Ein lauter Knall, ein kurzer Moment – und plötzlich ist nichts mehr wie vorher. Rund um den Jahreswechsel hat die Notaufnahme am Universitätsklinikum Leipzig einen Höchststand an Notfallbehandlungen registriert. Besonders auffällig: die Zahl schwerer Verletzungen durch Feuerwerkskörper. Viele davon betreffen die Hände – mit langfristigen Folgen für Alltag und Beruf.
Wie schnell es gehen kann, schildert ein Patient, der sich in der Silvesternacht schwer an der Hand verletzt hat:
„Und zwar hatte ich mehrere Feuerwerkskörper in der Hand. Einen bengalischen Pyrosatz und einen Böller. Und der bengalische Pyrosatz ist halt losgegangen. Den konnte ich noch wegschmeißen, habe aber nicht gemerkt, dass der nebenbei den Böller mit durchgebrannt hat. Und dann kam es wenige Sekunden später zur Explosion und so ist es passiert.“
Eine Sekunde, die alles verändert. Eine Woche nach dem Unfall blickt er mit gemischten Gefühlen zurück:
„Ja, es ist natürlich eine schlimme Verletzung. Es ist auch sehr unschön, aber ich bin halt froh, dass es noch relativ gut gegangen ist.“
Was die Ärztinnen und Ärzte am UK Leipzig besonders alarmiert: das Alter der Betroffenen. Stefania Sima, Assistenzärztin für plastische, ästhetische und spezielle Handchirurgie, sagt:
„Es waren tatsächlich Jugendliche. In den vergangenen Jahren hatten wir so, sage ich mal, Patienten, die weit über 30 Jahre alt waren. Dieses Jahr waren es teilweise 14-, 15-, 16-Jährige. Wir hatten auch ein elfjähriges Kind, welches auch mit solchen Verletzungen kam.“
Gerade bei jungen Menschen können Handverletzungen lebenslange Auswirkungen haben:
„In der Regel sehr junge Patienten und tatsächlich Patienten, die Verletzungen insbesondere in der dominanten Hand erlebt haben, die sicherlich ein Leben lang sie begleiten würden.“
Viele dieser Verletzungen lassen sich nicht mit einem einzigen Eingriff beheben. Stefania Sima erklärt, was im OP passiert:
„Es hängt alles davon ab, wie was für eine Verletzung vorliegt, wie viel vom Weichteilmantel noch besteht und wie die Durchblutung ist, denn das ist das große Problem.“
Oft sind Knochen freigelegt, Weichteile zerstört. Dann folgen mehrere Operationen, manchmal über Monate hinweg. Dr. Andreas Höch, geschäftsführender Oberarzt der Unfallchirurgie, macht die Dimension deutlich:
„Wir sprechen wirklich davon, dass manche Patienten wie in so einem kritischen Fall hier bis zu zehnmal operiert werden.“
Für viele Betroffene geht es nicht nur um Schmerzen, sondern um ihre Existenz. Der verletzte Patient sagt:
„Ja, ich habe einen handwerklichen Beruf. Man muss jetzt genesungstechnisch drauf hoffen, dass es halt einigermaßen wieder wird. Aber so ein bisschen die Angst bleibt dann doch schon noch, solange es nicht ganz verheilt ist.“
Silvesterverletzungen sind keine Randnotiz. Sie entstehen in Sekunden – und begleiten manche ein Leben lang. Was bleibt, ist der Appell der Ärztinnen und Ärzte: Vorsicht, wo ein Moment genügt, um alles zu verändern.