geht inzwischen in seine fünfte Saison als Cheftrainer der Damen. Statt nach dem Triple alles neu aufzubauen, kann er dabei auf einen gewachsenen Kern setzen.
Genau diese Mischung sieht auch Mietz als eine der großen Stärken des Teams.
Auf der einen Seite stehen junge Spielerinnen, die sich beweisen und Spielzeit erkämpfen wollen. Auf der anderen Seite gibt es Routiniers, die seit Jahren wissen, wie es sich anfühlt, um Titel zu spielen.
Für Mietz ist diese Kombination ein wichtiger Grund dafür, warum der MFBC über mehrere Jahre hinweg so konstant erfolgreich geblieben ist.
Viel Zeit zum langsamen Reinkommen bleibt dem Triplesieger allerdings nicht. Zum Saisonauftakt wartet mit Bonn direkt einer der stärksten Gegner der Liga.
Entsprechend konkret lief bereits das letzte Training vor dem Start. Spielsituationen des Gegners wurden vorbereitet und Einheiten per Video aufgezeichnet, um anschließend einzelne Szenen auszuwerten.
Hoppe zählt Bonn zu den Top-Teams der Liga und bezeichnet den Auftakt deshalb als wichtigen Gradmesser. Nach einer langen Vorbereitung werde sich dort erstmals wirklich zeigen, wo seine Mannschaft im Vergleich zur Konkurrenz steht.
Dass der MFBC Titel gewinnen kann, muss diese Mannschaft niemandem mehr beweisen. Spannender ist vor der neuen Saison deshalb eine andere Frage: Kann ein Team, das gerade die erfolgreichste Phase seiner Geschichte erlebt, denselben Hunger noch einmal entwickeln?
Die Konkurrenz wartet, der Druck ist gestiegen und die nächsten Ziele sind längst gesetzt.