Der Grund ist oft nicht fehlendes Fachwissen, sondern mangelnde Sprachpraxis. Viele Auszubildende reisen mit einem B1-Zertifikat an. Formal reicht das – im Berufsalltag und in Prüfungen jedoch häufig nicht. „Theorie und Praxis sind oft zwei verschiedene Paar Schuhe“, sagt Ausbilder und Prüfer Hong Le Phuc. Wer Prüfungsfragen nicht richtig versteht, kann sein Können nicht zeigen.
Die Prüfungsstatistiken der IHK wirken auf den ersten Blick positiv: Die Bestehensquoten liegen zwischen 75 und 95 Prozent. Besonders hoch sind sie in Berufen mit wenig Kundenkontakt, etwa in der Küche. Doch genau dort fehlt oft die tägliche Anwendung der deutschen Sprache.
Entscheidend ist deshalb die Integration im Betrieb. „Azubis müssen von Anfang an ins Team eingebunden werden und mit Kunden sprechen“, betont IHK-Geschäftsführer Gert Ziener. Auch eine strukturierte Ausbildung mit allen Stationen sei wichtig. Wo Praxis gefordert wird, wächst auch die Sprache.
Die IHK setzt zusätzlich auf frühe Förderung. In Pilotprojekten kommen Auszubildende bereits Monate vor Ausbildungsbeginn nach Deutschland und erhalten intensive Sprachkurse sowie Unterstützung bei Unterkunft und Organisation. Die meisten bestehen später ihre Prüfungen.
Der Blick zeigt: Die Abschlussprüfung ist selten das eigentliche Problem. Sie macht nur sichtbar, wie gut die Vorbereitung war. Wo Sprache, Betreuung und Rahmenbedingungen stimmen, profitieren alle – Azubis, Betriebe und der Arbeitsmarkt in Sachsen.